Krise der Kriseninfo

15. Februar 2009, 18:49
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Der von Michael Bloomberg gegründete Dienstleister wird alle nicht englischsprachigen TV-Angebote einsparen müssen

Resignieren wollten wir nicht. Auch wenn die klügsten Wirtschaftsköpfe bekannten, dass sie die Dimension der US-Immobilienkrise, der nachfolgenden Bankenkrise und der nun wütenden globalen Rezession nicht richtig erfasst hätten, wollten wir den Versuch nicht unterlassen, die schrecklichen Vorgänge ein klein wenig zu verstehen.

Bloomberg Deutschland war hilfreich. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase, in der wir dachten, als Bänker verkleidete Außerirdische würden sich in einer seltsamen Sprache unterhalten, wich Ratlosigkeit punktuellen Aha-Effekten. Auch die Moderatoren gewannen wir lieb. Den einen, der so klang, als hätte er zwei Korken in der Nase. Jene junge Dame auch, die jedes Interview mit dem Spaß an Wortwiederholungen verband, also immer mit "Liebe Zuschauer, schön, dass Sie dabei waren - seien Sie demnächst auch wieder dabei" endete. Und jene ältere Lady, die noch die schrecklichste Nachricht mit unerschütterlicher Freude präsentierte.

Nun aber soll alles bald vorbei sein. Der von Michael Bloomberg (momentan auch New Yorker Bürgermeister) gegründete Wirtschaftsnachrichten-Dienstleister wird alle nicht englischsprachigen TV-Angebote einsparen müssen. Traurig. Und nicht beruhigend. Wenn kein Spezialist mehr da ist, der uns die Krise - wie untelegen auch immer - erklärt, dann ist sie wohl epochal. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD; Printausgabe, 16.2.2009)

 

 

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    Michael Bloomberg.

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