Schluss mit mutig

15. Februar 2009, 21:33
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Frau K. begräbt die Wiener Zivilcourage

Es war am Freitag. Und dass es der 13. war, spielt eigentlich keine Rolle. Denn das wäre eine zu einfache Ausrede. Denn auch an einem Donnerstag oder einem 14. wäre wohl niemand aufgestanden. Denn am Freitag, schreibt Frau K., sei die Wiener Zivilcourage zu Grabe getragen worden.

Vielleicht klingt das ja pathetisch. Noch dazu, wo Frau K. selbst einräumt, dass ihr nichts geschehen ist. Aber darum, unterstelle ich, geht es ihr gar nicht. Weil Eingreifen doch auch den Sinn hat, Schaden zu verhindern bevor er geschieht. Weil die, die ihn anrihcten könnten wissen, dass sie damit nicht durchkommen. Und wenn zwei Männer auf eine Frau losgehen, zu warten, bis Blut fließt - oder eben „wirklich" was passiert, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. (Das gilt im natürlich bei Kindern erst recht und genauso.)

Einschub

Einschub. Denn A. mischt sich gerade ein. Das habe, meint sie, gefälligst auch bei Männern zu gelten. Und zwar unabhängig von ihrer Hautfarbe oder ihrem - mutmaßlichen - sozialen Status. Denn wenn das Einmischen nur ansatzweise funktionieren würde, wäre so eine Sache wie die mit dem Lehrer in der U4 gar nicht möglich. Auch die „Entschuldigung", es habe sich doch bloß um eine Verwechslung gehandelt, man habe immerhin einen Dealer hoppsnehmen wollen, da könne so was schon mal passieren, wäre dann ebenso undenkbar wie sie unerträglich ist. Weil, schnaubt A., zuerst Hinhauen und sich dann dann Vorstellen eher nach Hooligan als nach Polizei ... und so weiter. A. redet sich da binnen zwei Sekunden in Rage - und stoppt sich selbst: „Oops, das ist wohl gerade offtopic. Aber trotzdem ..." Einschub Ende.

Und zurück zu Frau K. Die hat nämlich Glück gehabt: Sie geriet nur an zwei Betrunkene - nicht an die Polizei. Der Schreck, schreibt sie, sitze ihr aber dennoch tief in den Knochen. Und zwar nachhaltig. Aber das soll sie selbst erzählen:

Frau K. schreibt

„Am Freitag den 13. 02. 2009, musste ich mit ansehen wie die Wiener Zivilcourage zu Grabe getragen wurde. Ich fuhr mit der Straßenbahnline 2, welche gut besetzt war, nach Hause, und befand mich im hinteren Teil der vorderen Garnitur. „

„Vor mir saßen zwei Alkoholisierte, welche nach dem sie von einem Fahrgast ermahnt wurden leise zu sein, aggressives Verhalten an den Tag legten. Nachdem sie sich zuerst nur an den zwei leeren Sitzen austobten, standen sie auf und kamen auf mich zu. Anschließend wurde ich von ihnen "belagert" und einer von den beiden begann, knapp neben mir mit den Füßen auf die Wand einzutreten."

„Nach gut einer Minute war das ganze dann auch wieder vorbei, und ich möchte hier noch erwähnen, dass sie mir kein Haar gekrümmt haben. Ich hätte mir über diesen Vorfall wohl nicht weiter Gedanken gemacht, wäre irgendjemand der gaffenden Fahrgäste eingeschritten um mir zu helfen. Aber außer das ich (inkl. der zwei Betrunkenen) das kurze Highlight eines langweiligen Tages war, fühlten sich alle Fahrgäste nicht im Geringsten bemüßigt einzugreifen."

„Ausschlag gebend für meine E-Mail ist vor allem die Tatsache, dass mich der Fahrgast welcher das ganze ins Rollen gebracht hatte, auch noch nach dem genauen Hergang befragte da ihm /*LEIDER */die Sicht verstellt war." (Thomas Rottenberg/derStandard.at, 16. Februar 2009)

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