Profit geht über Leichen

15. Februar 2009, 17:26
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Herzklappen, Knochen, Sehnen – das Geschäft mit menschlichem Gewebe floriert. "Ausgeschlachtet" zeigt auf, wie Firmen sich den kostbaren Rohstoff besorgen

Ein toter Mensch als Einnahmequelle, wertvoller Rohstoff, Profitträger. Die deutsche Journalistin Martina Keller widmet sich einem nicht neuem, aber unverändert unappetitlichen Thema. Sie spürt der Frage nach, wie Industrie und Pharmafirmen über Leichen gehen und aus toten Körpern Kapital schlagen.

Beinahe alle Körperteile einer Leiche sind "wiederverwertbar" und kommerziell nutzbar: Laut Schätzungen der kalifornischen Senatsbehörde für Forschung beträgt der Erlös aus einer Leiche rund 220.000 Dollar.

Unter anderem werden Knochen zu Füllmaterial verarbeitet, Leberzellen und Gewebe zu Medikamenten, Organe und Sehnen für Transplantationen genutzt - und zwar mit beträchtlichem Gewinn. In der Regel handelt es sich dabei um Spender, die zu Lebzeiten verfügen, dass ihr Körper wissenschaftlich oder lebensrettend genützt werden darf. Nicht selten kommt es aber, vor allem in den Oststaaten, auch zu illegalen Gewebs- oder Organentnahmen.

Manche deutsche Wissenschafter treten bereits für die Kommerzialisierung des toten Körpers ein - so könnten die Löcher in der Krankenversicherung gestopft werden, argumentieren sie.
Noch sind derartige Überlegungen aber tabu. Um die Spendenbereitschaft nicht zu gefährden, werden die Machenschaften der profitorientierten Konzerne - die beinahe immer unter dem Altruismus-Mäntelchen versteckt werden - gern verschwiegen. Dem hat Autorin Keller abgeholfen.
(Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.02.2009)

  • Martina Keller. Ausgeschlachtet. Die menschliche Leiche als Rohstoff. Econ-Verlag, Berlin 2008. Preis: 19,00 Euro
    foto: econ-verlag

    Martina Keller. Ausgeschlachtet. Die menschliche Leiche als Rohstoff. Econ-Verlag, Berlin 2008. Preis: 19,00 Euro

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