"Tief durchatmen ist die falsche Politik"

13. Februar 2009, 19:47
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    Zur Person
    Verena Knaus (32) leitet das Büro der "European Stability Initiative" (ESI) in Prishtina. Sie studierte in Oxford Geschichte, Internationale Beziehungen in Bologna und ist World Fellow von Yale.

Um Fortschritte zu erzielen, müsste einer der EU-Mitgliedsstaaten Serbien klarmachen, dass es ohne Kosovo keine EU-Perspektive gibt, sagt die Analystin Verena Knaus im STANDARD-Interview

STANDARD: Mit der Unabhängigkeit vor einem Jahr hat man Klarheit für den Kosovo erhofft. Nun herrscht ein Kompetenzwirrwarr zwischen dem Internationalen Beauftragten ICR, der EU und der UNO. Was bedeutet das für den Alltag?

Knaus: Die Anerkennung des Kosovo durch politische Schwergewichte wie 22 EU-Staaten und die USA hat Sicherheit gegeben. Eine Gelassenheit, die es vor der Unabhängigkeit nicht gab, hat sich breitgemacht. Dennoch besteht weiter das Gefühl, dass Belgrad es schafft, über den Norden den Kosovo zu destabilisieren und einen funktionstüchtigen Staat zu verhindern. Premier Thaçi sagt, dass selbst die demokratische Regierung in Belgrad die Kosovo-Politik von Milošević fortführt. Und ich würde ihm in diesem Punkt zustimmen. Aber eines steht fest, über kurz oder lang wird Serbien seinen Disput mit Kosovo lösen müssen.

STANDARD: Zurzeit versucht die UNO wieder zwischen Belgrad und Prishtina zu verhandeln. Wie sind die Erfolgschancen?

Knaus: Die UNO hat zuletzt ein technisches Treffen zum Thema Kulturerbe einberufen. Aber wessen Sitze sind leer geblieben? Jene von Belgrad und Prishtina. Ich würde bei allen anderen Versuchen Ähnliches erwarten.

STANDARD: Fünf EU-Mitgliedsstaaten haben den Kosovo nicht anerkannt. Wie kann sich das ändern?

Knaus: Die EU ist zögerlich. Es müsste nur ein Mitgliedsstaat sagen: Ohne Kosovo gibt es keine EU-Perspektive. Serbien muss ja den Kosovo vielleicht nicht anerkennen, aber letztendlich kann es nicht sein, dass Belgrad die EU-Politik im Kosovo sabotiert, denn dies ist ein Widerspruch zur eigenen EU-Perspektive. Aber das ist ein schwieriges Argument, solange es selbst innerhalb der EU keinen Kosovo-Konsens gibt.

STANDARD: Gibt es eine Möglichkeit, Spanien und Zypern dazu zu bringen, den Kosovo anzuerkennen?

Knaus: Im Fall Zypern wird es sehr von den griechisch-türkischen Verhandlungen abhängen. Man kann die Türkei nur fest an die EU-Perspektive anbinden. In Spanien gibt es durch den neuen US-Präsidenten die Möglichkeit, das - wegen des Irakkriegs - zerrüttete Verhältnis wieder zu kitten. Jeder, der wünscht, dass die EU in der Welt schlagkräftig ist, müsste Interesse daran haben, dass wir im Kosovo Erfolg haben, und zwar nicht in fünfzehn, sondern in zwei Jahren.

STANDARD: Aber auch in den Staaten, die anerkannt haben, mangelt es an Elan, die EU-Integration des Kosovo voranzutreiben.

Knaus: Ja, es ging ein tiefes Verschnaufen durch die europäischen Hauptstädte nach der Unabhängigkeitserklärung und der Entsendung der Eulex. Aber tief durchatmen ist die falsche Politik, noch haben wir nichts Konkretes vorzuzeigen. Nur weil jetzt die ehemaligen UN-Polizisten ihr hellblaues gegen ein dunkelblaues EU-Barett ausgetauscht haben, haben wir ja noch keine Rechtsstaatlichkeit eingeführt.

