Nur einer kam gut an: Pranger

15. Februar 2009, 14:39
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Gold für den Tiroler, der sich als einziger ÖSV-Läufer in der End­wertung fand - Zahlreiche Favoriten scheiterten in selektiven Läufen

Val d'Isere - In einem unfassbaren WM-Rennen hat Manfred Pranger zum Unterschied von seinen Teamkollegen die Nerven bewahrt und Österreichs Skiherren im letzten Abdruck doch noch die heiß begehrte Goldmedaille bei den 40. Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Val d'Isere beschert. In Finale des Herren-Slaloms, in der ein Läufer nach dem anderen am völlig vereisten WM-Hang scheiterte und das Szenario an eine Ausfallsorgie erinnerte, setzte sich der 31-jährige Tiroler 0,31 Sekunden vor dem französischen Lokalmatador Julien Lizeroux und 1,53 vor dem Kanadier Michael Janyk durch.

Auf den bereits zur Halbzeit führenden Pranger lastete der Druck einer ganzen Skination, waren doch Titelverteidiger Mario Matt, Topfavorit Reinfried Herbst und Marcel Hirscher bereits im ersten Durchgang ausgeschieden, im zweiten reihte sich Benjamin Raich in die große Schar der Gescheiterten ein, nur 17 Aktive kamen in die Wertung. Pranger war an diesem Sonntag nicht nur der beste Slalomartist, sondern auch der beste Eisläufer, denn die Face de Bellevarde war am Vorabend mit Wasser behandelt worden, Temperaturen um minus 20 Grad verwandelten die Oberfläche in eine spiegelglatte Fläche - für viele das pure Gift an diesem Tag!

"Hauptsache eine Medaille"

Der neue Weltmeister begriff im ersten Moment nicht, wie ihm geschah: "Ich hab es mir schon zweimal vorgesagt - es ist so unglaublich. Ich hab immer davon geträumt. Ich habe mir immer gedacht: Wenn ich nur mal Weltmeister werden könnte! Ich habe gesehen, dass die anderen vor mir rausgeflogen sind und habe mir gedacht: Hauptsache eine Medaille. Ich fahre nur ins Ziel, habe nichts riskiert. Dass es noch gereicht hat, ist unglaublich", sagte Pranger, der erst vor kurzem zum zweiten Mal Vater geworden ist, in seiner ersten Emotion.

Für Österreich war es die fünfte WM-Medaille, die zweite bei den Herren. In der Medaillenwertung musste der ÖSV dem Schweizer Verband den Vortritt lassen. Zuletzt nicht Platz eins belegt hatte Rot-Weiß-Rot 1997 in Sestriere.

Verhängnisvolle Haarnadel

Nach dem Rennen von Pranger konnte auch Raich, der wie u.a. Jean-Baptiste Grange (FRA), Johan Brolenius (SWE) und Manfred Mölgg (ITA) im zweiten Durchgang gescheitert war, nur noch den Hut ziehen: "Gewaltig! Manni war der letzte, der von uns noch oben war, alle anderen sind ausgeschieden. Dass er das runtergebracht hat ist traumhaft", sagte der Pitztaler, der mit Riesentorlauf-Silber in Val d'Isere aber auch nicht leer ausgegangen war. Er sei im zweiten aggressiver gefahren, habe sich besser gefühlt, aber bei der Haarnadel eingefädelt.

Auch ÖSV-Alpinchef Hans Pum war die Erleichterung deutlich anzusehen. "Die Anspannung war ja sehr groß, mich freut es für die ganze Mannschaft, dass das noch geglückt ist. Und es freut mich für den Manni, er hat sich das verdient nach dieser Verletzung. Die Leistung ist sehr hoch einzuschätzen, denn so viele Favoriten sind ausgefallen - leider auch unsere. Es war sehr, sehr schwer."

Für Lizeroux war es nach Silber in der Kombination die zweite Medaille bei seiner Heim-WM, obwohl es zum ersehnten Gold für die Gastgebernation nicht reichte, war er sehr zufrieden. "Ich bin stolz, zwei Medaillen sind großartig", jubelte Lizeroux, der am Start die vielen Menschen schreien gehört hatte. "Ich hatte großen Vorsprung, aber Manfred war noch stärker", musste er neidlos anerkennen.

Kanadier vor Olympia-Heimspielen im Aufwind

Der aus Whistler Mountain stammende Janyk wusste, dass ein Erfolg von ihm nur eine Frage der Zeit gewesen sei, denn Skifahrerisch könne er es ja. Kanada holte damit nach Gold in der Abfahrt durch John Kucera zwei Medaillen - und das ein Jahr vor den Olympischen Heimspielen 2010 in Vancouver. Ein großer Erfolg auch für den österreichischen Alpindirektor Max Gartner. Wie die US-Amerikaner haben auch die Kanadier ein Winterquartier in Kirchberg in Tirol aufgeschlagen und erst kürzlich ihre Appartements für die nächsten Winter gebucht.

Nur 36 der 75 gestarteten Athleten hatten den ersten Durchgang überstanden, zu den zahlreiche Ausfällen zählten neben dem US-Amerikaner Bode Miller, dem Italiener Giorgio Rocca, dem Schweden Andre Myhrer oder dem Schweizer Marc Gini auch Herbst, Hirscher und Matt. "Das hat man davon, wenn man Favorit ist, nämlich gar nichts", sagte Herbst, für den der Medaillentraum bereits nach nur vier Toren zu Ende war. Der 30-jährige Salzburger, der im Jänner in Adelboden und Schladming gewonnen hatte, sprach von einem Slalom mit "extrem hohen" Tempo. Sein Resümee: "Es war ein toller Hang, tolle Stimmung und ich hatte tolles Material. Nur ich habe heute nicht ins Konzept gepasst."

Trainings-Weltmeister Matt

Für Matt löste sich der Traum von der dritten WM-Slalom-Goldenen nach 2001 und 2007 ebenfalls sehr rasch in Luft auf, der Tiroler hatte zwei Steher und gab daraufhin entnervt auf. "Ich konnte mich überhaupt nicht halten und bin nur gerutscht. Das ist mühsam", war Matt über seine Probleme mit der Materialabstimmung für derlei Eisverhältnisse sauer. Dabei läuft es für den Arlberger im Training wie am Schnürchen. "Da fahre ich eine Bestzeit nach der anderen. Aber wenn es dann im Rennen noch eisiger wird, habe ich keinen Halt."

Ähnlich klang das Resümee von Hirscher, der zum Abschluss seiner sehr arbeitsreichen ersten WM ausschied. "Das war viel zu eisig für mich. Ich war total überfordert, das muss ich klar und deutlich sagen", gestand der 19-Jährige. Hirscher wollte keine "blöden Ausreden" suchen, merkte jedoch an, dass die Verhältnisse in Val d'Isere aufgrund der starken Schneefälle lange Zeit "tiefschneemäßig" gewesen sind. Die Umstellung aufs blanke Eis vom Sonntag sei ihm dementsprechend schwer gefallen. (APA)

 

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    Manfred Pranger bei der wohldosierten Fahrt zu Gold.

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    Im Ziel schaute er hinauf und sah die Eins.

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    Ende gut, alles gut.

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    Versöhnlicher Abschluss für das arg gebeutelte ÖSV-Herrenteam.

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