Der Konsolen-Krieg

14. Februar 2009, 12:18
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Das Xbox-Strategiespiel bietet feine Grafik und dumme Soldaten

Fein sind Kriege immer dann, wenn man weiß, wer die Guten sind. Also praktisch immer die, auf deren Seite man steht. Und noch feiner sind Kriege, wenn man sie in den Medien sieht. Sei es in den gedruckten oder den elektronischen - fast immer haben die Bilder eine künstlerische Ästhetik. Das wahre Grauen der sinnlosen Gewalt, die zerfetzten Körper und die verstümmelten Überlebenden finden sich dagegen kaum in der Zeitung oder auf dem Bildschirm. Seltsamerweise wird aber stets Video- und Computerspielen vorgeworfen, dass sie gewaltverherrlichend und abstumpfend seien.

Keine Frage, Restart-Möglichkeiten oder mehrere Leben bietet die Realität nicht. Aber auch im Film geht es meist nur fast wie im richtigen Leben zu. Der Vorteil des Spiels im Vergleich zur Leinwand: Man kann nicht nur mitfiebern, sondern selbst bestimmen - und hat so einen Grund, nach einer Niederlage aufgrund falscher strategischer Planung den Controller durchs Zimmer zu schmeißen.

Menschen gegen böse Außerirdische

Derartige Wurfgelegenheiten bieten sich beispielsweise dank dem am 27. Februar erscheinenden Halo Wars (Microsoft Game Studios, Xbox360, ab 65 Euro, ab 16 Jahren). Erstmals wird in der erfolgreichen Halo-Serie nicht mehr aus der Ich-Perspektive geschossen. Stattdessen kämpft man in einem sogenannten Echtzeit-Strategiespiel (RTS) als Menschen gegen die bösen Außerirdischen.

Ungewöhnlich (leider noch immer) für ein Computerspiel ist die elaborierte Geschichte, ein Markenzeichen der Serie. Was der Produktion von Kampftruppen in Basen und dem geschickten Einsatz einen richtigen "Sinn" gibt. Es wird in einzelnen Abschnitten gespielt, deren Komplexitätsgrad langsam steigt, dazwischen treibt die Story das Geschehen voran.

Schöne Grafik

Grafisch ist das Spiel einwandfrei, das Spielprinzip bietet natürlich nur wenig Neues: In seiner Basis kann man zusätzliche Gebäude errichten, die entweder neue Einheiten hervorbringen oder neue Technologien oder Verbesserungen ermöglichen. Mühsames Standortsuchen erspart man sich, alle zusätzlichen Gebäude sind direkt an der Basis platziert.

Die auf einem Konsolen-Controller nicht immer ganz einfache Steuerung bei RTS ist schlüssig gelöst, im unübersichtlichsten Getümmel bricht man sich nicht die Finger. Kindlichen Gemütern wird die Möglichkeit, Feinde auf unkonventionelle Art zu beseitigen, Freude bereiten: etwa, indem man eine Brücke verschwinden lässt.

Stupide Soldaten

Etwas mühsam ist allerdings die völlig stupide Befolgung von Befehlen: Wenn die Männchen ein feindliches Gebäude zerstören sollen, ignorieren sie gegnerische Truppen vollkommen und lassen sich wehrlos abschlachten. (Michael Möseneder, DER STANDARD/Printausgabe, 14.2.2009)

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Halo Wars

  • Lila sind die Bösen, olivgrün die Guten. Zumindest wenn man "Halo Wars" als Olivgrüner spielt.

    Lila sind die Bösen, olivgrün die Guten. Zumindest wenn man "Halo Wars" als Olivgrüner spielt.

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