STANDARD: Wer ist eigentlich der Boss im Kosovo? Und besteht die Gefahr, dass der ICR Pieter Feith so wie der Hohe Repräsentant in Bosnien agiert und das Land dabei einfriert?

Knaus: Wir haben verschiedene kleine Bosse statt einen richtigen. Derzeit agiert Feith noch nicht wie ein hoher Repräsentant. Das liegt an seinem politischen Instinkt. Aber ein Nachfolger könnte auf die Eingreifmöglichkeiten - das geht bis zum Absetzen von demokratisch legitimierten Politikern - zurückgreifen. In einem Jahr, wenn die Arbeit des ICR bewertet wird, droht die Falle Bosniens. Denn bis dahin ist eine Institution entstanden, die Arbeitsplätze kreiert und in der es sich viele komfortabel gemacht haben. Dann ist es schwierig, sich selbst "wegzubewerten".

STANDARD: Ist es am besten, wenn die Internationalen so schnell wie möglich aus dem Kosovo gehen?

Knaus: Eine möglichst schnelle Normalisierung der Regierungsverhältnisse ist im Interesse Europas, der Demokratie und damit im Interesse des Kosovo.

STANDARD: Apropos Demokratie: Wie demokratisch ist es, wenn der ICR bloß einer "Lenkungsgruppe" einiger Staaten verantwortlich ist?

Knaus: In einer kleinen Elite wird das als problematisch erkannt, weil es problematisch ist. Aber wir haben einen Präzedenzfall, und das ist Bosnien. Dennoch ist klar: Wenn die EU den Aufbau eines Mitgliedsstaats betreibt, dann sind alle internationalen Überwachungsmechanismen ein Hindernis, auch wenn wir sie noch so kreativ gestalten. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2009)


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Posting 1 bis 25 von 60
1 2
chillbill
00
22.2.2009, 00:02
liebe Frau Knaus


ich muss trotzdem tief durchatmen. Auch, wenn Sie es so viel einfacher machen wollten...

Old Surehand
00
klar

muessen Sie tief durchatmen - UNS haben Sie damit nix neues eroeffnet ;-) Sie sind ja ersichtlicherweise staendig am durchatmen ;-)

opti
01
17.2.2009, 14:06
eine yale diplomarbeit über die komischen europaner

oder so was ähnliches
sehr "gescheit" mit viel literarturangaben
aber keine ahnung vom wirklichen leben

bosnien und kosovo sind meilensteine der europäischen, gut gemeinten ansätze die unter tragischen umständen mit unterstützung der nato, der mafia und anderer "weltpolizisten" zu grauslichen ergebnissen geführt haben

mit solchen "fachleuten" gehen wir direkt in den untergang

Decky S
12
16.2.2009, 22:10

Frau Knaus,
ein unabhängiges Kosovo bedeutet, dass die paar Tausend Serben, welche noch nicht vertrieben oder ermordet wurden, dem Wohlwollen der verbrecherischen albanischen UCK-Regierung ausgeliefert sind, da sie jetzt in einem fremden albanischen Staat leben müssen. ZB wird von Pristina aus den serbischen Enklaven täglich der Strom abgedreht. Serben im Kosovo haben kein Recht sich bei irgendwem diesbezüglich zu beschweren. Flüchten dürfen sie, ja, sonst nix.
Bevor sie hier für die Unabhängigkeit Werbung machen, sprechen Sie bitte auch mal mit den hunderttausenden Serben, welche aus dem Kosovo aufgrund von Terror seitens der Albaner fliehen mussten und verschaffen Sie sich ein objektiveres Bild der Situation.

