Ideenlabor der Moderne

13. Februar 2009, 18:08
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Neuheiten beim von Beat Furrer und Ernst Kovacic entwickelten Festival in Graz

Graz - Die steirische Landeshauptstadt wird in Sachen musikalischer Moderne auch jenseits des Musikprotokolls kräftig aufmunitioniert: Beat Furrer, zu internationalem Ansehen gelangter Paradekomponist, der an der Grazer Kunstuniversität eine Kompositionsklasse leitet, und der Geiger Ernst Kovacic haben Impuls kreiert - eine Veranstaltungsreihe neuen Stils.

Da wäre zunächst die Konzertschiene: Enno Poppe leitet das Klangforum Wien bei einem Abend der Uraufführungen (14. 2. 19.30 Uhr), außerdem gibt es eine Videopräsentation von Vladimir Tarnopolskis multimedialer Oper Jenseits der Schatten (15. 2. im Florentinersaal des Palais Meran). Zusammen mit dem Abend im Minoritensaal (Werke von Asperghis, Berio, Lachenmann, Klaus Lang und eine Uraufführung von Furrer, 16. 2.) und mit Konzerten in Grazer Galerien (am 21. 2. zwischen 10 und 17 Uhr) erfüllt diese Impuls-Serie durchaus die Bedingungen für ein exklusives Musikfestival.

Kompositionswettbewerb

Doch Furrer und Kovacic haben auch intensivere und auf den ersten Blick weniger spektakuläre, dafür aber nachhaltigere Intentionen: Sie wollen Komponisten und Instrumentalisten einander annähern. Für einen alle zwei Jahre ausgeschriebenen internationalen Kompositionswettbewerb, zu dem es heuer an die 120 Einreichungen gibt, werden nicht abgeschlossene Werke verlangt, sondern Skizzen oder Treatments; die aussichtsreichsten werden von einer Jury gewählt.

Gemeinsam mit eigens ausgesuchten Solisten und Ensembles sollen die Produktionen in einem Work in Progress ausgearbeitet werden. Die Werke des Eröffnungskonzertes wurden genau so entwickelt: Es sind Kompositionen des Italo-Schweizers Oscar Bianchi, der griechischen Komponistin Marianthi Papalexandri-Alexandri sowie des Spaniers Hèctor Parra und des Italieners Simone Movio. Außerdem gibt während der Impuls-Tage von 18 Dozenten ein intensives und hochkarätiges Studienangebot.

Pädagogische Inputs

Zu ihnen zählen neben den beiden Initiatoren sowie Solisten des Klangforum Wien auch die Grazer Komponistin Olga Neuwirth, der vormalige steirische-herbst-Intendant Peter Oswald und der russische Avantgardekomponist Vladimir Tarnopolski. Dieses Angebot nehmen 96 Teilnehmer in Anspruch. Da aber im Wissenschaftsministerium kein Hahn nach diesen pädagogischen Inputs kräht, sind die Impuls-Macher auf andere Ressourcen angewiesen.

Das Land Steiermark berappt immerhin 80.000, die Stadt Graz, wenn's gut geht, 33.000 und das Kunstministerium doch auch 25.000 Euro. Die restlichen beiden Drittel des Budgets, das mit dem Idealismus der Dozenten kalkuliert, muss durch private Sponsoren und Sachspenden aufgebracht werden. (Peter Vujica, DER STANDARD/Printausgabe, 14./15.02.2009)

Bis 25. 2.

 

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