"Atom-U-Boote leiser als eine Krabbe"

16. Februar 2009, 17:59
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Pariser Verteidigungsminister erklärt Zusammenstoß - Britische "HMS Vanguard" musste heimgeschleppt werden

Paris/London - Nach der Beinahe-Katastrophe beim Zusammenstoß zweier Atom-U-Boote im Atlantik hat der französische Verteidigungsminister Herve Morin einen Erklärungsversuch geliefert. Dass der französische "Le Triomphant" und die britische "HMS Vanguard" Anfang Februar trotz ausgefeilter Sonartechnik kollidierten, sei auf "einen einfachen technischen Sachverhalt zurückzuführen", sagte Morin. "Die U-Boote sind leiser als eine Krabbe, deswegen sind sie nicht zu orten", sagte er am Dienstag dem Fernsehsender Canal plus.

Der Zusammenstoß der mit Atomraketen bestückten Schiffe, die den Kern der Abschreckungsstrategie beider Atommächte ausmachen, war erst am Montag bekanntgeworden. Die Verteidigungsministerien beider Staaten räumten den Vorfall erst nach Medienberichten ein. Nach offiziellen Angaben bestand keine Gefahr einer atomaren Explosion. Niemand wurde verletzt, die Schiffe haben inzwischen ihre Heimathäfen angelaufen.

Atomkraftgegner sehen in dem Crash im Atlantischen Ozean ein Alarmsignal. Die U-Boote seien "schwimmende Reaktoren", erklärte die französische Organisation Sortir du nucléaire (Atomausstieg). Fatale Kollisionen könnten sich nicht nur auf hoher See, sondern auch in Häfen ereignen.

Die französische "Le Triomphant" war nach dem Unfall aus eigener Kraft nach Brest zurückgekehrt. Die britische "HMS Vanguard" hingegen musste in ihren schottischen Heimathafen Faslane geschleppt werden. Die jeweils etwa 150 Meter langen U-Boote befanden sich nach offiziellen Angaben auf Routinefahrten. Sie seien mit niedriger Geschwindigkeit zusammengestoßen. Das französische Verteidigungsministerium hatte am 6. Februar bereits von einem Zusammenstoß der "Triomphant" mit einem nicht identifizierten Objekt gesprochen. Vermutlich habe es sich um einen Container gehandelt.

"Alptraum"

Die U-Boote gehören zum atomaren Abschreckungspotenzial beider Länder. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es bei einer solchen Kollision zu einer nuklearen Explosion kommen kann", zitierte die "Sun" einen hochrangigen Militär. "Aber ein radioaktives Leck wäre möglich gewesen. Schlimmer noch, wir hätten die Besatzung und die Sprengköpfe verlieren können."

Anti-Atomkraft-Lobbyisten verwiesen auf das Potenzial für eine Katastrophe, das ein solcher Zusammenstoß habe. Die britische "Kampagne für Nukleare Abrüstung" warnte von einem "atomaren Alptraum größter Ordnung". "Der Zusammenstoß hätte eine große Menge an Strahlung freisetzen und die Atomsprengköpfe über den Meeresboden verstreuen können", sagte die Vorsitzende Kate Hudson. Die Dellen des britischen U-Boots zeigten, dass die beiden Boote kaum mehr als Sekunden von einer totalen Katastrophe entfernt waren.

Die französische Bewegung "Sortir du nucléaire" warf der Regierung vor, den Vorfall vertuschen zu wollen. "Sie haben es erst zugegeben, als es in der Zeitung stand", sagte Stephane Lhomme. Das sei schon bei den Atomversuchen in Algerien und im Pazifik so gewesen. "Wir sind höchst besorgt, was die Sicherheit von Atomanlagen angeht", sagte Lhomme. Es sei zu befürchten, dass die Bevölkerung im Notfall zu spät informiert werde. (APA/dpa)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die "HMS Vanguard" wieder zurück im Hafen.

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