Diskutieren mit HC Strache

13. Februar 2009, 18:56
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Über die Frage, ob es sich für Journalisten lohnt, mit der Rechten zu diskutieren und wer dabei warum schlecht wegkommt - Anmerkungen zur vergangenen Pressestunde mit dem FPÖ-Chef

Mit Leuten wie Strache könne man nicht diskutieren, schreibt Hans Rauscher in seiner Kolumne (10. 2. ) und nimmt dabei unter anderem auf die Pressestunde vom vergangenen Sonntag Bezug. Dort saß der FPÖ-Chef zwei Journalisten gegenüber, die tatsächlich große Mühe hatten, bei dem Gespräch gut wegzukommen. Strache hatte die Zügel fest in der Hand. Das lag aber weniger an ihm als vielmehr an den beiden Journalisten, die ihn befragen sollten.

Die beiden machten genau jenen Fehler, den sie und ihre Kolleginnen und Kollegen so erstaunlich oft und immer wieder machen: Sie glauben, sie können mit Politikern so diskutieren wie sie ihre Beiträge verfassen, nämlich oft auf Mutmaßungen beruhend, vielfach substanzlos und praktisch immer unpräzise. Und dann sind sie ganz baff, dass sie nicht wie sonst ungestört monologisieren können, sondern dass ihnen da jemand gegenübersitzt, der zurückredet und ihre Schwächen aufdeckt.

Strache hat das in der Pressestunde (nicht zum ersten Mal) erfolgreich getan - und das ist auch gut so. Mitleid mit schlecht vorbereiteten, selbstherrlich auftretenden Medienmenschen ist keineswegs angebracht. Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich wie wenig bewusst vielen Journalisten in Österreich jenes Grundprinzip ist, das der "ZiB" -Moderator Armin Wolf immer wieder vorzelebriert und das da lautet: Sei neugierig! Stelle nicht Fragen, deren Antworten du sowieso schon kennst!

Die meisten Journalisten machen, insbesondere wenn sie die Rechte interviewen, genau das Gegenteil. Sie sind nicht neugierig, sondern versuchen den Interviewpartner in ein Eck zu drängen, ihn im strengen Ton über das auszufragen, was sowieso schon alle wissen. Sie versuchen nicht zu ergründen, sondern zu skandalisieren. Und das obwohl bereits seit den Anfängen von Jörg Haider, somit seit über zwei Jahrzehnten(!), klar ist, dass diese Strategie nach hinten losgeht.

Die Tatsache, dass zur FPÖ immer schon ein mal stärkeres, mal schwächeres Nazi- und Neonazi-Umfeld dazugehört, ist in Österreich bekannt und - jenseits der Linken, die sowieso nie FPÖ wählen würden - ganz offensichtlich nicht skandalisierbar. Das sollte sich doch langsam herumgesprochen haben. Wir befinden uns ohne Zweifel derzeit in einer Phase, in der dieses einschlägige Umfeld der FPÖ erstarkt und Richtung Zentrum der Partei gerückt ist: Aber auch das wissen die Menschen in Österreich. Und diejenigen, die deswegen FPÖ wählen wollen, tun es, und diejenigen, die deswegen nie FPÖ wählen würden, tun es nicht, und diejenigen, die aus anderen Gründen FPÖ wählen, lassen sich ganz offensichtlich nicht davon abschrecken.

Also, liebe Journalistinnen und Journalisten, konzentriert euch lieber auf das, was die FPÖ sagt und tut. Befragt sie kritisch zu den Dingen, für die sie eintritt, die sie verspricht oder mit denen sie droht. Vergeudet nicht zu viel journalistische Energie mit Bestellungen, die Mitarbeiter vor Jahren bei Nazi-Versandhäusern getätigt haben.

Klar, sich auf Inhalte zu konzentrieren ist mühsamer und weniger aufregend als mutmaßliche Naziskandale aufzudecken. Allerdings beschleicht einen auch der Verdacht, dass es möglicherweise einen anderen Grund geben könnte, warum sich Teile der Medien davor drücken, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der FPÖ zu führen. Kann es sein, dass viele der FPÖ-Positionen, etwa jener schrecklichen, dass Sozialleistungen ausschließlich Staatsbürgern vorbehalten sein sollten, inzwischen in der politischen Mitte angekommen sind?

Nach mehr als zwanzig Jahren erfolgreichem Rechtspopulismus in Österreich muss man sich schön langsam die Frage stellen, ob der Journalismus hierzulande überhaupt lernwillig ist. Was man aber jedenfalls nicht tun sollte, ist, die Schuld am Versagen des Journalismus demjenigen zuzuschieben, der dieses Scheitern vorführt. (Alexander Pollak, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

Zur Person: Alexander Pollak ist Sozialwissenschafter in Wien.

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