Weitere Prüfung von vier Jahren ÖOC

13. Februar 2009, 17:46
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Vorstand erfüllt Forderung von Sportminister Darabos - 73-jähriger Wallner einstimmig wieder gewählt

Wien - Es wird weiter gewickelt. Die ÖOC-Vorstandskür am Freitag, zu der Leo Wallner (73), seit 1990 Präsident, mit wenig verändertem 13-Personen-Team antrat und die ihm eine einstimmige Wiederwahl für vier Jahre bescherte, ändert nichts daran. Im Gegenteil.

Bei der Vorstandssitzung, die der Hauptversammlung im Haus des Sports in Wien-Wieden vorausgegangen war, drehte Norbert Darabos (SPÖ) so richtig auf. Der Sportminister war schon als Verteidigungsminister in den Vorstand kooptiert worden, schließlich nährt das Bundesheer mehr als die Hälfte aller heimischen Olympiasportler. Darabos drohte, seine Mitgliedschaft ruhend zu stellen, verlangte eine weitere, "wirklich externe" Wirtschaftsprüfung. Der Vorstand kam noch vor Wallners Wahl dieser Forderung nach. Untersucht wird das Finanzgebahren des ÖOC und der Salzburger Olympiabewerbung 2014 in den vergangenen vier Jahren. Binnen vier Wochen soll's Resultate geben.

Wallner führt ins Treffen, er habe bereits eine unabhängige Wirtschaftsprüfung in Auftrag gegeben. Deren Bericht ist auch abgeschlossen, stellt Darabos aber nicht zufrieden. "Erstens darf es nicht sein, dass der, der geprüft wird, selbst bestimmt, wer ihn prüft. Zweitens wirft der Bericht mehr Fragen auf, als er Antworten liefert." Auch dem Standard liegt der Bericht der Royal Wirtschaftsprüfung & Steuerberatung GmbH vor, der de facto einiges offenlässt.

Dem Prüfer wurde "ein Umlaufbeschluss in Form eines nichtgezeichneten, nicht datierten Aktenvermerks vorgelegt". Demnach hätten Wallner, ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth und ÖOC-Kassier Gottfried Forsthuber beschlossen, 300.000 Euro auf Wunsch der Salzburger Winterspiele 2014 GmbH über den Olympia-Förderverein an Sponsor Audi weiterzuleiten. Audi wiederum hat der Winterspiele GmbH laut Wallner 500.000 Euro überwiesen.

Des weiteren berichtet der Prüfer davon, dass der Olympia-Förderverein "Geld ohne Zweckwidmung gemeinsam mit anderen Mitteln" ausgab, "insbesondere für die Bezahlung von Konsulenten zur Promotion der Kandidatur". In diesem Zusammenhang sei auf einen Kurier-Bericht verwiesen, demzufolge Heinz Prüller vom ÖOC rund 50.000 Euro an Honorar für Tätigkeiten als "Medienbotschafter der Salzburger Olympia-Bewerbung 2014" eingemahnt hat.

Zur Qualität jenes Lichts, in dem Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller stehen, die gemeinsam mit Staatssekretär Reinhold Lopatka im Aufsichtsrat der Salzburger Winterspiele GmbH saßen, sagt Darabos nichts. Da wartet er lieber die wirklich externe Prüfung ab. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 14.02.2009)

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    Leo Wallner wurde in seinem Amt bestätigt.

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