Premiere vor langer Durststrecke - Rekordverlust 2008

16. Februar 2009, 12:39
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Frühestens 2011 wieder Gewinn - Bezahl-TV-Sender könnte schon bald mehrheitlich Murdoch gehören - Existenzielle Krise: Banken hätten Ende 2008 beinahe Geldhahn zugedreht

Beim deutschen Bezahlfernsehsender Premiere ist nach einem Rekordverlust kein Ende der Krise in Sicht. Im vergangenen Jahr verfünffachte sich der Nettoverlust im Vergleich zum Vorjahr auf fast 270 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Montag mit. Gewinne stellt der Konzern, der womöglich bald schon mehrheitlich von Großaktionär Rupert Murdoch kontrolliert werden könnte, erst für 2011 in Aussicht.

Anleger enttäuscht

An der Börse reagierten die Anleger enttäuscht. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Premiere-Aktie rutschte um knapp 13 Prozent ab.

"2008 war ein schwieriges Jahr, in dem wir einen großen finanziellen Verlust und eine Liquiditätskrise überstehen mussten, die unsere Existenz bedroht hatte", sagte Premiere-Chef Mark Williams. Belastet worden sei das Ergebnis unter anderem durch Kosten zur Beseitigung von Lücken in der Programmverschlüsselung, die das Schwarzsehen ermöglichen. Zudem habe es 2008 anders als in den vergangenen Jahren viel geringere Sondererlöse durch Beteiligungsverkäufe gegeben. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr leicht auf 941 von 937 Mio. Euro.

3 bis 3,4 Mio. Abonnenten benötigt

Um in die schwarze Zahlen zu kommen, werden 3 bis 3,4 Mio. Abonnenten benötigt, erläuterte der von Murdoch im Herbst nach München geholte neue Premiere-Chef Williams. Premiere zählte Ende 2008 rund 2,4 Mio. Abonnenten. Im Schlussquartal verlor der Sender 12.000 Kunden.

Da die Kapitalinfusion von Murdoch erst im zweiten Quartal kommen dürfte, ist das Geld für teure Marketing-Aktionen derzeit knapp. Solange werde die Kundenzahl eher stagnieren, sagte Williams. Und deshalb dürfte der Sprung in die Gewinnzone erst in zwei Jahren gelingen. Diese Jahr dürfe erstmal ein erheblicher operativer Verlust (Ebitda) anfallen.

Die Banken hätten Premiere im Dezember beinahe den Geldhahn zugedreht, sagte Williams. Medienmogul Murdoch beruhigte sie mit der Zusage, 450 Mio. Euro per Kapitalerhöhung in das Unternehmen stecken zu wollen. Damit könnte er mit seinem Medienkonzern News Corp sehr bald die Mehrheit an Premiere kontrollieren.

Trümmer

Premiere hatte sich 2002 knapp aus den Trümmern des pleitegegangenen Film- und TV-Konzerns von Leo Kirch retten können und seitdem erst einmal einen kleinen Jahresgewinn geschrieben. Der bis 2008 größte Jahresverlust fiel im Jahr 2003 mit 204 Mio. Euro an. (APA/Reuters)

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