Die dichte WM und die kompletten Skifahrer

15. Februar 2009, 19:01
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Zwölf Nationen gewannen Medaillen in Val d‘Isère. Österreich war naturgemäß auch dabei, ÖSV-Alpin-Direktor Hans Pum erlebte schon tollere Zeiten

"Der Sport kann sehr schön sein, er kann aber auch sehr hart und brutal sein. Du kannst sehr schnell auf die andere Seite fallen." Hans Pum (54) macht dem ÖSV nun schon das 13. Jahr den alpinen Sportdirektor, und er hat schon lustigere Weltmeisterschaften erlebt. "Historische Erfolge und Niederlagen gibt es immer wieder" , meint er mit der Gelassenheit des Routiniers, und analysieren werde man am Ende der Saison.
Die mehr oder weniger absolute Herrschaft der österreichischen Skifahrer ist ja schon länger vorbei, grob gesehen dauerte sie von den Olympischen Spielen 1998 in Nagano an rund ein Jahrzehnt. "Und du wirst keine Nation finden, die länger an der Spitze war" , sagte Pum. Die Leistungsdichte sei in allen Disziplinen viel größer geworden. "Und wir haben überall Leute dabei. Es entscheiden immer öfter Kleinigkeiten."

Sein prinzipieller Kommentar zu Val d'Isère, abgesehen vom sportlichen Abschneiden der Seinen: "Es war eine gute, schöne WM, ich habe 14 Tage lang alles zu Fuß erledigen können, die Leute waren freundlich und hilfsbereit." Und was war nicht so toll? "Die Eröffnung war einer WM nicht würdig. Und es hat viel zu wenig und schlechte Einfahrstrecken gegeben. Deshalb haben wir Benjamin Raich heimgeschickt zum Trainieren, und es hat sich ausgezahlt."
Pum fügt hinzu, dass das natürlich kein spezieller Nachteil für die Österreicher gewesen sei, sondern dass alle darunter gelitten haben. Zudem ist er der Meinung, dass der Riesentorlauf der Herren der erste Bewerb gewesen sei, in dem für alle faire Bedingungen herrschten. Auch bei diesem Thema ist er bemüht, dies nicht als Ausrede darzustellen. "Bei der Abfahrt zum Beispiel haben die großen Favoriten Aksel Lund Svindal und Bode Miller die schlechteste Sicht gehabt." Dinge, die freilich zu diesem Sport dazugehören, um die zu vermeiden, müsste man ihn in einer Halle abhalten.

Die Marketing-Sicht

"Auch wenn es für uns sportlich nicht so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht haben, aus Marketing-Sicht war das alles sehr positiv" , findet Pum, wenn er die WM global betrachtet. Immerhin schafften es Läuferinnen und Läufer aus zwölf Nationen in die Medaillenränge, was die Leistungsdichte belegt. Und Kathrin Hölzl und Maria Riesch verschafften dem für den alpinen Skisport wichtigen Markt Deutschland zwei Goldene.
Als man mit Pum so plauderte in der Bar des Grand Paradis, kamen zwei ganz Junge herein, die Vorarlbergerin Kerstin Nicolussi und der Steirer Philipp Lintschinger. Kerstin, die im Mai 15 wird, und Philipp, der gestern seinen 15. feierte, gewannen den vom ÖSV ausgeschriebenen Wettbewerb namens "Der komplette Skifahrer" , und zur Belohnung durften sie sich eine Woche die WM der Großen geben. Und diese kennenlernen.

Den Bewerb bestreiten die drei, vier Besten jedes Bundeslandes, er beinhaltet Riesenslalom, Slalom, ein Kombirennen mit wechselnden Torabständen und freies Fahren im schwierigen Gelände, welches von einer Jury bewertet wird. Vor sechs Jahren hatten diesen Bewerb übrigens Anna Fenninger und Marcel Hirscher gewonnen, die hier ihr WM-Debüt gaben, und denen immerhin jeweils ein vierter Platz - passierte. (Benno Zelsacher aus Val d'Isère, DER STANDARD, Printausgabe, Montag 16.02.2009)

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    Hans Pum, der Alpin-Chef des ÖSV, war am Ende irgendwie schon zufrieden. Obwohl die WM in Frankreich bisweilen sehr brutal war.

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