"Bonusbank-Modelle" werden kommen

13. Februar 2009, 17:49
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Sebastian Karwautz vom Mercer im STANDARD-Interview über Gehaltsobergrenzen und Trends bei der Vergütung von Managern

Warum Gehaltsobergrenzen problematisch werden könnten und welche Trends sich in der Vergütung von Top-Managern abzeichnen, darüber sprach Sebastian Karwautz mit Heidi Aichinger.

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STANDARD: Welche Veränderung sehen Sie bei der Vergütung im Top-Management?

Karwautz: Bis jetzt wurden Boni vor allem nach finanziellen Zielgrößen wie zum Beispiel Ergebniszahlen ausgeschüttet. Kenngrößen wie "Risiko" wurden vernachlässigt. Eine andere Veränderung ist, dass die Bonifikationen ungeachtet der Folgeentwicklungen meist auf jährlicher Basis und teilweise nicht begrenzt ausgeschüttet wurden. Künftig werden verstärkt "Bonusbank-Modelle" ein langfristiges Denken und Handeln sicherstellen. Wie etwa eine Ausschüttung von 50 Prozent im ersten Jahr und in den Folgejahren je 25 Prozent.

Es ist zu beobachten, dass Kennzahlen künftig kombiniert werden - wie etwa die Verknüpfung von Ergebnis- mit Risikoparametern, die gegebenenfalls eine Hebelwirkung haben. Mit einer Koppelung von Kriterien ist man auch auf der sicheren Seite.

STANDARD: Halten Sie Gehaltsobergrenzen für sinnvoll?

Karwautz: Dort, wo der Staat hineininvestiert, machen sie Sinn. Und jene, die vom Staat unabhängig sind, sollten diese Freiheit auch behalten. Die Gefahr sehe ich darin, dass es mit einer Obergrenze schwierig werden wird, gute Köpfe zu halten oder zu bekommen. Das wäre ein Wettbewerbsnachteil. Wenn eine EU-weite Verordnung kommen würde, wäre die Einführung von Gehaltsobergrenzen auch für Österreich leichter.

STANDARD: Sind Sie für eine Offenlegung der Gehälter?

Karwautz: Die Transparenz bei den Gehältern ist in Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern viel schwächer. Noch war der Druck seitens der Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden oft zu gering, um manche Defizite und Bestandteile zu erklären. Eine Offenlegung im Sinne einer Corporate Governance wie in anderen Ländern der EU sollte es auch in Österreich geben. Und es gibt ja Unternehmen, die das auch tun.

STANDARD: Laut "Mercer Global Compensation Planning Report 2009" stiegen die Gehälter von 2008 auf 2009 um 3,5 Prozent. Prognostiziert waren 4,1 Prozent. Sind Gehaltserhöhungen zurzeit ein Thema?

Karwautz: Viele sagen, dass sie in diesem Jahr keine Gehaltserhöhungen geben werden. Das ist natürlich für jene Mitarbeitergruppen, die nicht bonusberechtigt sind, ein Thema. Einige Unternehmen verschieben eine Prüfung der Gehaltserhöhungen auf den Sommer. Bei einer positiven Entwicklung wird dann rückwirkend gezahlt; andere warten ein Jahr ab. (DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.2.2009)

Zur Person:

Sebastian Karwautz (30) ist bei Mercer (Austria)GmbH für den Bereich Information, Product and Solutions (DACH) verantwortlich.

  • Sebastian Karwautz.
    foto: mercer

    Sebastian Karwautz.

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