Europa: Versicherer und Versorger schwach

13. Februar 2009, 15:19
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Bis jetzt haben fast ein Drittel der Unternehmen im Euro Stoxx berichtet. Das Gesamtergebnis fällt ernüchternd aus. Der Gesamtgewinn ging um 31% zurück. Der Umsatz fiel viel leicht (-1%). Der Stoxx 600 beendete die vergangene Woche in den roten Zahlen (-2%). Am stärksten unter die Räder kamen die Versorger (-6%) und die Versicherer (-5%). Die Autohersteller (+2%) und der  Immobiliensektor (+2%) konnten leicht zulegen. Eine Steigerung gab es auch beim Baltic Dry Index. Der Aufwärtstrend scheint sich aber zu verlangsamen.

Der Sentix-Konjunkturindex für den Euroraum hat im Februar wieder nachgegeben, nachdem im Januar nach sechs Rückgängen in Folge erstmals ein Anstieg verzeichnet worden war. Wie schon beim Ifo entwickelten sich die Subindizes gegenläufig. Der Wert für die Lageeinschätzung brach nochmals dramatisch ein, während die Erwartungskomponente Zähler zulegte und damit den höchsten Stand seit Juni 2008 erreichte.

Verheerend waren die Autoverkäufe in der EU im Jänner. Ein Minus von 27% zum Vorjahr steht zu Buche. Hart traf es Renault, BMW, die GM Group, Toyota und Daimler mit Rückgängen von über 30%. Mit den massivsten Einbrüchen haben Land Rover (-50%) und Mitsubishi (-42%) zu kämpfen. Alfa Romeo (-2%), Audi (-6%) und Smart (-11%) waren die Automarken mit den geringsten Rückgängen. Die einzige Marke die einen Zuwachs verzeichnete war Jaguar (+19%). Alle großen europäischen Märkte waren im Minus. Autoverkäufer in Deutschland (-14%) und Frankreich (-8%) kamen noch besser weg als ihre Kollegen in Italien (-33%) und Großbritannien (-31%).

Peugeot mit Verlust 2008 - Staatshilfe

Renault hat für 2008 schon einen deutlich stärkeren Gewinnrückgang als erwartet hinnehmen müssen und geht für 2009 von einer weiteren Verschlechterung der Marktbedingungen aus. Der Gewinn brach auf EUR 571 Mio. (-77%) ein, und beim Umsatz gab es auf vergleichbarer Basis einen Rückgang auf EUR 37,8 Mrd. (-7%) was ebenfalls unter den Erwartungen lag. Aufgrund des Einbruchs hat sich Renault einen Sparkurs verordnet: Eine Dividende für 2008 soll nicht gezahlt werden und die Investitionen im laufenden Jahr werden um mindestens 20% zurückgefahren. Noch schlechter lief es für Konkurrent Peugeot. Der Autobauer ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen meldete einen Verlust von EUR 343 Mio. Euro bei einem Umsatz von EUR 54 Mrd. (-11%). Beide Autobauer haben in dieser Woche EUR 3 Mrd. zinsgünstiger Kredite vom Staat erhalten. Die EU will klären, ob die Hilfen an protektionistische Bedingungen gebunden sind und damit gegen EU-Recht verstoßen.

Auch In der Luftfahrtbranche schwindet die Nachfrage in bislang unbekanntem Tempo und signalisiert damit, dass die Branche den Boden der Krise längst noch nicht erreicht hat. Selbst bei den großen Fluglinien breitet sich langsam Unruhe aus. Die Zahl der Fluggäste am Frankfurter Flughafen sank im Januar um 10,4%, die beförderte Frachtmenge brach sogar um 23,6% ein. Unter dem Strich ist das der stärkste Rückgang in einem Monat in der Geschichte des Flughafens. Air France verbuchte im letzten Quartal bei konstantem Umsatz einen Verlust von EUR 505 Mio. Lufthansa hat für den Januar einen Rückgang im Passagiergeschäft von 4,3% berichtet. Die Cargo-Tochter musste einen Einbruch von 23,2% verkraften.

