7.500 Zehnjährigen droht Abweisung an der Wunschschule

13. Februar 2009, 15:16
7 Postings

Tumpel will mehr Standorte für die "Neue Mittelschule" - In Wien starten Anmeldungen für AHS und Neue Mittelschule

Wien - Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer (AK) findet jede siebente Familie mit einem zehnjährigen Kind keinen Schulplatz in einem Gymnasium in Wohnnähe. In absoluten Zahlen ergibt das gut 7.500 Familien, die ihr Kind bereits mit zehn Jahren auf einen langen Schulweg oder ins Internat schicken müssen, kritisiert AK-Präsident Herbert Tumpel am Freitag in einer Aussendung. In Wien startet am Montag die offizielle Aufnahmewoche an den AHS und "Neuen Mittelschulen".

Zusätzliche Standorte?

"Sind Sie persönlich oder jemand aus Ihrer Familie von fehlenden Gymnasiumsplätzen in der Wohnumgebung betroffen?" Diese Frage des Meinungsforschungsinstituts Sora beantworteten 15 Prozent der Eltern mit zehn- bis 15-jährigen Kindern im Frühsommer 2008 mit Ja. Für Tumpel zeigt das, "wie dringend wir in Österreich Schul- und Ausbildungsplätze brauchen, die allen die gewünschten Möglichkeiten bringen". Kurzfristig schlägt der AK-Präsident zusätzliche Standorte für den Schulversuch "Neue Mittelschule" vor. Mittelfristig will Tumpel umfassende Reformen: "Eltern und Kinder sollen nicht schon nach vier Jahren Volksschule zwischen verschiedenen Schultypen wählen müssen."

In Wien beginnt am Montag die offizielle Aufnahmewoche an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS). Zeitgleich können Schüler auch an jenen sechs AHS und 14 Hauptschul- Standorten angemeldet werden, die ab Herbst erstmals als Schulversuch "Wiener Mittelschule" geführt werden. Die Aufnahmegespräche finden bis 20. Februar statt, jeweils von 8.00 bis 12.00 Uhr, am 17. und 19. Februar zusätzlich auch von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Aufnahmegespräche

An manchen Schulen, die mit besonders großem Andrang rechnen, wurde bereits am 9. Februar begonnen - etwa am Gymnasium Kandlgasse in Wien-Neubau, das am Schulversuch "Neue Mittelschule" teilnimmt. Dort haben sich mehr als 200 Eltern für ein Aufnahmegespräch angemeldet, in den vergangenen Jahren gab es je zwischen 65 und 80 Erstklässler. Ähnlich groß soll der Andrang auch an den Mittelschul-Klassen der AHS Theodor Kramer-Straße in Wien-Donaustadt sein. Aus dem Wiener Stadtschulrat heißt es, man wolle jedem Kind, das in eine Wiener Mittelschule gehen will, einen Platz in diesem Schultyp vermitteln - im Idealfall an jenem Standort, wo es sich beworben hat.

Im Wiener Stadtschulrat zeigte man sich "vorsichtig optimistisch", was die diesjährige Situation bei der Schulwahl anbelangt. Es gebe zwar noch keine Erfahrungswerte, man erhofft sich aber durch den Start der "Neuen Mittelschule" in Wien eine Entlastung im AHS-Bereich, wo es in den vergangenen Jahren in Stadterweiterungsgebieten immer wieder zu Abweisungen in der Wunsch-AHS gekommen war. Außerdem sollen neue Schulbauten in diesen Gebieten die Situation verbessern, hieß es.

Noten spielen eine Rolle

Die Reihenfolge der Anmeldung ist weder an AHS, noch an Wiener Mittelschulen ein Kriterium für die Aufnahme. Melden sich mehr Kinder an als die Schule aufnehmen kann, werden sie nach den Kriterien der "Aufnahmsverfahrensverordnung" gereiht: Demnach werden Kinder, die schon Geschwister an der Schule haben bzw. in der Nähe wohnen, bevorzugt behandelt. Bis Ende März sollten die Eltern über die vorläufige Schulplatzzuweisung informiert werden.

An AHS spielen zusätzlich die Noten des Halbjahreszeugnisses eine Rolle. Wer in Deutsch oder Mathematik mit einer schlechteren Note als "Gut" beurteilt wurde, darf laut Verordnung des Unterrichtsministeriums an einer AHS keine vorläufige Schulplatzzuweisung bekommen. Erst in einem zweiten Durchgang können Schüler ohne AHS-Reife an einem Gymnasium mit freien Plätzen aufgenommen werden. Auf Wunsch können solche Schüler aber am 30.6. und 1.7. eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Fix ist die Aufnahme bei allen Schülern erst, wenn in der vorletzten Schulwoche (25.-29.6.) die AHS-Reife-Erklärung abgegeben wird.

Bei Problemen bei der Schulwahl werden die Eltern vom Direktor jener Schule, an der das Kind angemeldet wurde, gemeinsam mit Experten der AHS-Abteilung im Stadtschulrat beraten. Bei einer AHS-Hotline (Tel: 52525 - 77213) können sich Eltern auch telefonisch informieren.

Info

Bei Problemen bei der Schulwahl werden die Eltern vom Direktor jener Schule, an der das Kind angemeldet wurde, gemeinsam mit Experten der AHS-Abteilung im Stadtschulrat beraten. Bei einer AHS-Hotline (Tel: 52525 - 77213) können sich Eltern auch telefonisch informieren.

Share if you care.