Misshandlungsvorwürfe gegen Exekutive

15. Februar 2009, 13:27
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US-Staatsbürger in U-Bahn-Station von Beamten niedergeschlagen - Mit Verletzungen im Spital

Wien - Schwere Vorwürfe gegen die Wiener Exekutive bezüglich einer Polizeiaktion, die sich laut der Tageszeitung "Kurier" vergangenen Mittwoch in der Wiener U-Bahn-Station Spittelau abspielte: Der US-Staatsbürger Mike B., Sport- und Englischlehrer an der Vienna International School, gab gegenüber der Zeitung an, offenbar von Beamten in Zivil festgehalten, zu Boden gerungen und geschlagen worden zu sein. Der Mann ist laut der Zeitung am Samstag stationär ins Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus aufgenommen worden. Eine Stellungnahme der Wiener Polizei gab es am Sonntag nicht. Man verwies auf die Wiener Staatsanwaltschaft.

Der US-Staatsbürger afroamerikanischer Abstammung war laut seinen Angaben Mittwoch am frühen Nachmittag mit der U4 von Kagran in Richtung Heiligenstadt unterwegs. Er war auf dem Weg zur Arbeit in der internationalen Schule in Wien-Döbling. Noch während der Fahrt hätten sich ihm zwei Männer genähert. Der Amerikaner im "Kurier": "Ich hatte plötzlich ein komisches Gefühl." Er hätte noch eine SMS-Botschaft an seine Freundin geschickt, die in der Station Spittelau wartete.

Auch Freundin verletzt

Genau dort ging es dann unmittelbar nach dem Aussteigen - so die Aussagen des Amerikaners - brutal zu: "Ein Mann stürzte sich auf mich, schlug auf mich ein, ich bin rückwärts auf den Boden gefallen, der Unbekannte setzte sich auf mich, hielt mich am Boden fest und schlug mit den Fäusten auf mich ein."

Der Angreifer hätte "Polizei, Polizei" geschrien, jedenfalls keine Uniform getragen. Die Freundin von Mike B. wollte diesem offenbar zu Hilfe eilen, sei aber weggestoßen worden und hätte dabei ebenfalls Verletzungen erlitten. Die Beamten hätten sich erst nach mehrfacher Aufforderung ausgewiesen. Auch die Rettung sei nicht alarmiert worden. Laut "Kurier" hätte es sich dabei möglicherweise um eine Aktion von Wiener Drogenfahndern gehandelt. Eine Verwechslung wäre möglich. Der Umgang der österreichischen Exekutive mit Verdächtigen unterliegt jedenfalls strengen gesetzlichen Regelungen.

Wirbelprellungen

Im Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus hätten die Ärzte eine Nacken- und Lendenwirbelprellung sowie Stauchung der Handgelenke bei dem Amerikaner festgestellt, hieß es in dem Artikel. Am Samstag sei Mike B. wegen unerträglicher Schmerzen schließlich stationär in das Spital aufgenommen worden. Der Lehrer erhebt jedenfalls Vorwürfe von "Misshandlung". Auch die US-Botschaft in Wien sei bereits eingeschaltet worden.

Von Seiten der Wiener Polizei gab es am Sonntag zu diesem Vorfall keine Stellungnahme. Man verwies darauf, dass die Wiener Staatsanwaltschaft in der Zwischenzeit dafür zuständig wäre. Ähnliches war auch zuvor dem "Kurier" mitgeteilt worden. Laut der Tageszeitung hätte das Präsidialjournal der Bundespolizeidirektion Wien nach Rückfrage im Büro für besondere Ermittlungen zumindest einen Zwischenfall bestätigt. Auch von der Wiener Staatsanwaltschaft konnte am Sonntag zunächst keine Stellungnahme eingeholt werden. (APA)

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