"Google stoppen": Deutschsprachige Literaturbranche vereint sich

13. Februar 2009, 15:12
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Ruiss: US-Suchmaschine "hat Recht gebrochen" - "Wir sind alle davon erfasst" - Google: "Wir respektieren das Urheberrecht"

Die Verwertungsgesellschaften, die Autorengemeinschaften und die Verlegerverbände im deutschsprachigen Raum arbeiten derzeit gemeinsam "fieberhaft" daran, der US-Suchmaschine Google Einhalt zu gebieten: Denn Google "will sich kollektives Gebrauchsrecht" für Bücher einräumen lassen, die das Unternehmen in einer groß angelegten Aktion eingescannt hat und für die es nun in einem Vergleich nachträglich Rechte erhalten will. Dies schilderte Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren am Freitag im APA-Gespräch. Dies gehe auch die österreichischen Autoren an: "Ich kann alle beunruhigen: Wir sind alle davon erfasst." Google betonte auf APA-Anfrage, das Urheberrecht zu respektieren.

60 Dollar pro Buch

In den vergangenen Tagen wurden in deutschsprachigen Tageszeitungen, per Email und per Post Autoren über einen 300 Seiten umfassenden Vergleich informiert, den Google, The Authors Guild und die Association of American Publishers vorgeschlagen haben und der noch gerichtlich genehmigt werden muss. Darin will Google Rechte an Büchern für seine Buchsuche und weitere Nutzungen nachträglich erwerben, die das Unternehmen eingescannt hat und die zum Teil noch urheberrechtlich geschützt sind. Die bisherige Nutzung dieser Werke soll laut Ruiss mit 60 Dollar pro Buch abgegolten werden, in Zukunft sollen die Rechteinhaber 63 Prozent des Erlöses erhalten, den Google durch Werbeeinschaltungen und weitere Verwendungen wie Print-on-Demand oder E-Book-Verwertung erzielt. Bis 5. Mai - zu diesem Stichtag sollen 15 Mio. Bücher eingescannt sein - müssen die Autoren prinzipiell kundtun, ob sie diesem Vergleich beitreten wollen bzw. ihm widersprechen.

"Was hier noch niemand glauben kann, aber demnächst glauben wird: Dieser Vergleich betrifft nicht nur die USA, sondern weltweit alle Autoren und Verlage", sagte Ruiss. Über ein Autorenkonto, dass Ruiss testweise auf der Vergleichshomepage http://www.googlebooksettlement.com eingerichtet hat, habe er "festgestellt, was ich nicht für möglich gehalten habe: Es sind fast ausnahmslos alle Bücher von mir dort angeführt, auch die, die nicht im Buchhandel waren", sagte Ruiss, indem er sich auf eine "Vergleichsliste" jener Büchern bezog, für die Google Nutzungsrechte erhalten will. Und noch mehr: "Es ist lückenlos die gesamte österreichische Literatur, von Handke über Bernhard bis zu allen Klassikern, in dieser Vergleichsliste enthalten. Google will sich dafür kollektives Gebrauchsrecht einräumen lassen."

Einscannen

Durch das Einscannen der Bücher und das nachträgliche Ansuchen um die Rechte hat Google "Recht gebrochen, sonst hätte sich Google nicht verglichen. Aber vielleicht hat Google das auch ins Kalkül gezogen, um sich einen Startvorteil zu verschaffen", so Ruiss über die konkurrierenden Bemühungen u.a. in der europäischen Online-Bibliothek "Europeana", Bücher bzw. weiteres Kulturgut zu digitalisieren. Dass das US-Unternehmen Bücher zuerst einscannt und erst dann um die Rechte dafür ansucht, "stellt unser Urheberrecht auf den Kopf", so Ruiss. Die heimischen Autoren würden so ins US-Rechtssystem "zwangseingemeindet, ohne dass wir je gefragt worden sind".

Google widerspricht auf APA-Anfrage dieser Darstellung. "Google respektiert das Urheberrecht und hat die Büchersuche extra so gestaltet, dass sie dem Recht entspricht", sagte Santiago de la Mora, Head of Google Book Search EMEA, auf APA-Anfrage in einer Email. Die Google-Büchersuche "bewirbt und fördert Verkäufe - und hilft so sicherzustellen, dass Autoren und Verleger für ihre kreativen Anstrengungen entlohnt werden. Google zeigt nicht einmal eine ganze Seite aus urheberrechtlich geschützten Büchern, wenn der Autor nicht explizit zustimmt."

Ruiss meint hingegen, dass die Rechteinhaber durch Googles Vorgehen "nicht mehr in der Lage sind, ein Recht zu vergeben oder nicht zu vergeben", sondern der "große Datenstaubsauger Google wird über alles drübergehalten". Nun müsse man wieder für "geordnete Rechtsverhältnisse sorgen". (APA)

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