Großes Algendüngen brachte ungewöhnliche Ergebnisse

14. Februar 2009, 13:48
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Beim Projekt LOHAFEX wurden bisher zehn Tonnen Eisensulfat in den Südwest-Atlantik gepumt - Konsequenzen offenbar nicht kalkulierbar

Bremerhaven - Das umstrittene Eisendüngungs-Experiment in antarktischen Gewässern kann bereits die ersten Ergebnisse vorweisen - und die fallen völlig unerwartet aus: Nach Angaben von Ulrich Bathmann, Leiter des Fachbereichs Biowissenschaften des federführenden deutschen Alfred-Wegener-Instituts (AWI), verlaufe die Algenblüte anders als bei vorangegangenen Experimenten. "Das ist ein Argument gegen die kommerzielle, großflächige Eisendüngung, da ihre Auswirkungen nicht kalkulierbar sind." Noch sei nicht klar, ob die Algen langfristig überhaupt größere Mengen von Kohlendioxid binden könnten.

Mit dem noch bis Mitte März laufenden Experiment LOHAFEX will eine deutsch-indische Forschergruppe klären, ob die Eisendüngung zum Abbau des schädlichen Kohlendioxids beitragen kann und welche ökologischen Folgen das hätte. Dafür pumpten die Wissenschafter Ende Jänner zehn Tonnen Eisensulfat in den Südwest-Atlantik. "Bereits nach vier Tagen konnte das Team ein deutliches Wachstum der Algen feststellen", sagte Bathmann. "Dass sie sich so schnell vermehrt haben, ist überraschend." In früheren Experimenten sei dies erst nach zehn bis 14 Tagen der Fall gewesen.

Schaumalge reagierte

Interessant sei auch, dass vor allem die aus der Nordsee bekannte Schaumalge auf die Düngung reagiert habe. "Andere Algenarten haben sich dagegen gar nicht oder kaum vermehrt", erklärte der AWI-Experte. Normalerweise sei die Schaumalge nur in Küstengewässern so stark verbreitet. Die Algen würden trotz großer Mengen von Zooplankton - winziger Meerestierchen - schnell wachsen.

CO2-Bindung fraglich

"Diese Organismen werden ein Großteil der Algenblüte auffressen." Dadurch würden die Tiere das von den Algen gebundene Kohlendioxid wieder aufnehmen und ausatmen. "Und das sehr viel stärker als in bisherigen Experimenten", sagte Bathmann. "Zurzeit wachsen die Algen noch schneller, als die Tiere fressen können." Die spannende Frage der nächsten Wochen werde sein, wie viele der Algen am Ende übrig blieben. "Deshalb können wir noch keine Aussage darüber machen, wie viel Kohlendioxid die Algen binden werden", betonte Bathmann. (APA/red)

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