Wales bleibt auf Kurs

15. Februar 2009, 17:32
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Ein hart erkämpftes 23:15 gegen den Erzrivalen England bringt den Favoriten einen Schritt näher zur Titelverteidigung im Six Nations - Frankreich gegen Schotten in Not

Wien - "Man mag sie hier nicht", meinte der BBC-Kommentator lakonisch, als Englands Rugby-Team unter lautem Gebuhe in das mit 75.000 vollgefüllte Rund des Millennium-Stadions eindrang. Wales empfing seinen Erzrivalen am zweiten Spieltag der Six Nations als klarer Favorit, auch wenn der verletzte Shane Williams nicht zur Verfügung stand.

England startete mit einer nominell defensiven Formation und vielen Tacklern in seiner Backrow um die überlegene walisische Offensive möglichst einzuhegen. Die Gastgeber begannen giftig wie erwartet und gingen bereits nach fünf Minuten durch einen Penaltykick 3:0 in Führung. Die Engländer versuchten sich unter Druck wiederholt mit weiten Befreiungskicks Luft zu verschaffen, kamen nach zehn Minuten aber besser in die Partie. Mit einem durchaus konstruktiven Ansatz gelang es, die Waliser etwas aus dem Spiel zu nehmen.  Ein doppelter Rückschlag ergab sich dann durch einen Ausschluss Tindalls und einem weiteren walisischen Penalty zum 6:0. Zehn Minuten mussten die Briten nun mit 14 Mann auskommen und gerieten prompt durch den dritten Penalty 0:9 in Rückstand. Wales fand sich in einer komfortablen Lage, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen.

Doch die Vorzeichen wandelten sich. Aus einer unauffälligen Situation im Mittelfeld gelang England der erste Try der Partie. Flutey legte einen schönen Lauf hin, es folgte ein cleverer Chip über die walisische Defensivformation - und Paul Sackey sprintete durch. Nach einem Dropgoal waren die Engländer, die fast ausschließlich über die rechte Seite angriffen, auf 8:9 herangekommen - eine verdiente Belohnung ihrer doch überraschend unternehmenden Spielweise. In Standardsituationen präsentierten sich beide Teams sehr solide.

Wales, das im Laufspiel wiederholt nur einen Tick vom Durchbruch entfernt schien, sah sich einem sehr konzentrierten Defensivspiel der Engländer gegenüber, die in der ersten Halbzeit beinahe auf doppelt soviele Tackles kamen, wie ihre Gegner. Auch ein klares Übergewicht bezüglich Territory (Wales bewegte sich während zwei Drittel der Spielzeit in Englands Hälfte) konnte nichts daran ändern, dass die Halbzeitführung eine denkbar knappe blieb.

Wales kam wie von der Pistole geschossen aus der Pause zurück. Nachdem Halfpenny im letzten Augenblick gestoppt werden konnte, schien sich die Geschichte für England zu wiederholen. Andy Goode wurde vom Feld geschickt, nachdem walisischer Druck die Engländer zu irregulärem Verteidigen ihrer Linie zwang. Stephen Jones erhöhte im Anschluss prompt auf 12:8. Und Wales nutzte diesmal die numerische Überlegenheit zum ersten Try: Halfpenny brachte eine flotte Kombination über die gesamte Breite des Feldes zu einem erfolgreichen Abschluss. Wales schickte sich an, davonzulaufen. Elf Punkte in Folge resultierten in einem 20:8 nach rund einer Stunde.

Die Vorentscheidung? Mitnichten. England, scheinbar am Ende, kam erneut zurück. Delon Armitage brachte seine Mannschaft mit seinem Versuch wieder in Schlagdistanz. Und plötzlich schienen die Waliser etwas verwirrt und hätten in der Folge sogar in Rückstand geraten können, als nur ein unglücklich aufspringender Ball Sackeys zweiten Versuch verhinderte. Wie schon im Match gegen Schottland am letzten Wochenende verlor das Team von Warren Gatland in dieser Phase etwas die Konzentration.

