EU kritisiert fehlende Frühförderung

16. Februar 2009, 12:28
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Studie: Negative Konsequenzen besonders für sozial Schwächere - Schmied kündigt österreichweiten Bildungsplan für Fünfjährige an - Mit Infografik

Je früher und professioneller Kinder pädagogisch betreut werden, desto besser ist auch ihre Leistung in der Schule. Laut der EURYDICE-Studie "Early Childhood Education and Care" im Auftrag der EU-Kommission haben es acht EU-Länder verabsäumt, für Kinder unter drei Jahren entsprechende Betreuungsplätze auszubauen.

Österreich liegt bei denTeilnehmerraten von Kindern im Alter von drei Jahren deutlich unter dem EU-Schnitt, bei Vier- und Fünfjährigen dagegen besser. Seit dem Jahr 2000 ist die Tendenz aber auch in Österreich steigend.

Für mehr Chancengleichheit

EU-Bildungskommissar Jan Figel ruft die EU-Staaten in dem Bericht auf, mehr in vorschulische Bildung zu investieren - als "effizientes Mittel", um die Basis für weiteres Lernen zu schaffen, Schulabbrecher zu verhindern und Chancengleichheit bei den Ergebnissen und Qualifikation zu erreichen. "Die vorschulische Bildung bringt den höchsten Nutzen in Hinblick auf das soziale Anpassungsvermögen", heißt es in der Studie.

Nur etwa die Hälfte der Dreijährigen (48,5 Prozent) nimmt in Österreich an einem vorschulischen Bildungsangebot teil. EU-weit sind es dagegen fast drei Viertel (73,9 Prozent). Dagegen weist Österreich bei den Vierjährigen schon Teilnehmerraten von 83,2 Prozent und bei den Fünfjährigen von 93,0 Prozent auf, was über dem EU-Schnitt liegt.

Indirekte Hürden

Dabei könnten Sozialsysteme, die Mutter und Vater einen langen Elternurlaub und großzügige Sozialleistungen sichern, wie dies in Österreich, Estland, Litauen und Rumänien der Fall sei, auch eine "indirekte Hürde" für eine Teilnahme von Kindern an frühen vorschulischen Bildungseinrichtungen darstellen, heißt es in der EU-Studie. Bei Kindern unter drei Jahren sind nach Schätzungen der EU-Kommission die meisten in Dänemark und Schweden in öffentlichen Betreuungseinrichtungen (83 bzw. 66 Prozent) untergebracht, während der Anteil für Österreich auf nur elf Prozent geschätzt wird.

Öffentliche Ausgaben unter EU-Schnitt

Die öffentlichen Ausgaben für Vorschulbildung lagen in Österreich 2004 mit 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts knapp unter dem EU-Schnitt. Die höchsten Bildungsausgaben für diesen Bereich wiesen Malta und Dänemark auf. Völlig gratis sind öffentliche Bildungsangebote im Kindergartenalter nur in Ungarn, während in der Mehrzahl der EU-Staaten - darunter in Österreich - die Kindergartengebühren vom Familieneinkommen abhängen.

Positiv vermerkt sind strikte Standards in Österreich für Gesundheit und Sicherheit der Kinder. Auch die Bedeutung der vorschulischen Bildung für Migrantenkinder in Österreich, Griechenland und Zypern wird in der Studie erwähnt. Vertreter der EU-Kommission betonten am Montag, dass ihre Studie lediglich einen Überblick verschaffen sollte, und kein Ranking darstellt und keine Empfehlungen an die EU-Staaten enthält.

"Größte Bremser" sind die Länder

"Wir leben in der pädagogischen Steinzeit, in der man in der Kinderausbildung darauf aufbaut, dass es einige Naturtalente gibt", kritisiert Elmar Mayer, Bildungssprecher der SPÖ, im Gespräch mit derStandard.at. Das Angebot für Unter-Dreijährige müsse sich "radikal ändern". Gerade mit Frühförderung könne man ungünstige Entwicklungen verhindern, der Volkswirtschaftliche Schaden durch die mangelnde Unterstützung sei "enorm", sagt Mayer zu derStandard.at. Als "größte Bremser" in diesem Zusammenhang bezeichnet er die Länder. Das Bildungsangebot für Unter-Dreijährige müsse schnell ausgebaut werden. "Das kann nicht bis zum Ende der Legislaturperiode warten". Mayer hofft auf die "Macht der Argumente".

Grüne fordern einheitliches Besoldungssystem

Die Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, bedankte sich am Montagvormittag am Rande einer Pressekonferenz bei der EU-Kommission für die Studie. Immer wieder liefere die Kommission guten Input, so Glawischnig. Sie bedauerte, dass festgestellt wurde, dass die Lissabon-Ziele in Österreich nicht erreicht würden, und dass es keine Ausbildungsgarantie für Unter-Dreijährige gebe. 

Die Grünen fordern ein einheitliches Besoldungssystem für Pädagogen. Dass KindergärtnerInnen nach zehn Dienstjahren 1200 Euro brutto verdienen, hält Glawischnig nicht für ausreichend. Selbstverständlich müsse zusätzliches Geld aufbringen, um dies umzusetzen: "Das System wird sicher teurer werden, es soll auch nicht billiger werden", so Glawischnig. (apa/red/derStandard.at, 16. Feber 2009)

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    Anteil der Dreijährigen in vorschulischer Erziehung.

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