"Habe den Beruf nie als Heiligtum gesehen"

13. Februar 2009, 19:14
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In "Die Bauernprinzessin" strahlt eine einsame Perle - dafür sehr hell: Erni Mangold versöhnt im schlichten Drama als komische Alte - Im STANDARD-Interview sprach sie über einsame Bauern, lange Drehtage und gewaltige Räusche

STANDARD: Bei der "Bauernprinzessin" schwingen Sie sich mit Leichtigkeit in die Huckepack-Lage. Woher kommt die Geschmeidigkeit? Yoga?

Mangold: Ich turne in der Woche zwei Stunden, weil ich will, dass mein Körper geschmeidig ist. Yoga brauche ich nicht, weil ich im Waldviertel meine Entspannung habe und mich sehr zu Hause fühle. Ich glaube aber auch, dass ich ein gutes Naturell habe. Ich bin keine Depri-Tante. Natürlich kenne ich Depressionen, aber die gehen nach drei Tagen vorbei. Und ich habe den Beruf nie als Heiligtum gesehen.

STANDARD: Das erhält offenbar auch die Haut frisch? Was tun Sie dafür?

Mangold: Nichts. Ich schminke mich nicht. Seit zwanzig Jahren bin ich nicht geschminkt. Auch nicht vor der Kamera. Kein Puder. Manchmal musste ich streiten. Die Regisseure haben das akzeptiert. Die Maskenbildner waren beleidigt.

STANDARD: Was ist beim Fernsehen anders als früher?

Mangold: Heute ist es so: Alle sind sehr freundlich, aber du musst viel leisten. Deshalb bin ich als alte Frau gefragt, weil ich zieh' mich selber an und hab' keine Schwierigkeiten beim Gehen. Bei "Anonyma" von Max Färberböck hatten wir 14-Stunden-Drehtage. Grauenhaft! Ich war sehr froh, als das vorbei war.

STANDARD: Wonach wählen Sie mittlerweile Ihre Rollen?

Mangold: Nach dem Drehbuch.

STANDARD: Und das war bei der "Bauerprinzessin" verlockend genug?

Mangold: Nein. Die Regisseurin Susanne Zanke hat mich immer wollen, die Produzenten zuerst nicht. Aber die Frauen, die sie wollten, haben abgelehnt. So albern: Sie sagten, ohne Zähne spielen sie nicht. Ich habe mit meinen eigenen Zähnen gespielt, weil ich wusste, wie man das Zahnlose spielt. Deshalb wollte ich die Rolle.

STANDARD: Früher war in der Szene viel Alkohol im Spiel. Immer noch?

Mangold: Immer noch. Wenn jemand unglücklich ist oder dem verfallen ist. Ich habe auch sehr, sehr, sehr viel getrunken in meiner Jugend und habe eigentlich ein Glück, weil ich nie davon abhängig wurde. Ich trinke heute noch täglich meinen Rotwein, weil ich Genussmensch bin. Ich habe ja Gewalträusche gehabt, nicht gewusst, wo ich lieg', ganz furchtbar. Ich musste nach dem Krieg meine Jugend nachholen.

STANDARD:  Unter anderem mit Romy Schneider in "Die Halbzarte". Jetzt spielen Sie ihre Großmutter.

Mangold: Romy Schneider habe ich 1958 kennengelernt. Sie sagte zu mir: "Erna, ich bin ein altes Kind, aber ich werde es noch allen zeigen." Am fürchterlichsten war die Abhängigkeit von ihrer Mutter. Eine schreckliche Person. Ich glaube, wenn ich das Kind gewesen wäre: Ich hätte diese Frau umgebracht. Sie hat tausend Mütter gespielt: "Nein, Romy, nein, das kannst du doch nicht machen! Romy, komm hierher, Romy, komm daher." Die war grausig. Ich habe aber auch nicht gewusst, dass beide Großeltern so Batzen Nazi waren.

STANDARD: Die "Bauernprinzessin" thematisiert Partnersuche am Land. Was beobachten Sie in Ihrer Heimat, im Waldviertel?

Mangold: Die einsamen Bauern, die keine Frau finden, jedenfalls nicht. Vielleicht ist es in Zwettl so, vielleicht ist es in Gmünd so.

STANDARD: Vielleicht ist es auch nur im Fernsehen so?

Mangold: Ich glaube, dass es hochgespielt ist. Die jungen Männer haben alle Frauen und ihre Wirtschaft. Viele sind Pendler und haben Zweitberufe. Aber sie jammern nicht. Wenn ich ins Wirtshaus gehe, wird wenig über Geld gesprochen. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.2.2009)

Zur Person
Als Großmutter Burgi mit herbem Charme unterhält die Schauspielerin Erni Mangold (82) in "Die Bauernprinzessin" kommenden Mittwoch im ORF bereits zum dritten Mal.

  • Mit Huckepack zur Spitzenquote: Erni Mangold und "Bauernprinzessin"-Bräutigam Roman Knizka.
    foto:orf/sk film/christian schneider

    Mit Huckepack zur Spitzenquote: Erni Mangold und "Bauernprinzessin"-Bräutigam Roman Knizka.

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