Referendum in Venezuela

"Chávez und Obama werden keine Freunde"

16. Februar 2009, 16:58
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    quelle: hein

    "Aufgrund der sinkenden Ölpreise wird die populistische Basis der Politik in nächster Zeit sehr stark unter Druck geraten."

Über Wiederwahl und Diktatur, sinkende Ölpreise und einen Militärputsch - Interview mit dem Politologen Wolfgang Hein

Die Möglichkeit zur Wiederwahl allein, ist noch kein Schritt in Richtung Diktatur, erklärt Wolfgang Hein vom GIGA-Institut für Lateinamerikastudien in Hamburg im Gespräch mit derStandard.at. "Der Ausgang des Referendums bedeutet nur, dass die Amtszeit möglicherweise verlängert werden kann, wenn er bei den nächsten Wahlen wiedergewählt wird." Allerdings könnten die sinkenden Einnahmen aus dem Ölexport auch das Ende für die Sozialprogramme bedeuten und damit der Beliebtheit Chávez' bei ärmeren Bevölkerungsschichten Grenzen setzen. Dass sich Chávez nach einer eventuellen Wahlniederlange mit militärischen Mitteln an der Macht hält, glaubt Hein allerdings nicht.

***

derStandard.at: Ist die mögliche Verlängerung der Amtszeit der erste Schritt Richtung Diktatur?

Wolfgang Hein: Das ist schwer zu sagen. Es hat schon im Dezember 2007 ein erstes Referendum gegeben, wo Chávez versuchte, die Möglichkeit der Wiederwahl durchzusetzen. Das war verbunden mit einer ganzen Reihe sehr viel weiter gehenden Verfassungsänderungen und ist mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Chávez hat dieses Ergebnis zunächst auch anerkannt. Jetzt hat er versucht, durch eine stärkere Fokussierung der Verfassungsänderung auf die Frage der weitergehenden Amtszeit zumindest diesen Punkt durchzubekommen.

Formal ist in präsidentiellen Demokratien die Begrenzung der Amtszeit normal. In Lateinamerika war es lange Zeit nur eine Amtszeit - jetzt gibt es die Tendenz in einer ganzen Reihe von Ländern, dass zumindest eine Wiederwahl möglich ist. Wenn man das mit parlamentarischen Demokratien vergleicht, wo, wenn die Mehrheiten entsprechend sind, der Regierungschef auch mehrmals wieder gewählt werden kann, ist allein die Möglichkeit zur Wiederwahl noch keine so weitgehende Vorentscheidung. Der Ausgang des Referendums bedeutet nur, dass die Amtszeit möglicherweise verlängert werden kann, wenn er bei den nächsten Wahlen wiedergewählt wird.

derStandard.at: Der Grund für Chávez große Beliebtheit bei ärmeren Bevölkerungsschichten sind seine Sozialprogramme, die durch Öl-Einnahmen finanziert werden. Jetzt sinkt der Ölpreis und die Wirtschaftskrise tut das Ihrige dazu, dass dem Staat das Geld ausgeht. Wird in weiterer Folge auch die Beliebtheit von Chavez sinken?

Hein: Das ist grundsätzlich zu erwarten. Wenn man so will, hatte der Zusammenbruch des traditionellen Parteiensystems in Venezuela ähnliche Gründe. In den 1960er und 1970er Jahren gab es ein relativ stabiles Zwei-Parteiensystem, plus einiger linker Parteien, die auch im Parlament vertreten waren. Damals war es ja auch so, dass sich dieses System in einer Zeit steigender Ölpreise stabilisiert hat.

In den 1980er Jahren, als die Ölpreise langfristig gesunken sind, ist dieses Parteiensystem immer mehr unter Druck gerat und hat sich schließlich mit einer ganzen Reihe von Skandalen in den 1980er Jahren letztlich aufgelöst. Diese traditionellen Parteien spielen nur noch eine sehr geringe Rolle. Ein großer Teil der Wähler, der damals diese Parteien verlassen hat, hat in Chàvez ihren Hoffnungsträger gefunden.

derStandard.at: Müssen sich die Gegner von Chávez nun auf mehr Repressionen von Seiten der Regierung einstellen?

Hein: Aufgrund der sinkenden Ölpreise wird die populistische Basis der Politik in nächster Zeit sehr stark unter Druck geraten. Dann ist natürlich schon zu befürchten, dass Chávez versucht, die Mobilisierung in größeren Bevölkerungsteilen zu nutzen, um noch zusätzlich Druck auszuüben.

Bisher hat er versucht alles im Prinzip doch innerhalb der verfassungsmäßigen Ordnung durchzusetzen. Gleichzeitig hat Chávez immer betont, dass er Mehrheiten für seine Politik hat.

