Krise am US-Markt dauert noch an

13. Februar 2009, 15:07
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Erholung nicht vor 2011 erwartet - Zahl der Zwangsversteigerungen ging im Jänner gegenüber dem Vormonat erstmals wieder zurück

New York - Der US-Immobilienmarkt wird sich nach Einschätzung von Volkswirten nicht vor 2011 erholen. Bei den Hauspreisen sei in diesem Jahr ein weiterer Rückgang um zehn Prozent zu erwarten, sagte eine Mehrheit unter 25 Experten, die von Reuters befragt wurden.

Preisverfall dürfte weitergehen

Im kommenden Jahr setze sich diese Entwicklung voraussichtlich noch einmal fort, so dass der Preisverfall insgesamt 35 Prozent erreichen werde. Zehn Experten rechnen dagegen mit einer Stabilisierung der Preise in den nächsten sechs bis zwölf Monaten. "In der Mitte dieses Jahrzehnts wurden in den USA zu viele Häuser zu teuer gebaut", sagte David Wyss, Chef-Volkswirt bei der Rating-Agentur Standard & Poor's. "Die einzige Kur dagegen ist, nicht mehr zu bauen."

Das Platzen der Schuldenblase am Immobilienmarkt ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise. Solange das Budget der Verbraucher durch hohe Schulden belastet wird, gilt eine Erholung der größten Volkswirtschaft als schwierig. Das Wachstum der USA hängt zu zwei Dritteln von den Konsumausgaben ab.

Zwangsversteigerungen nehmen im Jahresvergleich ab

Die neue US-Regierung arbeitet indes fieberhat an einer Verbesserung der Lage, die Staatshllfen für zahlungsunfähige Hausbesitzer zeigen einer Studie zufolge auch schon erste Wirkungen. So wurden im Jänner etwa zehn Prozent weniger Häuser und Wohnungen zwangsversteigert als noch im Dezember, wie der Immobilienspezialist RealtyTrac am Donnerstag mitteilte. Ein Grund dafür sei, dass ein Stillhalteabkommen der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verlängert worden sei, sagte Firmenchef James J. Saccacio. Die US-Regierung hat weitere Stützungsmaßnahmen für Hypothekenkunden angekündigt.

Allerdings kamen mit 274.399 Immobilien immer noch 18 Prozent mehr unter den Hammer als ein Jahr zuvor - das ist bereits der 37. Anstieg im Jahresvergleich in Folge. Einer von 466 US-Haushalten ist inzwischen von einer Zwangsversteigerung betroffen. Die Jänner-Daten dürften daher nicht überbewertet werden, sagte RealtyTrac-Vizepräsident Rick Sharga. "Es ist fraglich, ob wir kurz davor sind, den Talboden zu erreichen."

Rezession

Steigende Zinsen bei Hypotheken treibt schon seit Jahren in den USA immer mehr Eigenheimbesitzer an den Rand der Pleite. Das Platzen der Immobilienblase löste dann die weltweite Finanzkrise aus, die inzwischen in der schärfsten Rezession seit Jahrzehnten gemündet ist. So erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2009 inzwischen nur noch ein Wachstum der Weltwirtschaft von 0,5 Prozent, in den Industrieländern dürfte die Wirtschaftsleistung sogar zurückgehen. (APA/Reuters)

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    Das Platzen der Schuldenblase am US-Immobilienmarkt ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise.

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