Amerikas Bürger rüsten auf

16. Februar 2009, 08:34
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In den USA boomt seit Barack Obamas Wahlsieg der private Waffenkauf

Das Konterfei von US-Präsident Barack Obama in einem kalifornischen Waffengeschäft, mit dem Text "Verkäufer des Jahres" ? Ein schlechter Witz - doch nicht ganz ohne Basis: Seit Obamas Wahlsieg gehen die Geschäfte amerikanischer Waffengeschäfte prima.

So prima, dass in Florida schon manchem Laden die Munition ausgeht und Lieferanten ein Limit setzen. "Haben wir früher 20 oder 30 Kisten pro Lieferung erhalten, so sind es nun nur noch zwei oder drei" , klagt Vic Grechniw von Florida Ammo Traders in Tampa. Nicht anders sieht es bei Schusswaffen aus, bestätigt Larry L. Whiteley von der Bass-Pro-Shops-Kette. Auch hier stocken die Bürger auf. Am meisten gefragt sind Neun-Millimeter-Pistolen sowie halbautomatische Waffen. "Warum? Keine Ahnung" , sagt Whiteley.

Munitionsumsätze verdoppelt

Auch bei Munitionshersteller Georgia Arms haben sich seit November die Umsätze verdoppelt. "Die Leute decken sich mit zusätzlicher Munition ein" , erklärt Sprecherin Judy Shipley. "Eine Waffe ist wie ein Auto. Das fährt auch nur mit Benzin."

Der Vergleich hinkt, Tatsache ist jedoch, dass Waffenverkäufer derzeit das Geschäft ihres Leben machen, während andere Branchen unter der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise leiden. Im November stiegen die Umsätze um 40 Prozent, im Dezember um 24 und im Jänner um weitere 29 Prozent. Im November allein gingen beim FBI mehr als 1,5 Millionen Background-Checks für neue Waffenkäufer ein.

Der Grund sei Angst, sagen Beobachter: die Angst vor strengeren Gesetzen zum Waffenbesitz. Obama, so die Flüsterkampagne, werde möglicherweise den Waffenkauf pro Person auf ein Schießeisen beschränken - wohlgemerkt pro Monat. Eine Vorschrift, die in Kalifornien bereits gilt, und die dem Rest der waffenverliebten Nation Schauer über den Rücken jagt. Auch höhere Steuern seien möglich, heißt es. Und last not least machen Gerüchte die Runde, dass die neue Administration erneut halbautomatische Schnellfeuerwaffen bannt. Das Verbot war unter Vorgänger Bush aufgehoben worden.

Panikkäufe unter Waffennarren sind nicht neu in Amerika. Wann immer in den vergangenen Jahren ein Demokrat ins Weiße Haus einzog, schnellte die Nachfrage nach oben. Eilt diesen doch der Ruf voraus, das US-Bürgern per Second Amendment in der Verfassung garantierte Recht auf Tragen von Schusswaffen einschränken zu wollen.

Derzeit rät überdies die National Rifle Association (NRA), mit vier Millionen Mitgliedern mächtigste Waffenlobby im Land, sich mit Munition einzudecken, bevor eine mögliche Steuererhöhung kommt. "Die Leute trauen Obamas Rhetorik nicht", urteilt NRA-Sprecherin Rachel Parsons. (Rita Neubaueraus Los Angeles/STANDARD,Printausgabe, 16.2.2009)

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