Hundestreife gegen Nachtschwärmer

13. Februar 2009, 19:52
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ÖVP-Politiker Anton Hüttmayr lässt wieder einmal mit unkonventionellen und rechtlich unmöglichen Vorschlägen aufhorchen

Linz - Sie sind ihm schon seit Jahren ein Dorn im Auge: Nachtschwärmer, die zu viel trinken und nichts als Ärger machen. Deshalb will der oberösterreichische ÖVP-Landtagsabgeordnete Anton Hüttmayr eine Spezialeinheit der Polizei. Diese soll nächtens mit Hunden durch einschlägig bekannte Lokale im Bezirk Vöcklabruck patrouillieren. Denn er bezeichnet die Zustände dort an den Wochenenden als "unhaltbar".

Hüttmayr, der seit 2007 Bürgermeister in Puchkirchen im Bezirk Vöcklabruck ist, will "den Alkoholexzessen nicht mehr länger tatenlos zusehen". Ihm gehe es um die Sicherheit unserer Jugend. Würde die Exekutive bereits präventiv tätig, könnten seiner Meinung nach "Stänkereien und Schlägereien" in den frühen Morgenstunden verhindert werden.

Konkret denkt der ÖVP-Politiker an ein Team von zehn Beamten, die jede Woche in der Nacht von Freitag auf Samstag fünf Lokalitäten im Bezirk kontrollieren sollten. Wenn regelmäßig Hundestreifen in Uniform durch die Lokale gehen, habe dies sicherlich eine abschreckende Wirkung auf gewaltbereite Gäste, glaubt Hüttmayr, der auch Präsident des oberösterreichischen Zivilschutzverbandes ist.

Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl erteilt dem Vorschlag eine klare Absage: "Dafür habe ich kein Verständnis." Allein schon die rechtliche Situation untersage eine derartige Spezialeinheit, denn Polizeistreifen in Lokalen, das verstoße gegen das "Hausrecht".

Grundsätzlich habe der Wirt für "Sicherheit und Ordnung zu sorgen", erklärt Lißl. Einige lösen dies mit eigenen Türstehern. Zudem sehe er auch gar "keine Notwendigkeit" für eine derartige Truppe. Die Polizei kenne laut Lißl die jeweiligen "Hot Spots", wie etwa die Linzer Altstadt oder besagte Lokale an der B1 bei Vöcklabruck, und kontrolliere diese ohnehin regelmäßig.

Erst vor zwei Wochen gab es eine Großversammlung mit Wirten aus dem Bezirk Vöcklabruck und der Polizei. Lokalbetreiber hatten sich bei der Exekutive beschwert, dass zu viel Alkoholkontrollen im Bezirk durchgeführt würden, was sie als geschäftsschädigend empfanden.

Alkoholsünder filmen

Hüttmayr hingegen bleibt dabei: "Bisher wurde nur geredet und nichts gegen das Problem unternommen." Sein aktueller Vorstoß gegen "Alkoholexzesse" ist nicht sein erster. Vor zweieinhalb Jahren wollte er, dass Volltrunkene, die ins Spital eingeliefert werden müssen, im Rettungsauto gefilmt werden. Auch die Kosten für den Einsatz sollten die "Patienten" aus der eigenen Tasche zahlen.

"Man muss den Stockbetrunkenen vor Augen führen, wie unmöglich das eigene Verhalten im Vollrausch ist", begründete er seinen unkonventionellen Vorschlag. Ebenso wie jetzt, kamen auch damals postwendend rechtliche Bedenken. Datenschützer stempelten dies Idee als "völlig dumm und stumpfsinnig" ab, wie Arge-Daten-Obmann Hans G. Zeger meinte. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

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    Zu viel Alkohol und zu viele Stänkereien in Lokalen im Bezirk Vöcklabruck bereiten dem ÖVP-Landtagsabgeordneten Anton Hüttmayr Sorge: Er will deshalb eine Spezialeinheit der Polizei mit Hunden

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