"In Meidling ist nicht Schluss"

14. Februar 2009, 08:35
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Die Wiener Linien könnten wegen der zusätzlichen Fahrgäste überlastet sein, die U6 an ihre Grenzen stoßen

Wien - 44.000 Ein-, Zu- und Umsteiger tummeln sich täglich auf dem Bahnhof Meidling. Zählt man die Passagiere der Wiener Linien dazu, sind es ungefähr 90.000 Menschen. Wenn der Südbahnhof wegen des Umbaus am 13. Dezember geschlossen wird, ist für viele Züge in Meidling Endstation. Laut ÖBB werden dann bis zu 110.000 Fahrgäste den Bahnhof Meidling passieren. Ob die Öffis damit zurechtkommen ist fraglich. Die Wiener Grünen und die ÖVP sagen: Nein.
„Die U6 erreicht jetzt schon zu Spitzenzeiten das Maximum", sagt VP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl. „Die Wiener Linien werden sich Alternativen überlegen müssen." Er habe schon einen Vorschlag. Gerstl wünscht sich eine Express-Buslinie von Meidling Richtung Innenstadt. Die Grünen-Verkehrssprecherin Ingrid Puller fordert eine Intervallverdichtung auf der U6-Strecke: „Dafür gibt es aber nicht genügend Züge."

Für die U6 werde sich nicht allzu viel ändern, entgegnet Wiener-Linien-Sprecher Johann Ehrengruber: „In Meidling ist nicht Schluss". Neben den Schnellbahnen, die auf dem S-Bahn-Netz zum Südbahnhof und weiter fahren, gebe es auch außer der U6 eine gute Öffi-Anbindung. Der 62er fahre beispielsweise auch zügig in die Innenstadt.

Wenngleich er einräumt, dass die U6 in Spitzenzeiten jetzt schon „gut besucht" sei, werde man mit zusätzlichen Fahrgästen fertig. Die Auslastung liege in Spitzenzeiten derzeit bei 70 Prozent. Die neuen Niederflur-Garnituren können 776 Passagiere aufnehmen, die ausrangierten hatten Platz für 622. Ab Herbst sollen zwei Züge zusätzlich fahren, sagt Ehrengruber. Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte und Fahrgastbeirat der Wiener Linien, nennt den Vorteil der neuen U6-Ganituren: Weil es nun keine Stufen gibt, können die Fahrgäste schneller ein- und aussteigen. "Dadurch können die Züge auch öfter fahren." Grobe Öffi-Probleme sieht Knoflacher allerdings beim dann fertigen Hauptbahnhof: „Die U1 wird nicht ausreichen." Außerdem sei sie zu weit vom Bahnhof entfernt. Für Entlastung könnte die U2 sorgen, die gen Süden verlängert wird. Nach derzeitigen Plänen fährt sie aber am Bahnhof vorbei.

Züge fahren durch

Nicht alle ÖBB-Züge, die aus dem Süden kommen, werden in Meidling enden. Ab Dezember 2009 wenden beispielsweise IC-Züge aus Graz in Meidling, fahren weiter zum Westbahnhof und von dort Richtung Salzburg und umgekehrt. Von der Nordbahn kommende Züge (Prag, Warschau) werden teils ebenfalls über Meidling bis Villach geführt. Das gleiche gilt für aus Villach kommende Züge. Die Streckenführung in Wien erfolgt über die S-Bahn-Stammstrecke. Entlang der Strecke halten die Fernverkehrszüge in den Haltestellen Floridsdorf, Praterstern, Wien-Mitte und Südtiroler Platz - die Fahrgäste haben dadurch _Anschlüsse zu allen wichtigen _U-Bahn-Linien. Der neue Hauptbahnhof soll Ende 2012 teilweise in Betrieb gehen, 2015 eröffnen. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

  • Trotz höheren Fahrgastaufkommens soll die U6 von Meidling weg laut Wiener Linien nicht überlastet sein. Doch Achtung: Die U6-Station heißt nicht "Meidling" sondern "Philadelphiabrücke"
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    Trotz höheren Fahrgastaufkommens soll die U6 von Meidling weg laut Wiener Linien nicht überlastet sein. Doch Achtung: Die U6-Station heißt nicht "Meidling" sondern "Philadelphiabrücke"

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