Gebärdensprache im Unterricht "zu spät"

16. Februar 2009, 11:26
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Ministerin Claudia Schmied will die Gebärdensprache im Unterricht verankern - Gehörlosenbund: "längst überfällig, das grenzt an ein Wunder"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kündigte am Wochenende an, die Gebärdensprache zur Unterrichtssprache machen zu wollen. "Es ist sehr erfreulich, dass im Rahmen der EU jetzt ganz klar der Trend hingeht, auch im Bereich des Unterrichts die Gebärdensprache anzuerkennen und sie auch dezidiert zu verankern," so Schmied zu Ö1.

"Zu spät"

Dass die Unterrichtsministerin auf die "längst überfällige Anpassung österreichischer Bildungsmodelle für gehörlose Kinder reagiert, ist zu befürworten, kommt jedoch eindeutig zu spät", kritisiert der Gehörlosenbundes in einer Aussendung. Hinsichtlich der bisherigen Haltung grenze der Vorstoß des Ministeriums jedoch "an ein Wunder".

10.000 gehörlose Menschen leben in Österreich - davon rund ein Drittel Kinder. An fünf von sechs Bildungseinrichtungen für Gehörlose österreichweit ist die seit 2005 verfassungsrechtlich anerkannte Österreichische Gebärdensprache nicht Unterrichtssprache. Das bedeutet, dass die Kinder mittels Lippenablesen dem Unterricht folgen müssen, informiert der Gehörlosenbund.

Recht auf Sprache

"Kindern ein Menschenrecht zu verwehren ist schon skandalös, aber das Potenzial der Betroffenen derart zu unterfordern und ihnen somit ihre Zukunft zu rauben, ist ein Armutszeugnis für eine Demokratie," sagt Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes

Sie forderte "eine eindeutige Festschreibung von bilingualem Unterricht im betreffenden Sonderschullehrplan und die Implementation von einem Maximum an Gebärdensprachunterricht für die zuständigen PädagogikstudentInnen in Ausbildung." (red/derStandard.at, 16. Feber 2009)

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    "Kindern ein Menschenrecht zu verwehren ist schon skandalös, aber das Potenzial der Betroffenen derart zu unterfordern und ihnen somit ihre Zukunft zu rauben, ist ein Armutszeugnis für eine Demokratie," sagt Helene Jarmer.

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