Überraschungsmomente

13. Februar 2009, 18:36
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Viele Katholiken würden sich über überraschend deutliche Worte von Schönborn und seinen Kollegen freuen - von Markus Rohrhofer

Die katholische Kirche ist stets für Überraschungen gut. Das hat sie in den vergangenen Wochen wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zuerst zaubert man Gerhard Maria Wagner aus dem Hut. Und mit ihm seine ganz persönliche Meinung zu Naturkatastrophen und Homosexualität. Bischof Elmar Fischer konnte da noch nachlegen: Homosexualität sei eine "psychische Krankheit wie Alkoholismus". Damit hat man nur die Angesprochenen vor den Kopf gestoßen.

Überraschend war auch der jüngste Schritt, überraschend positiv: Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat mit der raschen Einberufung einer Sondersitzung der Bischofskonferenz reagiert. Und damit ein deutliches Signal gesetzt: einerseits in Richtung der vielen Kritiker, die der Kirche angesichts der aktuellen Krise ein Aussitzen selbiger unterstellten. Andererseits in Richtung der zahlreichen Katholiken, die derzeit in ernster Sorge um ihre Kirche sind. Probleme zu erkennen und diejenigen, die darunter leiden, ernst zu nehmen, ist ein erster Schritt in Richtung Deeskalation.

Und es nährt die Hoffnung auf einen generellen Umdenkprozess; nicht zuerst die Schäfchen mahnen, nicht von kritischen Dechanten Gehorsam und Loyalität einfordern, sondern sich an die eigene Bischofsmütze fassen und zu fragen: Was können wir als zuständige Ortsbischöfe tun? Viele Katholiken würden sich über überraschend deutliche Worte von Schönborn und seinen Kollegen freuen. Und dann müssten den schönen Worten noch konkrete Taten folgen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

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