Staatshilfe für deutschen Immobilienfinanzier

16. Februar 2009, 10:25
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Der Bankenrettungsfonds SoFFin stellt dem im MDAX geführten Institut eine Stille Einlage von 525 Millionen Euro zur Verfügung

Wiesbaden - Der Immobilienfinanzier Aareal Bank ist unter den staatlichen deutschen Rettungsschirm geschlüpft. Der Bankenrettungsfonds SoFFin stelle dem im MDAX geführten Institut eine Stille Einlage von 525 Millionen Euro zur Verfügung und garantiere zudem neue Emissionen bis zu einem Betrag von vier Milliarden Euro, teilte die Aareal Bank am Sonntag mit. Trotz der Finanzkrise schloss sie das Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen mit einem Vorsteuergewinn von 117 Millionen Euro ab.

Schnelle Rückzahlung geplant

Die Stille Einlage werde mit jährlich neun Prozent verzinst und solle möglichst schnell zurückgezahlt werden, teilte die Aareal Bank weiter mit. Deshalbe werde für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 keine Dividende gezahlt. Die Aareal Holding, die 37,2 Prozent der Anteile halte, behalte gemäß der Vereinbarung mit dem SoFFin ihre Sperrminorität.

Die Kernkapitalquote steige von acht Prozent Ende 2008 auf das "Niveau vieler internationaler Wettbewerber, die sich bereits rekapitalisiert haben, und entspricht den im Zuge der Finanzmarktkrise gestiegenen Marktanforderungen". Vorstandschef Wolf Schumacher sprach von einer "pro-aktiven Nutzung" des Bankenrettungsfonds. Damit solle die gesunde Basis der Bank in einem dramatisch veränderten Umfeld weiter gestärkt werden. "Wir nutzen die SoFFin als fundamental gesunde Bank. Wir wollen uns wetterfest machen für die Zukunft", sagte er in einer Telefonkonferenz am Sonntag.

Garantierahmen

Der Bankenrettungsfonds gewährt den Angaben zufolge zudem einen Garantierahmen für neu zu begebende unbesicherte Emissionen mit einer maximalen Laufzeit von 36 Monaten im Gesamtvolumen von bis zu vier Milliarden Euro. Damit verschaffe sich die Aareal Bank eine sichere Grundlage und mehr Flexibilität für ihre Refinanzierung in den kommenden Jahren, hieß es. Das bewährte Geschäftsmodell werde nicht geändert. "Wir können weitermachen wie bisher", sagte Schumacher. Auch die Kosten der staatlichen Hilfen seien für die Bank "problemlos tragbar".

Die Aareal Bank ist aus der einst staatlichen Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank AG hervorgegangen. 2002 wurde die Bankengruppe geteilt in den Immobilienfinanzierer Aareal mit Sitz in Wiesbaden und den Staatsfinanzierer DEPFA mit Sitz in Dublin. Finanzprobleme der DEPFA brachten deren neuen Mutterkonzern Hypo Real Estate (HRE) in Existenzschwierigkeiten.

Die Bank meldete am Sonntag für das vierte Quartal 2008 ein Vorsteuerergebnis von 11 Millionen Euro. "Damit hat die Aareal Bank Gruppe in allen Quartalen seit Ausbruch der Finanzmarktkrise schwarze Zahlen geschrieben", unterstrich das Institut. Auch das laufende Jahr habe für das Unternehmen zufriedenstellend begonnen. "Die Risikovorsorge wird sich nach Einschätzung des Vorstands weiterhin auf einem beherrschbaren Niveau bewegen." Eine Ergebnisprognose sei wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise derzeit aber nicht möglich, hieß es.

Im Rahmen des Bankenrettungsschirms hat der deutsche Staat somit bereits 200 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt, mit Garantien in Höhe von 52 Mrd. Euro erhielt die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) den größten Anteil. Insgesamt ist das Programm mit 480 Mrd. Euro dotiert.

Kontrollmehrheit bei HRE

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schloss indes eine Verstaatlichung der HRE nicht aus. Dies sei eine "Ultima Ratio", wenn es keine anderen Möglichkeiten gebe, die Mehrheit an dem Finanzinstitut zu übernehmen, sagte Merkel am Sonntag im ZDF. "Auf jeden Fall wollen wir die Kontrollmehrheit", sagte sie. Nur dann sei gewährleistet, dass die notwendige Rettung der HRE für den Staat "möglichst billig" werde. Ein Konkurs der HRE sei keine Alternative. "Wir haben uns international verpflichtet: Das machen wir nicht", sagte die Kanzlerin. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin ermittelt indes gegen mehrere Banken wegen des Verdachts des Insiderhandels mit HRE-Aktien. Sie sollen die Anteilsscheine vor dem Kurssturz Ende September in größerem Umfang verkauft haben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (Montagsausgabe).(APA/AP/Reuters)

 

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