Die Frau, die den Kanzler organisiert

15. Februar 2009, 17:43
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Es ist eine Funktion wie die eines Wachhundes: Wer zum Chef vordringen will, muss an Nicole Bayer vorbei


Es ist eine Funktion wie die eines Wachhundes: Wer zum Chef vordringen will, muss an ihr vorbei. Und das ist in ihrem Fall eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, ihr Chef ist der Bundeskanzler der Republik Österreich. Nicole Bayer ist die neue Kabinettschefin von Werner Faymann. Und sie hat eigentlich gar nichts von einem Wachhund an sich.

Für ihren Chef ist Bayer ein Glücksfall: „Mir macht arbeiten Spaß", sagt sie, „das ist eine Freude." Die Funktion der Kabinettschefin hat sie de facto ab sofort inne, offiziell aber erst ab 1. März. Im Bundeskanzleramt ist Bayer bereits seit 1996, im Kabinett des Bundeskanzlers war sie auch schon unter Alfred Gusenbauer.

Ein Unterschied, den sie selbst allerdings nicht erzählt, weil sie meint, Gusenbauer und Faymann seien so gar nicht vergleichbar, machte sich - wie ein anderes Kabinettsmitglied darlegt - in der Reisevorbereitung deutlich: Bei Gusenbauer musste erst einmal das Lokal organisiert werden - wo wird am Abend gegessen. Als Bayer das bei Faymann auch so handhaben wollte, wurde der zornig. Und wenn er zu McDonalds essen gehen würde, er brauche das Arbeitsprogramm.

Faymann hat Bayer, die heuer 38 wird, aus dem Kabinett Gusenbauer als EU-Expertin übernommen. Mit der Gabe, Probleme rasch zu erkennen und sofort lösen zu wollen, auch wenn sie es selbst machen muss, hat sie sich bei Faymann unersetzlich gemacht. So, dass er er seinen bisherigen Kabinettschef ablöste und der toughen Wienerin den Vorzug gab. Bayer wird als kommunikativ beschrieben, als sozial intelligent, als ergebnisorientiert.

Sie selbst beschreibt sich über ihre Arbeitsweise: Sie könne Arbeit effizient strukturieren und habe einen Hang zur straffen Organisation. An Werner Faymann schätzt sie dessen „offenen und ehrlichen Zugang zu Menschen, er geht auf sie zu, ob das Mitarbeiter oder Fremde sind, er kann zuhören und er nimmt die Anliegen von anderen Menschen ernst".

Was ein wenig im Widerspruch zur jetzigen SP-Linie zu stehen scheint: Bayer bezeichnet sich als „EU-Freak", von 2000 bis 2006 war sie bei der Ständigen Vertretung in Brüssel, während des österreichischen EU-Vorsitzes war sie die Präsidentschaftskoordinatorin.
Bayer ist Single, aus Überzeugung, sagt sie, aber sie hätte neben ihrer Arbeit auch kaum Zeit, jemanden kennenzulernen. Und das sei jetzt kein Inserat. Sie kocht gerne und bäckt, und weil zu Hause niemand ist, profitieren davon die Kollegen im Büro.(Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2009)

  • Nicole Bayer (37) ist die neue Kabinettschefin Faymanns.
    foto: zinner

    Nicole Bayer (37) ist die neue Kabinettschefin Faymanns.

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