Peter Willener
30
15.2.2009, 16:54
Lieber Sindjelic

Wie lange ist den Serbien unabhängig? Korruption herrscht überall, wenn nicht mehr als im Kosovo, was hat den Serbien alles erreicht? schaut mal Slovenien und Kroatien innert 15 Jahren!!! wenn so weiter geht wird sogar noch vom Kosovo überholt. Vielen Dank

ano xxo
30
16.2.2009, 12:21
serbien ist seit 2006 unabhängig,

als sich der staatenbund SCG trennte, davor war serbien zu keinem zeitpunkt ein selbstständiger staat....kosova hat mehr staatstradition als serbien, wenn man von 1999 ausgeht...

grüsse

Sindjelic
43
15.2.2009, 12:10
Ganz ehrlich liebe albanische Kollegen,

läuft doch nicht so rund das Ganze,oder? Jetzt auch noch Obama, mann o mann,könnte noch eine enge Kiste werden mit der "Unabhängigkeit"! Finanzkrise,Chaos auf den Weltmärkten,neuer außenpolitischer Kurs der USA,da muß Kollege Thaci ganz schnell die alte Busenfreundin Madleine Albright anrufen und die Kontakte vertiefen :-) was man(n) nicht alles tut für ein bißchen Unabhängigkeit:-)) Was hat sich für Kosovo geändert in diesem Jahr? Wer hat das eigentliche Sagen in der Provinz? Wie lange will sich die internationale Präsenz breitmachen? Fragen über Fragen!Nordkosovo unkontrollierbar,Korruption und Mafia an Tagesordnung,von versprochenen 100 innerhalb 3 Monaten,haben nur 54 US-Lakaien innerhalb eines Jahres anerkannt.Wie gesagt..enge Kiste..

mladenovic
 
12
14.2.2009, 17:18
Die EU wird niemals eine einheitliche Stimme zum Kosovo sprechen.

Weder Zypern,Spanien oder Griechenland haben vor,diese künstliche Gebilde anzuerkennen.

ano xxo
10
15.2.2009, 00:39
albanien ist doch anerkannt ???

....na bitte, dann wird sich kosova eben albanien anschliessen...´das ist das geringste problem...

habibi1
01
15.2.2009, 12:01

Träumen ist erlaubt

Korca
42
14.2.2009, 15:55

Die wilden Angriffe hier von serbischer Nationalisten auf die Person Frau Knaus, ist wieder mal typisch. Sobald man der offiziellen Haltung Belgrads kritisch gegenübersteht, wird man sofort mit allen möglichen negativen Sachen beschimpft! Vergessen Sie nicht, meine lieben serbischen Bürger, dass wir hier in Österreich sind und nicht im serbischen Parlament in Belgrad!

mladenovic
 
11
14.2.2009, 17:36
Was erwarten Sie denn für eine Reaktion?

Belgrad muss sich keinen Milimeter auf Pristina zubewegen.Es ist eine Provinzhauptstadt,mehr nicht!

elona kelmendi
 
40
15.2.2009, 14:12
Belgrad muss sich keinen Milimeter auf Pristina zubewegen.Es ist eine Provinzhauptstadt,mehr nicht!

Wi so den Belgrad Will was von Pristina und nicht umgekehrt,daher interesiert belgrad uns überhaupt nicht.

ano xxo
10
15.2.2009, 00:40
nö, es muss nicht,

deshalb ist ja kosova heute unabhängig....

stan73
00
14.2.2009, 20:15
hier die Fortsetzung des Glückwunsches von Horst Köhler an Fatmir Sejdiju...

Teil 2:

Während der letzten zwölf Monate, hat Ihr Land – zusammen mit der internationalen Gemeinschaft – vollumfassende Versuche zur Ausführung der Reformen unternommen. Sie können sich sicher sein, dass Deutschland der Republik des Kosovo fortwährend die notwendige Unterstützung geben wird.



Mit freundlichen Grüßen,



Horst Köhler



Bundespräsident der föderalen Republik Deutschland

stan73
01
14.2.2009, 20:14
Das sieht aber Horst Köhler etwas anders..

Das ist übrigens der Bundespräsident Deutschlands!
Hier der Brief, der heute an Fatmir Sejdiju (erster Präsident des Kosovo!) ging:
In diesem Schreiben heißt es:
Sehr geehrter Herr Präsident,

zum Anlass des ersten Jubiläums der Republik des Kosovo, möchte ich Ihnen und Ihren Bürgern im Namen meiner Bürger, herzlichste Glückwünsche ausdrücken.

