Sanieren geht über Studieren

16. Februar 2009, 17:02
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Wohnraumsanierung scheitert oft an fehlendem Wissen und finanziellen Hürden. Neue Aktionen von Bund und Ländern sollen helfen

Wer ein Haus erbt, dem werden auch manche Schwierigkeiten vermacht. Viele der heute 20-bis 40-Jährigen, vor allem am Land, stehen bald vor einem Problem, das ihnen möglicherweise gar nicht so recht bewusst ist. Die Eltern haben vor Jahrzehnten mühsam ein Einfamilienhaus gebaut. Gute Dämmung und andere Energie sparende Maßnahmen waren damals noch kein Thema.

Heute gilt die zwischen 1945 und 1980 errichtete Bausubstanz deshalb als energetisch höchst problematisch. Das betrifft etwa 1,5 Millionen Wohneinheiten, die Hälfte davon in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Der Energieaufwand dieser Gebäude beträgt oft mehr als 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Eine Sanierung ließe diesen auf ein Fünftel bis ein Zehntel sinken. Die Elterngeneration nimmt dies aber in den meisten Fällen nicht mehr in Angriff.

Keine Anreize...

Das hat mehrere Gründe: Einerseits herrscht die Einstellung vor, dass das Haus eben nun einmal mit eigenen Händen "fertig gebaut" worden ist. Ein größerer Umbau ist Sache der nächsten Generation, man selbst fühlt sich auch schon zu alt dafür. Bei einer vor Kurzem von der Gemeinschaft Dämmstoff Industrie (GDI) präsentierten Umfrage nach "Hinderungsgründen" gaben 9 Prozent der befragten 500 "Renovierer/Modernisierer" an, für eine thermische Sanierung "zu alt" zu sein. Ebensoviele gaben "zuwenig Vertrauen in Energie-Experten" als Grund an.

Jeweils zwölf Prozent sagten, der Nutzen einer solchen Sanierung sei nicht erkennbar, oder die rechtlichen Rahmenbedingungen seien nicht entsprechend. Vor allem bei Mehrwohnungsbauten wird eine energetische Modernisierung nämlich oft durch das Wohnungseigentumsgesetz schlicht unmöglich gemacht: Für umfassende Maßnahmen ist eine Mehrheit der Eigentümer, bei der Finanzierung sogar Einstimmigkeit erforderlich.

...und fehlende Infos

Gleich für 26 Prozent sind die Unannehmlichkeiten während der Sanierung - die Suche nach einer Ersatz-Bleibe etc. - zu groß. 31 Prozent fühlen sich über Kosten, Nutzen und Finanzierung schlecht informiert oder haben sich in diese zugegebenermaßen sehr komplexe Materie nicht eingelesen.

Und der wichtigste Hinderungsgrund sind schließlich "zu hohe Kosten" - gleich 58 Prozent bejahten diesen Punkt. Die sind auf den ersten Blick tatsächlich enorm: Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus aus den 70er- oder 80er-Jahren ist für eine Vollsanierung mit Fenstertausch, Umstellung des Heizsystems und Sanierung der Gebäudehülle jedenfalls mit Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro zu rechnen. Die Förderungen dafür waren bisher zu gering.

Die Vorteile überwiegen

All diesen Hinderungsgründen stehen allerdings gewichtige Argumente gegenüber: Energieeffizienz im Gebäudebereich bringt Einsparungen an Energie, CO2-Emissionen und - Geld.

Investitionen in die Dämmung des eigenen Hauses amortisieren sich meist in acht bis elf Jahren, das heißt, durch die dann erzielten Einsparungen bei den Heizkosten hat man die Ausgaben für die Sanierung wieder herinnen.

Programme von Bund und Ländern

Das von der Regierung im vergangenen Jahr beschlossene Konjunkturpaket für die thermische Sanierung halten viele Experten für einen Schritt in die richtige Richtung, der dafür veranschlagte Betrag von 100 Millionen Euro wird aber als viel zu gering angesehen. Organisationen wie die IG Passivhaus wünschen sich das Fünffache, laut Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) wäre gleich das Zehnfache dieser Summe nötig.

Bund und Länder haben zur Umsetzung der Kyoto-Ziele eine gemeinsame Klimastrategie erarbeitet, die in einer Vereinbarung nach Paragraph 15a BVG müdete. Mehrere Länder haben daraufhin bereits ihre Förderbestimmungen neu geregelt (Links zu den Bestimmungen der Länder siehe unten).

Das Land Salzburg hat sich etwa vorgenommen, mit dem neuen "SanierungsCheck" eine "Welle" an thermischen Sanierungen von Wohngebäuden auszulösen. Zwei Sanierungsberater wurden vom Land engagiert, die den Hausbesitzern bei der Förderabwicklung behilflich sind. Mittelfristig sollen auch in den Gemeinden eigene Sanierungsberater etabliert werden.

Für Sanierungswillige gibt es aber nicht nur kostenlose Tipps, sondern auch Geld vom Land Salzburg: Bis zu 3.000 Euro werden bei der Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern aus dem Fördertopf von Landes-Energiereferent Sepp Eisl ausbezahlt. Konkret gewährt das Energieressort seit 1. Februar 2009 für die Gesamtsanierung von Ein- oder Zweifamilienbauten, die Erstellung eines Energieausweises sowie die Sanierung der obersten Geschossdecke einen Direktzuschuss.

Sanierungsoffensive in NÖ und Wien

Auch das Land Niederösterreich bietet im Zuge seiner neuen Sanierungsoffensive ab 1. März einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von 30 Prozent zur Sanierung des Eigenheimes. Maximal können so bis zu 12.000 Euro ausbezahlt werden. Mit dem Ausbau der Fördergelder in Richtung thermische Sanierung erwartet auch die niederösterreichische Bauwirtschaft starke Auftragsanstiege.

In Wien wurde Mitte Dezember eine neue Sanierungsverordnung vom Landtag beschlossen. Die Förderung einer thermisch-energetischen Sanierung wird nun an die erreichte Reduktion des Heizwärmebedarfs gekoppelt. Je geringer der Energiebedarf eines Gebäude durch die thermisch-energetische Sanierung wird, desto höher fällt auch die Förderung aus. Die zulässige Förderhöchstgrenze bei einer Totalsanierung wurde mit Jahresbeginn von 1.480 Euro pro Quadratmeter auf 1.660 Euro angehoben.

50 Millionen des Bundes

"Additiv" zu den Förderungen der Länder soll es ab 1. April nun auch eine Förderung des Bundes für die thermische Sanierung privater Haushalte geben. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will dafür 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen, neben der Einsparung von Energie erwartet er sich dadurch auch Impulse für das Gewerbe.  (map, derStandard.at, 16.2.2009)

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    Zu hohe Kosten, zuwenig Information, zu mühsam: Viele ältere Menschen verzichten auf die thermische Sanierung ihrer Häuser. Mit neuen Sanierungsoffensiven soll das geändert werden.

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