Alternativenergie Drehstrom

15. Februar 2009, 17:35
78 Postings

In der Radnabe kann man einfach Strom erzeugen. Das ist zwar nicht ganz billig, hat aber einige entscheidende Vorteile

Auch wenn batteriebetriebene Fahrrad-Lichtanlagen wartungsarm, leicht und langlebig sind, halten immer noch Konsumenten gerne am Prinzip der individuellen Stromerzeugung beim Radfahren fest. Wadelkraft statt AkkuKraftWerk. Nur - der herkömmliche Seitenläuferdynamo bockt, wenn der Reifen nass wird, und auch im trockenen Zustand ist der Wirkungsgrad niedrig. Eine Alternative, die seit den 1990er Jahren immer öfter verbaut wird, sind Nabendynamos.

Die ersten Dynamos dieser Art wurden in den 1930er-Jahren vom englischen Unternehmen "Sturmey-Archer" gebaut. Berühmt wurden Henry Sturmey und James Archer aber durch ihre Nabengetriebe für Fahrräder. Sie waren auch Hersteller von Getrieben für britische Motorradmarken. Mit ihren Nabendynamos war die Firma weniger erfolgreich: Die Produktion wurde 1984 eingestellt.

Heute werden immer häufiger Radnabendynamos angeboten. Die Platzhirsche sind "Shimano", "SRAM", "Renak" und "Schmidt". "Schmidt" war es auch, der als Erster einen Nabendynamo entwickeln konnte, der nicht schwerer war als ein Walzendynamo und eine ordentliche Vorderradnabe zusammen und 3 Watt lieferte. Inzwischen gibt es neben den üblichen 6 Volt-Anlagen auch 12 Volt-Systeme, die sich aber noch nicht am Markt etablieren konnten.

Etabliert haben sich Nabendynamos, weil sie witterungsunabhängig funktionieren und einen hohen Wirkungsgrad haben - obwohl sie teurer sind als die Seitenläufer. Die Nabendynamos haben innen eine Statorwicklung; die Magneten drehen sich mit dem Gehäuse. Manche Anlagen haben Lichtsensoren, welche die Scheinwerfer automatisch einschalten. Auch ein Standlicht kann eingebaut werden, da bei getriebelosen Nabendynamos ständig Strom erzeugt wird. Darum haben diese Systeme auch meist einen Schalter, mit dem sich der Stromkreis schließen lässt.

Nabendynamos haben einen geringen Leerlaufverlust; beim "Schmidt"-Nabendynamo "SON" sind es etwa 0,5 Watt bei 15 km/h. Bis zu einer Geschwindigkeit von rund 8 km/h flackert das Licht. Das liegt an der niedrigen Frequenz des erzeugten Wechselstroms. Was auf den ersten Blick ein Nachteil ist, ist auf den zweiten Blick ein Blinken, das bei langsamer Fahrt besonders auffällig ist. Unter Last ist die Spannungskennlinie gekrümmt, wodurch gesichert ist, dass der Grenzwert von rund 7 Volt nicht überschritten wird.

"Renak" baut mit dem "Emparliter2" einen hochmodernen Getriebe-Nabendynamo. Er ist kompakter, hat keine Leerlaufverluste und wiegt weniger als getriebelose Nabendynamos, dafür ist sein Wirkungsgrad geringer. Und der "Emparliter2" ist auch einer der teureren Nabendynamos, die zwischen 30 und 200 Euro kosten.

Da Kosten fürs Einspeichen eines Nabendynamos anfallen, ist das Nachrüsten nur bedingt zu empfehlen. Vernünftiger ist es, gleich zu einem neuen Vorderrad mit eingebautem Nabendynamo zu greifen. Dann muss man sich auch nicht darum kümmern, welcher Dynamo für welche Radgröße konzipiert ist. Wer sich noch weniger kümmern möchte, greift doch wieder zur montierten Taschenlampe. (Guido Gluschitsch)

  • Nabendynamos von "Schmidt".
    foto: schmidt

    Nabendynamos von "Schmidt".

Share if you care.