Auch die internationalen Situation, in der er sich befindet, spielt eine Rolle: Der einzige Bündnispartner, der grundsätzlich sagen würde, dass diese Form von parlamentarischer Demokratie für eine sozialistische Politik nicht relevant ist, wäre Kuba. Während auf der anderen Seite alle Versuche der Kooperation mit Ländern wie Bolivien, Argentinien oder Brasilien doch problematisch werden würden, wenn Chávez sich ganz offen über Wahlen oder Ergebnisse von Referenden hinwegsetzt. Bisher die Wahlbeobachter, die im Land waren, immer gesagt haben, dass diese Referenden im Wesentlichen fair abgelaufen sind.

derStandard.at: Angenommen Chávez würde die nächsten Wahlen verlieren, glauben Sie an einen Rückzug?

Hein: Ich glaube eigentlich nicht, dass Chávez versuchen würde mit einem Militärputsch an der Macht zu bleiben.

derStandard.at: Wie kann man sich das gespannte Verhältnis zu Israel erklären?

Hein: Chávez versucht seine Bündnispartner unter den linken Regierungen in den Entwicklungsländern zu finden. Das heißt auch, sich als Vorreiter des Kampfes der Entwicklungsländer gegen die Industrieländer zu positionieren. Das bedeutet eben auch Länder wie den Iran, Nordkorea und Libyen, die von den USA tendenziell als Schurkenstaaten bezeichnet werden, mit einzubeziehen. Darunter sind einige Länder, die eine sehr aggressive Politik gegenüber Israel vertreten. Von daher gerät Israel in die Perspektive des Nord-Süd-Konfliktes. Wie weit es antisemitische Aspekte im Inneren Venezuelas gibt, weiß ich nicht. Davon hab ich nie gehört.

derStandard.at: Wie werden sich die Beziehungen zu den USA weiterentwickeln jetzt wo Obama Präsident ist und das Feindbild Bush fehlt?

Hein: Ich kann mir nicht vorstellen, dass beide enge Freunde werden. Aber andererseits wird Obama sicherlich versuchen, gute Beziehungen zu Ländern zu entwickeln, die Chàvez tendenziell als Bündnispartner sieht. Auch die Entwicklung der Beziehungenen zwischen den USA und Kuba spielt eine Rolle. Wenn Obama Kuba Chancen für eine Normalisierung der Beziehungen aufzeigt, nehme ich an, dass ein gegen die USA gerichtetes Bündnis Venezuela-Kuba nicht sehr viele Chancen hat. (mka, derStandard.at, 16.2.2009)

Zur Person: Wolfgang Hein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des GIGA-Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg.

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Posting 1 bis 25 von 135
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Kristof Grabmayer
144
17.2.2009, 13:54

Chavez ?
ist das nicht der antisemit? ;P

Freie Welt
00
So ein Unsinn

Mit Verlaub: In Venezuela wissen die Menschen doch nicht einmal, was Juden sind. Und zwar, weil sie mit deren Kultur nie auch nur irgendwelche Berührungspunkte hatten.

Das wäre in etwa so, als würde man in Österreich nach Leuten mit einer Anti-Aboriginal-Einstellung suchen.

Chavez biedert sich einfach an die Feinde der USA an, das ist alles.

Horst Holger
01
Schmarren, was Sie da schreiben

es gibt sehr viele Juden in Venezuela und entsprechend auch Berührungspunkte. Chavezb hat sich auch schon des öfteren mit der jüdischen Gemeinde in venezuela angelegt, mal unabhängig davon, was er von den USa hält.

aron lei1
16
17.2.2009, 20:57

Welcher?Nicht um den Brei reden,bitte!

Horst Holger
00
18.2.2009, 23:25
einer der...

jetzt verstanden?

BostonWhaler
74
17.2.2009, 16:39

Ja.

José Atento
17
17.2.2009, 13:20
Weils irgendwie passt - Zitat

"Die Besitzer des Kapitals werden die Arbeiterklasse dazu stimulieren, immer mehr teure Güter, Häuser und Technologien zu kaufen, und sie dazu drängen, immer teurere Kredite aufzunehmen, bis ihre Schulden nicht länger tragbar sind. Diese unbezahlten Schulden werden zu Konkursen bei den Banken führen, die dann verstaatlicht werden müssen und der Staat wird dann den Pfad einschlagen, der irgendwann zum Kommunismus führen muss."
[Das Kapital, von Karl Marx, 1867]

Gracht
 
31
17.2.2009, 18:26

Marx muss einfach widersprochen werden.
Die Marxisten wollten einen autoritären Staat errichten, der dann von selber abstirbt.
Dann wären alle frei.
Das ist absolut lächerlich.
Wohin das geführt hat, ist uns allen bekannt.
Anarchistische Grüße

José Atento
00

Es ist halt leider wirklich SO gekommen wie Marx das schon 1867 beschrieben hatte.

Und der Trend zum Sozialismus und zum totalitären Staat ist wohl auch kaum aufzuhalten. Man nehme nur die D her. Die planen doch wirklich den totalen Überwachungsstaat, bzw. haben ihn eigentlich schon fast errichtet. Die Bürger werden so verskalvt werden ohne dass sie das rechtzeitig bemerken, denn die Medien betreiben schon lange die große Gehirnwäsche unter Aufsicht der Mächtigen.

