Am Drahtseil zwi­schen Wolkenkratzern

16. Februar 2009, 17:19
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James Marsh dokumentiert in "Man on Wire" Philippe Petits Hochseilakte zwischen den Türmen des World Trade Center

Wien - Als läge er auf einer Wolke: Der Mann in Schwarz, ein kleiner Punkt am Himmel, mehr als 400 Meter über den Köpfen staunender Passanten, macht auf seinem Seil ein kleines Päuschen. Dann nimmt er den Tanz in luftiger Höhe wieder auf, setzt von einem Turm des World Trade Center zum anderen über. Dort erwarten ihn Polizisten.

Auf diese knappe Dreiviertelstunde am 7. August 1974 läuft in James Marshs Dokumentarfilm Man on Wire alles zu; und danach bricht einiges auseinander. Die Obsession des 1949 geborenen Franzosen Philippe Petit für die New Yorker Wolkenkratzer lässt sich bis in dessen Jugend rückdatieren, da waren die Gebäude noch in Planung.

In "Man on Wire" geht es darum, den materiellen Aspekt eines solchen Hochseilakts zu vermitteln: die körperliche Vorbereitung und die Frage, wie bekommt man etwa das Equipment auf die Plattform?

Der Film arbeitet mit Einzelinterviews vieler Beteiligter und mit Archivmaterial. Drittes Element sind Rekonstruktionen einzelner Schritte, an die sich die Interviewten erinnern. Das fußt auf einer angelsächsischen Dokumentarfilmtradition, die weniger Berührungsängste in Bezug auf nachgestellte Szenen hat. Es hat natürlich auch damit zu tun, dass der damalige Schauplatz des Geschehens seit den Anschlägen des 11. September nicht mehr existiert.

Aber es nimmt auch den Erzählgestus der Gesprächspartner auf: Längst sind die Erinnerungen in eine narrative Form gegossen, die mit Spannungskurven und anderen Kunstgriffen operiert. Petit und seine Verbündeten (beziehungsweise ihre Doubles) infiltrieren somit nach und nach auf der Leinwand noch einmal das World Trade Center (beziehungsweise entsprechende Kulissen) - und zwar in einer Weise, die an Spionagethriller oder Verschwörungsszenarien erinnert. Diesmal gibt es dazu auch die entsprechenden Kinobilder in grobkörnigem Schwarz-Weiß.

Nicht alle Dinge lassen sich in Worte fassen: Noch im Rückblick bewegt der ebenso überwältigende wie schockierende Anblick des Mannes zwischen den Türmen die Beteiligten mehr, als Begriffe wie "magisch" oder "profund" ausdrücken könnten. Allmählich schält sich aus der Schilderung der Abläufe und Anekdoten noch eine zweite, mindestens genau so spannende Erzählung heraus: Diese bleibt allerdings leider nur angerissen. Sie handelt von gruppendynamischen Prozessen, von Spannungen und Misstrauen, von kollektiven Anstrengungen und Alleingängen und einem finalen Bruch. Den kann offenbar auch Jahrzehnte später kein Drahtseil der Welt überbrücken. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 17.02.2009)


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12 Postings
rough_rider
17.02.2009 12:43
Misogynius
26.02.2009 09:50

Es gibt offensichtlich Typen, denen gehts während oder nach solchen Extremaktionen besser. Na bitte, soll sein. Jedem das seine.

Wo für mich dann allerdings das Verständnis abrupt endet ist, wenn sich solche Leute aus Sensationsgier oder eines kräftigen Adrenalinkicks wegen in die Bredouille manövriert haben und sodann damit rechnen, dass sich andere - sprich Rettungsmannschaften - ebenfalls in Lebensgefahr begeben müssen um sie aus der misslichen Lage wieder zu befreien.

vagabond235
17.02.2009 17:48

Ein wenig neueres als aus dem "Highliner":

http://www.youtube.com/user/HartiSlack
http://www.youtube.com/user/slacklinerat
sowie
http://www.youtube.com/user/CatalysticPro

Slacklinen entwickelt sich momentan recht stark in dieser Richtung, das Niveau von guten Drahtseilartisten erreicht aber momentan kaum jemand...

pantau
17.02.2009 13:32

an den hab ich auch grade gedacht! Dean Potter ist wirklich unpackbar...

Ava Tar
17.02.2009 13:31

bist du deqqert ich tät mich voll an*** keine 10 Sekunden würd ich da stehen ;o)

SebastianR
17.02.2009 15:51
schau dir mal DIESE wahnsinnigen an

http://www.youtube.com/watch?v=ttz5oPpF1Js

okimot 
17.02.2009 22:17

Wirklich nett gemacht ... können gut mit After Effects umgehen ... obwohl, bisserl plump ist es schon gemach, vor allem die Schatten sind zu dick aufgetragen.

sadfjklöaglsjkfga 
23.02.2009 21:05
rough_rider
17.02.2009 17:33

sehr fett - auch die musik!
aber dennoch: mit fallschirm *gääähn*

hehehe :-P

Radioactivesuperspiderman 
19.02.2009 01:52

nun, wenn man sich den film so ansieht glaubt man ja beinahe, die brauchen sowieso keinen.

behacker
16.02.2009 17:58
schon seit letzten Freitag im Kino!

läuft schon seit letzter Woche!

struppy granata
17.02.2009 09:28
wahrscheinlich

wurde er deswegen hier rezensiert....

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