Es entwickelte sich ein äußerst intensiver Schlagabtausch mit Optionen für beide Seiten. England gelang es weiterhin recht gut, das Tempo aus der Partie zu nehmen und das walisische Laufspiel zu unterbinden. Die Waliser verlegten sich auf Kicks in englisches Territorium und hofften auf weitere disziplinäre Sanktionen gegen die Verteidiger. Und diese blieben auch nicht aus. Nach 71. Minuten sorgte Jones für Aufatmen in Cardiff. Mit seinem fünften verwerteten Penalty kickte er sein Team zum 23:15 - ein Polster, der zur Folge hatte, dass die Engländer auch im Falle eines erhöhten Trys die Führung nicht hätten schaffen können. Flood dagegen vergab einige Minuten später seine Chance, als er das Ei nicht ins Goal platzieren konnte. Es wäre ein Muss gewesen.

Englands Sturmreihe schaffte es nicht, den Ball schnell genug an ihre Hintermännern zu liefern. Im Breakdown fehlte manchmal die Cleverness, was letztlich zu den Auschlüssen und einer hohen Zahl von Penalties zugunsten der Waliser führte. Dieses Manko trug an diesem Abend entscheidend zur dritten Niederlage gegen den kleinen großen Nachbarn hintereinander bei.

Die Waliser ihrerseits bleiben auch nach der zweiten Runde des Turniers ungeschlagen - der Erfolg musste gegen einen resoluten Gegner jedoch hart erkämpft werden, härter als vielleicht viele vermutet hätten. Wales gelang es aber, zu Punkten zu kommen, trotzdem diesmal viele Wege verlegt waren. Letztlich setzte sich die talentiertere Mannschaft durch, welche gegen einen stark verbesserten Gegner doch über weite Strecken das Tempo bestimmt hatte. Coach Gatland, cool wie immer: "Wir sind immer stärker geworden." Auf sein Team, en route zur Titelverteidigung,  wartet nun am  27. Februar das vorentscheidende Duell gegen Frankreich in Paris. England hat einen Tag später nach Dublin zu reisen - auch das verspricht knackige Aussichten. (Michael Robausch - derStandard.at - 14.2. 2009)

RESULTATE:

Wales - England 23:15 (9:8) , Cardiff 75.000

Wales - Try: Leigh Halfpenny; Penalties: Stephen Jones (5), Halfpenny

England - Tries: Paul Sackey, Delon Armitage; Conversion: Toby Flood; Drop goal: Andy Goode

Gelbe Karten: Mike Tindall 16., Andy Goode  42.

Wales: 15-Lee Byrne, 14-Leigh Halfpenny, 13-Tom Shanklin, 12-Jamie Roberts, 11-Mark Jones, 10-Stephen Jones, 9-Mike Phillips (20-Dwayne Peel 72), 8-Andy Powell (19-Dafydd Jones 61), 7-Martyn Williams, 6-Ryan Jones (captain), 5-Alun-Wyn Jones, 4-Ian Gough, 3-Adam Jones, 2-Matthew Rees (16-Huw Bennett 67), 1-Gethin Jenkins

England: 15-Delon Armitage, 14-Paul Sackey (22-Mathew Tait 65), 13-Mike Tindall, 12-Riki Flutey, 11-Mark Cueto, 10-Andy Goode (21-Toby Flood 52), 9-Harry Ellis, 8-Nick Easter, 7-Joe Worsley, 6-James Haskell (19-Luke Narraway 65), 5-Nick Kennedy (18-Tom Croft 54), 4-Steve Borthwick (captain), 3-Phil Vickery (17-Julian White 65), 2-Lee Mears (16-Dylan Hartley 65), 1-Andrew Sheridan

Frankreich - Schottland  22:13 (6:3)

Frankreich: Try: Fulgence Ouedraogo; Conversion: Lionel Beauxis; Penalties: Beauxis (5)

Schottland: Try: Thom Evans; Conversion: Chris Paterson; Penalties: Phil Godman (2)

Italien - Irland 9:39 (9:14)

Italien: Penalties: Luke McLean (3)

Irland: Tries: Tommy Bowe, Luke Fitzgerald (2), David Wallace, Brian O'Driscoll; Conversions: Ronan O'Gara (4), Rob Kearney; Penalty: O'Gara

Gelbe Karten: Andrea Masi 1., Salvatore Perugini 36.; O'Gara 32.

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    Der Waliser Leigh Halfpenny gleitet Englands Joe Worsley durch die Pranken.

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    Sicheres Kicking von Stephen Jones brachte Wales 15 Punkte.

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    Martyn Williams klar in Unterzahl...

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