Feuerbälle über Texas waren Meteore

17. Februar 2009, 13:18
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Flugaufsichtsbehörde FAA: Keine Satelliten-Trümmer - ESA will selbst ein Auge auf den Weltraummüll werfen

Washington - Nach der Kollision von zwei Satelliten der Weltraummächte Russland und USA am vergangenen Dienstag hat man am Sonntag im US-Bundesstaat Texas beobachtete leuchtende Kugeln zunächst für Trümmerstücke dieses Zusammenstosses gehalten. Inzwischen konnten die Erscheinungen als Meteore identifiziert werden, erklärte am Montag die Flugaufsichtsbehörde FAA.

Die FAA hatte am Samstag US-Piloten auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass Satellitenteile in die Erdatmosphäre eintreten könnten. Am Montag hieß es aber, dass das US-Militär die Bewegung der Trümmerfelder im Weltraum nach der Kollision verfolgt habe und sich keines zum Zeitpunkt des gesichteten Feuerballs über Nordamerika befunden habe.

ESA will selbst nach Weltraummüll Ausschau halten

Die Kollision der beiden Satelliten in etwa 800 Kilometer Höhe über Sibirien rückt ein stetig wachsendes Problem der Raumfahrt in die öffentliche Aufmerksamkeit. Bei dem Crash eines russischen Satelliten und eines US-Gerätes der Firma Iridium lösten sich die beiden Objekte in einer an Ausdehnung gewinnenden Schrottwolke aus geschätzen über 600 Einzelteilen auf. Die Jahr für Jahr zunehmende Anzahl an außer Dienst gestellten Satelliten, Raketenstufen und verlorener Gerätschaften stellt eine große Bedrohung für die Raumfahrt dar.

Die europäische Weltraumbehörde ESA will daher künftig den Weltraumschrott stärker selbst überwachen. Der Zusammenprall von letzter Woche stelle auch ein Risiko für die auf selber Höhe fliegenden ESA-Satelliten dar, sagte der Leiter des European Space Operation Centre (ESOC), Gaele Winters, am Montag in Darmstadt.

"Man muss in der Beobachtung noch sehr viel mehr tun", sagte der Leiter der für Weltraummüll zuständigen Abteilung, Jean-Francois Kaufeler. Es seien präzisere Daten nötig, um Kollisionen zu vermeiden. Bei einer internationalen Konferenz wollen sich in Darmstadt vom 30. März bis zum 2. April Fachleute über das Thema austauschen. Als Resultat einer europäischen Initiative soll die ESA dann in einigen Jahren das All eigenständig überwachen können.

Bis zu 18.000 Teile

Europa brauche sein eigenes System zur Weltraumüberwachung. Bisher sei die ESA ausschließlich auf US-Informationen angewiesen gewesen. Nach ESA-Angaben ziehen momentan rund beobachtbarer 13.000 Raumfahrtschrottobjekte ihre Bahnen im All, andere Quellen sprechen von bis zu 18.000 Teilen; kleine und Kleinstteile gehen in die Hundertausende. Hinzu kommen rund 3.000 in Betrieb befindliche Satelliten. Bereits der Aufprall eines Ein-Zentimeter großen Stückes könnte einen Satelliten schwer beschädigen und dessen Mission beenden. (APA/red)

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    Weltraummüll, wie dieses von der Besatzung des Shuttles "Atlantis" fotografierte Stück, stellt für die bemannte Raumfahrt eine erhebliche Bedrohung dar.

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