Kalt servierte Grenzerfahrung aus der Castingküche

15. Februar 2009, 18:40
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"Ein Leben" verschenkt RTL 2 in der neuen Show "Restaurant sucht Chef" - Gastronom und Juror Carl von Walderdorff über Chancen und harte Urteile

Wien - Kaum ist der Chef für 14 Tage im Dezember außer Haus, da "tanzen die Ratten schon auf dem Tisch" - Carl von Walderdorff ging das Risiko trotzdem ein. Die Chance, als Juror bei der Koch-Castingshow "Restaurant sucht Chef" neue Erfahrungen zu sammeln, war es dem gelernten Hotelbetriebswirt - RTL 2 betitelt ihn etwas schillernder als "Münchner Szene-Gastronom" - wert. Immerhin können ab Montag 28 Nachwuchsrestaurantchefs, vom Koch bis zum Lkw-Fahrer, viel gewinnen: Walderdorff und seine kochenden Jurykollegen Stefan Marquard und Harriet Deris "schenken ihnen ein Leben, die Möglichkeit, sich darzustellen".

Dieses Leben besteht aus einem vom Sender finanzierten Restaurant. Walderdorff selbst, der im Münchner Nobelhotel "Vier Jahreszeiten" ausgebildet wurde, sieht seine Aufgabe etwas abseits des Probierlöffels: "Ich habe mir den Charakter der Kandidaten angeschaut: Überlebt der das, kriegt der das hin?" Nicht in den Suppen, "in den Seelen" der 28 Kandidaten suchte der Gastronom das Salz, das sie zum Siegertypen macht.

Die Bewerber wurden "an ihre Grenzen getrieben", um die eingeforderte Kreativität auch abseits der Herdplatten - etwa bei Planung, Großeinkauf und Managementaufgaben - zu beweisen.

Jury ohne Bohlen-Faktor

Boshafte Urteile, wie sie Dieter Bohlen verhängt, wollte in dieser Jury niemand fällen: "Das ist eine Charaktersache. Wir haben alle ein Leben nach der Show." Er könne da "keinen zerhacken" und danach wieder den galanten Gastronomen geben. Überhaupt sei er, Walderdorff, ein schlechter Schauspieler: "Wenn da zum Teil Sachen hart rüberkommen, war das auch ein bisserl zum Schutz der Kandidaten." Ein weiterer Grund, den Beruf nicht zu wechseln, ist für ihn: "Wenn ich einen Satz mehrfach wiederholen muss, kommt das einfach total dämlich rüber."

So wurde "fast wie bei Live-Sendungen" mit wenigen Takes gedreht. Kam trotz straffen Drehplans ein Gericht ausgekühlt zur Verkostung, blieb Walderdorff milde: "Macht nichts, ein gutes Gericht kann auch kalt schmecken." Nachsatz: "Und ein schlechtes Gericht ist auch warm schlecht."

Abscheu statt Gnade

Bei falsch zubereitetem Wild zeigt der Juror jedoch keine Gnade, eher Abscheu: "Das war einfach roh. Der Kandidat hat die Chance, sich zu präsentieren, und hat es vergeigt. Da bin ich auch ein bisschen emotional."

Ob Castingshows Berufserfahrung wettmachen können? Nach der Show glaubt Walderdorff, dass es möglich ist. Gewisse Chancen ergeben sich aber erst für Gastronomen mit Bestand in der Szene. Walderdorffs Restaurant "Le Florida" liegt in Schwabing bei München, dort residiert auch RTL 2. Und erst nach fast 13 Jahren in der Münchner Gastronomie "kennt man halt so die Leute". (Georg Horvath/DER STANDARD; Printausgabe, 16.2.2009)

"Restaurant sucht Chef", Montag um 20.15, RTL 2

  • Carl von Walderdorff und Jurykollegin Harriet Deris.
    foto: rtl

    Carl von Walderdorff und Jurykollegin Harriet Deris.

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