Die eingetrübten Wachstumsaussichten in den USA und Südeuropa zwingen E.ON zu milliardenschweren Abschreibungen, die 2008 zu einem Rückgang des Konzerngewinns geführt haben. Die Aktie gab diese Woche 10,5% nach. Auch EDF hat im vergangenen Jahr mit EUR 3,4 Mrd. um 39,5% weniger verdient als 2007 und lag damit unter den Erwartungen. Der Umsatz des weltweit größten Betreibers von Atomkraftwerken kletterte um 7,8% auf EUR 64,28 Mrd. und lag damit über den Schätzungen. EDF kündigte an, sich von Beteiligungen in einem Wert von EUR 5 Mrd. trennen zu wollen. Besser lief es wie erwartet bei der Windstromtochter EDF Energies Nouvelles. Der Umsatz konnte 2008 um rund 80 % auf EUR 1,0 Mrd. verbessern. Der Gewinn stieg auf EUR 70 Mio. (+37%).

Weitere positive Nachrichten kommen aus dem Windsektor von Vestas. 2008 stieg der Umsatz auf knapp über EUR 6 Mrd. (+22%) und der Gewinn auf EUR 511 Mio. (+75%). Die operative Marge ist 2008 im Vergleich zum Vorjahr von 9,1% auf 11,8 % gestiegen. Wegen eines sich verschärfenden Wettbewerbs durch neue Marktteilnehmer aus China und der Finanzkrise ist der Auftragseingang gegenüber 2007 aber nur um 406 MW auf 6.109 MW gesteigert worden. Für 2009 erwartet Vestas einen Umsatzanstieg auf rund EUR 7,2 Mrd.

Arcelor-Mittal verbucht operativen Gewinn

Belastet von Abschreibungen auf Vorräte ist Arcelor-Mittal im abgelaufenen Quartal in die Verlustzone gerutscht. Der Fehlbetrag belief sich auf USD 2,6 Mrd. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von EUR 2,4 Mrd. Dollar in den Büchern. Die Wertberichtigungen summierten sich auf USD 4,4 Mrd. Weitere Abschreibungen erwartet der Konzern in diesem Jahr nicht mehr, und die Stahlpreise hätten ihren Boden gefunden, in China gebe es sogar eine leichte Erholung. Dank der massiv gedrosselten Produktion blieb der Konzern operativ noch im grünen Bereich.

Barclays hat das vergangene Jahr vergleichsweise glimpflich überstanden und sich deutlich in den schwarzen Zahlen gehalten. Der Gewinn belief sich auf GBP 4,4 Mrd (-1%) bei einem Erlös von GBP 28,7 Mrd. (+8%). UBS hat die Finanzwelt hingegen mit einem Rekordverlust geschockt. Im vergangenen Jahr machte die Bank knapp CHF 20 Mrd. Verlust. Ende 2008 verwaltete der größte Vermögensverwalter der Welt nur noch CHF 2.174 Mrd. (-18%). Im vierten Quartal machte die UBS CHF 8,1 Mrd. Verlust. Unerwartet hoch auch der Quartalsverlust bei der Credit Suisse mit CHF 6 Mrd.

Sanofi-Aventis hat im vierten Quartal 2008 des Nettoergebnis auf 1,6 Mrd EUR (+14%) erhöht und umfassende Restrukturierungen angekündigt. Der Nettoumsatz stieg dank der Stärke des US-Dollars um 2,6% auf EUR 7,1 Mrd.

Nächste Woche geht die Bercihtsaison unter anderem mit Daimler, Air Liquide, Commerzbank, Societe Generale, BNP Paribas und Lafarge weiter. Beim ZEW Index hoffen wir, dass sich die Erwartungskomponente den vierten Monat in Folge verbessert.

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