Placebo
 
00
"Wohin das geführt hat, ist uns allen bekannt. " – Bisher warens immer die Kapitalisten. Sogar der Schicklgruber hätte ohne deren Gelder seine Todeshäuser nicht errichten können. Das muss alles finanziert werden.

Joe Z.
12
17.2.2009, 20:57

Du checkst nicht das dieses Zitat von 1867 in den USA Realität geworden ist.
Das hat nichts mit Überzeugung zu tun, sondern mit Tatsachen

BostonWhaler
06
17.2.2009, 16:40

Auch eine kaputte Uhr zeigt zweimal am Tag die richtige Zeit.

José Atento
50
17.2.2009, 13:18
"Jetzt sinkt der Ölpreis und die Wirtschaftskrise tut das Ihrige dazu, dass dem Staat das Geld ausgeht."

Ich schätze, dass die Verstaatlichung der Ölfirmen dazu führen wird, dass die Ölfirmen immer weniger fördern werden. D.h. die Proifite werden auch ohne Absturz des Ölpreises nach unten tendieren.

tirolito
00
18.2.2009, 22:41
sinkende Fördermenge -

bedeutet steigenden Ölpreis.
das hängt mit freier Marktwirtschaft zusammen.
Angebot - Nachfrage, eh klar!!

No limiZ
02
17.2.2009, 13:30
Können Sie das näher erklären?

Wieso sollten die Ölfirmen, die jetzt für das eigene Land produzieren, und das Geld nicht mehr ausländischen Firmen fast 1:1 zuschieben, weniger fördern?

Meinen Sie es macht mehr Spaß den Erlös aus den Ölquellen US Konzernen zu geben, als damit das eigene Volk zu fördern?

Oder meinen Sie, dass Staatsangehörige Betriebe in aller Welt per se weniger hackeln als private?

Nichtschweiger
 
71
17.2.2009, 13:59
Einige Jahre Chavez und Venezuela wird Öl importieren müssen!

tirolito
00
18.2.2009, 22:36
du glaubst, Venezuela wird Öl importieren?

Deine Meinung.
Aber für was wird Chavez Öl importieren? Für seine Zentralheizung??? Versteh ich nicht.

Nichtschweiger
 
00
19.2.2009, 08:16
Wie du abschließend bemerkst....

...du verstehst es nicht!

Horst Holger
10
18.2.2009, 23:26
es gibt keine Zentralheizungen in Venezuela, tirolito

kannst auch nachgoogeln, so wie den Rest der Infos die Du bisher über Venezuela erfahren hast!

tirolito
00
19.2.2009, 23:54
mit dir ist es echt lustig,

weil du alles ernst nimmst. hahahaha

Keltisch Klang
01
17.2.2009, 15:14

das ansich wäre nicht schlimm, er muss vorallem die anderen bereiche fördern, die landwirtschaft zum beipiel, er muss solange die einnahme existieren alle anderen branchen ausbauen und den import dieser sektionen mindern am besten exporte schaffen und somit wäre das andere wurscht im übrigen versucht er das auch was aber nicht so schnell voran geht wie die bildungsprogramme und die einführung von korruptionskonrollen und direkter- demokrateistrukturen....
wie auch immer alle werte des landes habne sich maßgeblcih gebessert, armut, bildungsstand, BIP...etc die richtung scheint richtig zu sein... es ist nciht leicht eine feudale kultur latein amerikas zu demokratisieren aber es scheint zu funktionieren

yomellamo
41
17.2.2009, 17:28

Chavez ersetzt halt die einen feudalherrn durch die anderen... genauer gesagt halt durch seine familie und freunderln.

Von "demokratisierung einer feudalen kultur" ist da leider nichts zu sehen. Er reisst halt die kontrolle ueber die feudale kultur an sich und verteilt sie unter den seinen.

NickNameless
00
20.2.2009, 14:29

sie schreiben richtig, wie kapitalismus heute bei uns im westen funktioniert.

ich war noch nicht in suedamerika. ich kann da nichts sagen bin auf artikeln so wie im standard angewiesen. aber er scheint einen sozialeren kapitalismus installieren zu wollen.
und darueber bin ich froh, dass jemand versucht die neoliberalen anwandlungen hintanzustellen.

Nichtschweiger
 
10
17.2.2009, 15:34
Warten wir ein paar Jahre!

Erst dann sieht man mehr! Soweit ich weiß gab es aber auch schon Versorgungsmängel weil Chavez meinte Preisregelungen einführen zu können und dann diese Waren logischerweise nicht angeboten wurden - das ist für mich der Weg zur kommunistischen Planwirtschaft! (und die geht mit Sicherheit schief!)

Kratzmich
14
18.2.2009, 01:05
Versorgungsmängel

80% der Venezolaner litten jahrzehntelang unter Versorgungsmängel - vor Chavez.

Deshalb hat Chavez eben wieder eine Volksabstimmung gewonnen.
Übrigens hat er 14 von 15 Abstimmungen/Wahlen gewonnen.

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