In Anbetracht der stetigen Annäherung Ihres Landes an die euro-atlantischen Strukturen, der Errichtung funktional gesetzlicher Strukturen, so wie auch eine Wirtschaft, die sich auf die Zukunft orientiert und konkurrierende Fähigkeiten erhalten wird, ist dies von großer Bedeutung.


Forsetzung...

Alien Nation
13
14.2.2009, 14:51
Jetzt werden wieder einige zetern...

ja sieh mal wer das geschrieben hat und das ist keine seriöse Quelle etc.. aber ich denke erst wenn man nach links und rechts blickt, ist man im Stande die Mitte zu finden.

Daher hier der LINK: http://www.neues-deutschland.de/artikel/1... osovo.html

in diesem Sinne, viel spass beim lesen in der Serben_freien ZONE ;)

Smoove
 
30
14.2.2009, 18:29
ich weiß nich was du unter seriousen Quellen verstehst ...

das ist die subjektive Meinung eines Redakteurs einer Zeitung die man evtl leicht in frage stellen könnte weil sie evtl zu DDR Zeiten die Zeitung der SED war und als Propagandablatt diente und heute praktisch die Zeitung der Linken ist, die ja auch mit großem Ansehen und Seriousität glänzen, mit Herrn Gisy als Oberhaupt, der zu DDR Zeite auch stolz für die SED aggiert hat ... alte kontakte pflegen ;)

Lieber 1000% mal Protektorat der Westmächte als 0.1% serbischer Tyrannei

...übrigends Slovenien und Kroatien hatten laut Verfassung das Recht sich unabhängig zu erklären, sie waren gleichwertige "Partner" nur irgendwie dachte man in Belgrad immer man sei ein bisschen "gleichwertiger" als alle anderen...

stan73
00
14.2.2009, 20:18
Ganz im Gegenteil, das ist nicht Langweilig!

Sondern sehr amüsant ;-)

Bonair
12
14.2.2009, 15:55
?

Wieso posten Sie zwei Mal die selbe Story? Langweilig?

Erinnern Sie sich, wie im Parlament in Tirana letzten November einem Abgeordneten während einer Sitzung mit dem Tod gedroht wurde? Nein? Hab ich mir gedacht...

Hr. Stein
21
14.2.2009, 13:51
Wer macht die Politiks Serbiens???

Nachschauen:
http://tt.com/tt/home/s... =57&fid=21

DG79
24
14.2.2009, 13:08
welche erfahrungswerte kann denn eine 32-jährige weltenbummlerin schon im bezug auf den balkan haben?

bildung ist schön und gut, aber die bringt einem nichts, wenn man nicht die nötige erfahrung mitbringt (grad für den/die balkankonflikt/e ist diese unabwendbar). weiters werfe ich der guten dame einfach mal voreingenommenheit vor oder hat sie während ihrer "arbeit" in pristina auch einnmal belgrad besucht, um das bild abzurunden und beide seiten der medaille zu sehen?

Old Surehand
00
Und wenn man nicht mehr weiter weiss,

hilft ein schneller Rueckgriff auf das Alter, das Geschlecht, und - wenn gar nix mehr geht oder die Erregung zu gross ist - der Griff zur Voreingenommenheits-Keule...

Wie sangen doch die guten Led Zep - "the song remains the same". Im Osten nix neues: antiserbische Verschwoerung immer und ueberall.

;-)

Yossarian
12
14.2.2009, 12:46
Rechtsstaatlichkeit im Kosovo kann es nur geben

wenn die illegale und völkerrechtswidrige Unabhängigkeitserklärung widerrufen wird, die 22 EU-Staaten sich wieder auf die Basis des Völkerrechts, der Helsinki-Schlussakte, UNO-Resolution und die Ergebnisse der Badinter-Kommission zurückkehren.

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