Sorge um neuen US-Finanzskandal

16. Februar 2009, 17:47
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Der Geschäftsmann Allen Stanford soll bei der Auszahlung der versprochenen hohen Renditen ins Straucheln geraten sein

Die US-Finanzbehörden und das FBI haben Ermittlungen bei einem weiteren 50-Milliarden-Dollar schweren US-Finanzimperium aufgenommen. Ins Visier der Behörde ist diesmal die Stanford Group des texanischen Multi-Milliardärs Allen Stanford geraten, einer der 200 reichsten Männer in den USA. Der "Cricket-Mogul" gilt auch als einflussreiche Person im britischen Sport. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht eine Offshore-Bank Stanfords in Antigua.

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New York - Die US-Finanzbehörden und das FBI haben Ermittlungen bei einem weiteren 50-Mrd.-Dollar schweren US-Finanzimperium aufgenommen. Ins Visier der Behörde ist diesmal die Stanford Group des texanischen Multi-Milliardärs Allen Stanford geraten, einer der 200 reichsten Männer in den USA. Der "Cricket-Mogul" gilt auch als einer der 100 einflussreichsten Personen im britischen Sport.

Die Untersuchungen beim Stanford-Finanzimperium beginnen gerade in einer Zeit, in der die SEC wegen der mutmaßlichen 50-Mrd.-Dollar schweren Madoff-Affäre ein sehr wachsames Auge auf jeden Hauch eines Fehlverhaltens legt. Im Mittelpunkt der Ermittlungen der US-Behörden steht derzeit die zur Finanzgruppe stehende Offshore-Bank Stanford International Bank Ltd. (SIB). Sie ist auf der Steueroase Antigua angesiedelt. Stanford ist der größte Investor auf Antigua. Dort sollen in November die Super Series stattfinden, deren Ausführung angesichts der wackelnden Unterstützung durch Stanford wackeln.

Die Ermittler interessieren sich vor allem für die mit überdurchschnittlichen Renditen verkauften Zertifikate. Laut einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) konnte SIB zuletzt auch einigen ihrer finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Repräsentanten der Bank hätten ihre Kunden jüngst davon informiert, dass sie die Zertifikate in den kommenden zwei Monaten nicht zurückkaufen könnten. Die Offshore-Bank hat 30.000 Investoren und mehr als 8,5 Mrd. Dollar Finanzvermögen.

"Konservative" Veranlagungspolitik

Im Dezember beschrieb die Bank ihre Veranlagungspolitik in einem Newsletter noch als "konservativ" und betonte, dass sie nicht von der Subprime-Krise betroffen sei. Die Bank distanzierte sich auch vom Madoff-Hedgefonds-Skandal, und betonte, sie selbst sei weder direkt noch indirekt in irgendwelche Madoff-Produkte investiert. Das Vermögen von Allen Stanford schätzt Forbes auf 2,2 Mrd. US-Dollar.

Über mehr als ein Jahrzehnt hat Stanford wohlhabende Kunden aus Texas, Florida, Lateinamerika und der Karibik angezogen. Versprochen wurden stabile jährliche Renditen zwischen zehn und 15 Prozent, berichten US-amerikanische Medien.

Aufmerksam wurden die US-Behörden auf die Stanford-Finanzgruppe bereits im letzten Jahr, als zwei ehemalige Bank-Angestellte den Aufsehern mitteilten, sie vermuten, Stanford sei in illegale Praktiken in Bezug auf den Verkauf der Zertifikate und anderer Wertpapiere verwickelt. Ein Stanford-Sprecher wiederholte gegenüber den US-Medien seine früheren Aussagen, wonach die Finanzgruppe allen US-Vorschriften entspreche und streng geführt werde. Allen Stanford wird von der Wirtschafts-, Society- und Sportpresse seit Jahren als Mann zwischen Glamour und Arroganz beschrieben. "Wenn du zu seinen Freunden zählst, wird er für dich da sein" , beschreibt ihn ein Schulfreund.

Begonnen hat Stanford seine Karriere in den frühen 80er-Jahren mit dem Kauf abgewohnter Immobilien in Houston. Später erbte er die Versicherungs- und Grundstücksfirma, die sein Großvater 1932 gegründet hatte. Später expandierte er in den Bankensektor, auf dem Stars wie der Golfer Vijay Singh zu seinen Kunden zählen.

Geld, Frauen, Spaß

Dem Fernsehsender CNBC erzählte er im September 2008 auf die Frage, ob das Leben als Milliardär Spaß mache: "Ja, ja, ja. Es macht großen Spaß, aber es ist auch harte Arbeit." Der Selfmademan ist Staatsbürger der USA und von Antigua und Barbuda, wo er auch geadelt wurde und seither als "Sir Allen" angesprochen wird.

In der Heimat des Cricket wird über den Investor eher die Nase gerümpft. Kein Wunder: Im altehrwürdigen Lord's Cricket Ground in London, dem Mekka des Sports, ließ er sich von einem Helikopter absetzen und kaufte sich um 20 Millionen Dollar ein. Weniger gut kamen auch diverse verfängliche Aufnahmen mit der Frau eines britischen Teamspielers an. Doch auch im Sport war ihm Erfolg beschieden. Seine "Stanford Superstars" besiegten die englische Auswahl und wurden folglich zu Millionären. (red, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

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    Allen Stanford (li.) bejubelt im November 2008 mit Spielerlegende Curtly Ambrose den Sieg seiner "Superstars" über England. Derzeit hat er nichts zu lachen.

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