Gläserne Decke im Bund

16. Februar 2009, 12:02
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Der Frauenanteil in Führungspositionen ist kaum gewachsen - Insgesamt liegt er bei 40 Prozent - "Frauenfreundliches" Sozialministerium und Bundeskanzleramt

Wien - Die gute Nachricht von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zum 90. Jahrestag der ersten Wahlteilnahme von Frauen in Österreich am Montag lautete: "Frauen sind im öffentlichen Dienst im Vormarsch." 40,1 Prozent aller Jobs im Bundesdienst sind laut dem "7. Gleichbehandlungsbericht des Bundes für 2008" mit Frauen besetzt (2005: 38,3 Prozent).

Die schlechte Nachricht: In "höherwertiger Verwendung" als Führungskräfte sind Frauen auch im öffentlichen Dienst mit 27,3 Prozent noch immer rar vertreten. Der Zuwachs gegenüber 2005 ist mit der Lupe zu sehen: plus 0,1 Prozent.

"Frauenfreundlich" sind Sozialministerium (64 Prozent), Bundeskanzleramt (59 Prozent), Gesundheits- (58,2) und Bildungsministerium (58,3). Letzteres ist das einzige Ressort mit einer weiblichen Führungsmehrheit (50,3 Prozent). "Historisch erklärbar" ist laut Heinisch-Hosek der niedrige Frauenanteil im Verteidigungs- (12,5 Prozent) und Innenministerium (20).

"Wichtig ist, dass der Bund mit gutem Beispiel in der Frauenförderung vorangeht", sagte Heinisch-Hosek und verwies darauf, dass es "im Personalplan des Bundes erstmals Zielvereinbarungen zur Steigerung des Anteils von weiblichen Führungskräften" gebe.

Auf jeden Fall habe Frauenpolitik etwas von einem Marathon: "Lang, beschwerlich, und man braucht einen langen Atem."

Um den Frauenanteil im Parlament von derzeit 28,4 Prozent nach oben zu katapultieren, will die Frauenministerin das Reizthema Quote - und finanzielle Anreizsysteme - "sehr tabulos diskutieren".

Diskriminierte Fußballfans

In der Privatwirtschaft ist das schon schwieriger. Auch dafür legt Heinisch-Hosek am Dienstag im Ministerrat einen Gleichbehandlungsbericht vor. Er zeigt die Arbeit von Gleichbehandlungskommission und -anwaltschaft in den Jahren 2006 und 2007.

Die häufigsten Diskriminierungsgründe in der Arbeitswelt sind sexuelle Belästigung (z. B. wurde einer Zahnarztassistentin eine Gehaltserhöhung als Gegenleistung für eine intime Beziehung "angeboten") und Entgelt sowie Alter und ethnische Zugehörigkeit. Letztere ist außerhalb der Arbeitswelt am häufigsten (z. B. ein Schild mit den Worten "Kein Platz für Zigeuner" auf einem Campingplatz).

Während sich Frauen laut Heinisch-Hosek in den meisten Fällen wegen sexueller Belästigung oder Diskriminierung beim Gehalt an die Gleichbehandlungskommission wenden, tun Männer das vor allem, weil sie sich ungleich behandelt fühlten bei den Preisen für Fußballtickets, beim Disco-Eintritt oder bei Handy-Tarifen.

Geteilte Reaktionen

Die Präsentation des Gleichbehandlungsberichts sorgte für unterschiedliche Reaktionen. Die ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits zeigte sich erfreut über den steigenden Frauenanteil im Bundesdienst. Beim Anteil weiblicher Führungskräfte ortet sie jedoch "deutlichen Aufholbedarf". Die SPÖ habe in der letzten Regierungsperiode in der Frauenpolitik nur wenig weitergebracht, kritisierte unterdessen die Frauensprecherin der Grünen, Judith Schwentner. (Lisa Nimmervoll,  DER STANDARD, Print, 17.2.2009/APA)

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