Ganz intim

13. Februar 2009, 18:47
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Da war schwer mitzuhalten - "Waris Dirie mit Sieben-Monats-Bauch, exklusiv für Madonna. Exklusiv: Waris Diries Auferstehung ..."

Da war schwer mitzuhalten. Waris Dirie mit Sieben-Monats-Bauch, exklusiv für Madonna. Exklusiv: Waris Diries Auferstehung. Das Interview und ihre intimen Fotos. Die neue Wüstenblume. Wunderschön schwanger: Waris Dirie zeigt in Madonna Babybauch. Das waren - neben einer Abbildung der, von einem Turban abgesehen, nackten Ware - die Anpreisungen allein auf dem Umschlag von "Madonna". Die Fellners wissen eben, dass sie ihren Lesern ihre Exklusivitäten möglichst oft anpreisen müssen, damit die auf den Gedanken kommen, es handle sich um etwas Besonderes. Noch besser: vorkauen. Daher wurde schon am Tag vor dem Erscheinen von "Madonna" im "Österreich"-Magazin "Life & Style" ausgerufen, was Samstag exklusiv in Madonna zu finden sein würde: Auferstehung der Wüstenblume. Weltexklusiv in Madonna: die schwangere Waris Dirie ganz intim. Und das alles auf acht prachtvollen Madonna-Seiten. Wenn es den Kampf gegen Genitalverstümmelung aufzunehmen gilt, scheuen die Fellners keinen Aufwand.

Wie gesagt, da ist schwer mitzuhalten, nicht jede Schwangerschaft wird so gut verkauft. Aber Design ist fast so förderlich. Seit sich herumspricht, die Swarovskis wollen Fiona in der Firma, ist "Madonna" dem Geheimnis der Swarovskis auf der Spur und enthüllte gnadenlos: So ticken die Top-Frauen der Dynastie. Allen voran tickt der Star, "La Fiona". Der absolute Star der Familie Swarovski entspricht kaum dem Familiencredo "Diskretion und Zurückhaltung", was sich in den einschlägigen Medien zu beiderseitigem Vorteil inzwischen herumgesprochen hat.

Und wie die tickt! "Fiona Pacifico Griffini-Grasser ,Swarovski' heißt eigentlich gar nicht Swarovski. Wiederholt gab es innerhalb der Familie böses Blut, weil Fiona in den Medien immer Swarovski genannt wird. Letztlich war nur ihre Großmutter eine geborene Swarovski. Berichte machten die Runde, einige der Verwandten möchten ihr verbieten, den Namen zu führen. Die solcherart Gescholtene ließ ausrichten, sie könne über ,diese lächerliche Diskussion' nur den Kopf schütteln.

Recht hat sie. Da soll sie dem Ruf der Familie folgen und dann nicht einmal Swarovski genannt werden dürfen, sondern nur banal Pacifico Griffini-Grasser! So nicht! Laut werden kann Fiona Pacifico Griffini Grasser schon mal auf dem Society-Parkett, weiß "Madonna". Wenn es allerdings ums Business geht, handelt die temperamentvolle Weltbürgerin strikt nach der Familien-Maxime: Rede nicht viel darüber, sondern mach dein Ding.

Also redete sie: "Ich werde", so Fiona im Madonna-Gespräch mit Uschi Fellner, "auf Wunsch meines Onkels Gernot ins Unternehmen einsteigen und eng mit Markus Langes-Swarovski zusammenarbeiten." Fiona soll als "Creative Adviser" fortan ihre Erfahrungen einbringen. Gedacht ist zudem an eine Parfumentwicklung unter ihrer Leitung. Meine Familie will, dass ich komme und ich folge dem Ruf", so Fiona, die für das Engagement im Familienkreis ihre eigene Modelinie auf Eis legte.

Entweder die Dame hat das auswendig gelernt, Uschi Fellner arbeitet auch für ein anderes Blatt oder irgendwer hat abgeschrieben. Fünf Tage später sagte sie nämlich: "Ich werde", so Fiona zu NEWS am Rande der Ski-WM, "auf Wunsch meines Onkels Gernot ins Unternehmen einsteigen und mit meinem Cousin Markus Langes-Swarovski zusammenarbeiten. Fiona soll ab Herbst als "Creative Adviser" ihr Know-how einbringen. Gedacht ist an eine Parfumentwicklung unter Fionas Leitung. "Meine Familie will, dass ich komme, und ich folge dem Ruf", so Fiona, die für das Engagement im Familienkreis ihre eigene Modelinie auf Eis legte.

Ein schönes Beispiel für kreatives Zusammenwirken - zwei Magazine, zwei Gespräche, ein Geist. Eigenleistung von "NEWS" war immerhin, das biedere Wort Erfahrung durch das stromlinienförmige Know-how zu ersetzen, sowie eine Wortspende des Cousins: "Ich will dass unsere Produkte zum Anti-Aging für die Seele werden." Bei Hermann Maier dürfte das dem "Creative Adviser" noch nicht ganz gelungen sein. Der hat einen von Fiona entworfenen Skihelm launig als "Salatschüssel" bezeichnet, wie "NEWS" eine Woche zuvor zu berichten wusste. Damit kam er bei der Designerin nicht gut an: "Bis jetzt habe ich ihm immer die Daumen gedrückt. Jetzt suche ich mir eben neue Helden." Wie soll der Herminator noch ein Rennen gewinnen, wenn er seine Seele nicht dem Anti-Aging von Fionas Salatschüssel zu öffnen vermag? Aber vielleicht wäre ja ein Kristallhelm Balsam für seine Seele.(Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.2.2009)

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