"Du bist in deiner Welt"

13. Februar 2009, 19:52
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Slalomstar Reinfried Herbst erzählt aus seinem gar nicht einfachen Sportlerleben

"Ich hab was, von dem ich weiß, dass es mir hilft. Ich werde nicht konkret davon erzählen, weil ich den anderen nicht meine Erfahrungen schenken will. Mit dem Kopf hat das aber nichts zu tun, sondern mit dem Skifahren.

Meine ganzen Verletzungen weiß ich natürlich nimmer, ich bin ja schon als Schülerläufer Dauerpatient gewesen. Ich hab vom Daumenbruch über Skidaumen alles gehabt, ich hab mir damals drei-oder viermal die Innenbandln eingerissen. Ich war ständig in irgendeiner Betreuung. Zum Beispiel das Letzte außer meinen Knien war das mit dem Daumen vor meiner Riesentorlaufquali in Sölden. Ich bin im Training den Steilhang hinunter, hab mir den Daumen ausgerenkt, und der ist im Handschuh nach hinten gestanden, die Kapsel und alles war kaputt, ich glaub, das war 2003. Ich werd den Anblick nie vergessen. Was den Daumen anbelangt, bin ich wirklich nicht mehr gut.

Ich bin in die Nähe gekommen zum Aufhören bei der einen oder anderen Knieverletzung. Der Pum Hans (ÖSV-Alpindirektor) hat mich einmal angerufen, als ich im Europacup war, und zu mir gesagt: Herbstl, wir brauchen dich. Das war schön, hat mir sehr viel Kraft gegeben, denn in dieser Phase habe ich nicht damit gerechnet, dass ich einen Anruf krieg.

Es ist die Frage, warum sich manche dauernd verletzen und manche so gut wie nie. Da ist der Toni (Giger) dahinter mit den Forschungen, aber dass man eine Antwort kriegt, ist schwierig. Eines muss man sagen: Wenn's einmal losgeht mit dem Ganzen, dann geht das wie ein Radl dahin. Es gibt Leut wie den Walchi und den Benni, die haben das gut überstanden. Auch deshalb, weil sie von Grund auf sehr gut und sicher auf dem Ski gestanden sind. Wenn ich mich erinnere, als ich mich nicht wohl gefühlt habe mit dem Material zum Beispiel, da bin ich bei jedem zweiten Training auf dem Kreuz gelegen, auf der Schulter oder sonst irgendwo. Da ist es kein Wunder, wenn man sich schneller verletzt.

Und jetzt muss ich sagen, Gott sei Dank ist es so, dass ich auch im Training nicht mehr oft in die Gefahr komme, mich zu verletzen. Natürlich gehört Glück auch dazu. Ich hab heuer eine Situation gehabt im Kitzbühel-Training, da hat der Ski gebissen, mich hat's drüber g'haut. Wenn du dir das Video anschaust, sagst du, das gibt's nicht, dass ich verletzungsfrei geblieben bin, da war ich schon wieder eher saisonout als hier.

Man muss sich bewusst sein, dass es jeden Tag aus sein kann. Wenn du schon so viel gehabt hast, ist alles vorgeschädigt, da genügt eine Kleinigkeit, und schon ist es wieder schlimm.

Aber du bist in deiner Welt, Skifahren ist von klein auf dein Leben, da nimmt man sehr viel in Kauf. Für Außenstehende ist das schwer verständlich. Ich fühl mich körperlich wohl. Das schätze ich. Erst im Oktober, als ich mir ohne Sturz das Kreuz verrissen hab, war ich vier Wochen lang außer Gefecht. Ich weiß, dass ich am Sonntag zu den Favoriten zähle, und ich will der Favoritenrolle standhalten." (Aufgezeichnet von Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2009)

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    Reinfried Herbst (30) gewann fünf WC-Slaloms.

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