Was China gegen die Krise tun kann und tun sollte

13. Februar 2009, 18:35
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Das unmittelbare Problem ist nicht so sehr die Kreditklemme in China, sondern die in den USA und in Europa - Von Kenneth Rogoff

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao die Pläne seiner Regierung, der globalen wirtschaftlichen Kernschmelze mit öffentlichen Ausgaben und Darlehen entgegenzuwirken.

Er garantierte praktisch, dass Chinas jährliches Wachstum 2009 über acht Prozent bleiben würde. Wens Worte waren für das rezessionserstarrte Publikum von globalen Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft wie warmer Balsam. Aber verfügt die chinesische Regierung wirklich über die erforderlichen Instrumente, um ihre Wirtschaft derart widerstandsfähig zu halten? Vielleicht, doch ist das alles andere als offensichtlich. Amerikas sich vertiefende Rezession setzt Chinas Exportsektor zu. Das unmittelbare Problem ist nicht so sehr die Kreditklemme in China, sondern die in den Vereinigten Staaten und Europa, wo viele kleine und mittelgroße Importeure die Handelskredite zum Kauf von Inventar aus dem Ausland nicht bekommen.

Mit ungefähr zwei Billionen Dollar an Devisenreserven haben die Chinesen einiges auf der hohen Kante, um eine massive Erhöhung der staatlichen Ausgaben zu finanzieren und beim Auffangen der Bankendarlehen zu helfen. Tatsächlich ist Chinas Erfolg aber bislang auf die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen der Expansion des staatlichen und des privaten Sektors zurückzuführen. Eine starke Vergrößerung des bereits überdimensionalen Profils des Staates in der Wirtschaft wird dieses delikate Gleichgewicht stören und zu langsamerem Wachstum in der Zukunft führen. Es wäre besser für China, eine Möglichkeit zu finden, die private US-Konsumnachfrage durch die chinesische zu ersetzen, doch scheint das System außerstande zu sein, sich schnell in diese Richtung zu bewegen. Wenn staatliche Investitionen das Hauptvehikel sein müssen, dann wäre es viel besser, dringend benötigte Schulen und Krankenhäuser zu bauen. Unglücklicherweise müssen Chinas lokale Beamte im "Wachstumsturnier" glänzen, um befördert zu werden. Schulen und Krankenhäuser bringen einfach nicht die Art von schnellen Steuereinnahmen und BIP-Wachstum, die notwendig sind, um die politischen Rivalen zu übertreffen.

Selbst vor dem Beginn der globalen Rezession gab es gewichtige Gründe, um an der Tragfähigkeit des chinesischen Wachstumsparadigmas zu zweifeln. Die Umweltschäden sind selbst für oberflächliche Beobachter offensichtlich. Zudem haben Ökonomen angefangen zu berechnen, dass auf China, wenn es seine gewaltige Wachstumsrate beibehält, bald ein viel zu großer Anteil der Weltwirtschaft entfallen würde, um seine Exportkurve der letzten Zeit aufrechtzuerhalten. Daher war eine Verlagerung auf mehr Konsum im Inland ohnehin unausweichlich. Die globale Rezession hat dieses Problem lediglich ein paar Jahre nach vorne gezogen. (© Project Syndicate, 2009. Aus dem Englischen von Anke Püttmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.2.2009)

Zur Person

Kenneth Rogoff ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

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