Auf tödliche Weise mit Tieren verbunden

13. Februar 2009, 19:26
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Human- und Veterinärmediziner schätzen die Erfolge im Kampf gegen Infektionskrankheiten ein und fragen nach den Wegen, die noch zu gehen sind - Eine Tagung in Wien soll Klärung bringen

Wien - Wir leben in einer Welt. Das ist aus der Sicht der Internationalen Gesellschaft für ansteckende Krankheiten (ISID) ebenso sehr Ideal wie Problem und Herausforderung.Bis zum kommenden Montag läuft die von ihr veranstaltete Tagung im Wiener Hilton über das (Wieder-)Auftauchen von Infektionen und ihre Kontrolle. Mehr als 700 Wissenschafter treffen sich unter einem bezeichnenden Motto: "One Medicine". Egal ob Human- oder Veterinärmediziner, Biologen oder Umweltwissenschafter, es geht ihnen um die Untersuchung aller Faktoren, die zu Infektionen beitragen; insbesondere um Zoonosen, das heißt zwischen Mensch und Tier übertragbare Krankheiten.

Da aber bedeutet die eine Welt, dass die Ursachen zahlreicher und die Geschwindigkeit der Ausbreitung höher geworden sind. "Die Menschen reisen mehr", sagt Nina Marano vom US-Zentrum für Krankheitskontrolle, "sie essen internationaler, sie kommen mit immer mehr exotischen Dingen in Berührung."

Herkömmliche Kontrollen werden wirkungslos, sekundiert Timothy Brewer aus Kanada, Programmberater der Tagung, "wenn man etwa bedenkt, dass in der Zeit, als Sars ausbrach, 100.000 Passagiere den Hongkonger Flughafen frequentierten - pro Tag!"

Kronzeuge Sars

Das Atemwegssyndrom Sars ist eine Art Kronzeuge der Wissenschafter: zum einen für die globalen Auswirkungen einer durch Tiere übertragenen Ansteckung - es seien zwar relativ wenige Menschen gestorben, aber den wirtschaftliche Schaden beziffert William Karesh von der Wildlife Conservation Society mit 50 Milliarden Dollar.

Zum anderen hat gerade der Sars-Ausbruch gezeigt, was Solidarität unter Ländern und unter Wissenschaftern bewirkt: Innerhalb eines halben Jahres wurde in Kooperation mit der WHO und zahllosen Labors ein Impfstoff entwickelt; "eine phänomenale Leistung", sind sich die Tagungsleiter einig.

Für sie haben die letzten Jahre, insbesondere die Erfahrungen mit Sars, der Vogelgrippe, und dem Ebola-Virus, gezeigt, dass Aufklärung, Kontrolle und Bekämpfung der Krankheiten besser funktionieren als früher.

Doch das Wiederauftauchen schon besiegt geglaubter Viren zeigt auch, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Natur grundsätzlich zu untersuchen ist: Wir trennen uns einerseits immer mehr von der Tierwelt, durch Plastikverpackung, durch Hygiene insgesamt, sogar durch die Sprache - "ein Steak ist etwas anderes als ein totes Tier", sagt Marano -, sind andererseits auf unerwartete, eben auch tödliche Weise mit ihr neu verbunden.

Zu fragen ist laut Karesh, ob die hunderte Millionen Dollar teuren gelagerten Medikamente mit Ablaufdatum nicht besser durch weltweite Trainings und Laborausstattungen ersetzt werden sollten.

Brewer erhofft sich von der Tagung noch bessere Dialoge auf zwei Ebenen: zwischen Human- und Tiermedizinern; und zwischen Wissenschaftern und Gesundheitspolitikern, damit die einen besser die Sachzwänge der Politik verstehen lernen, die anderen die Schwierigkeiten, wie auf Bestellung neuen Gefahren mit der Entwicklung neuer Mittel zu begegnen. Wir werden weiter berichten. (Michael Freund, DER STANDARD, Pritnausgabe, 14./15.2.2009)

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    Kenne deine Feinde: Die Behörden von Singapur zeigen Modelle des Sars-Virus H5N1 als Teil einer Aufklärungskampagne.

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