Fische und Pinguine in Schwierigkeiten

16. Februar 2009, 12:10
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Erwärmung und Überfischung: Fische werden kühlere Gewässer suchen - argentinische Pinguine müssen ihre Futtersuche bereits ausdehnen

Chicago - Fische dürften künftig migrieren: Nach Erkenntnissen von WissenschafterInnen werden viele Meeresbewohner kühlere Gewässer suchen und zunehmend aus tropischen sowie milden Klimazonen in Richtung der Pole abwandern. Dies könnte dramatische Folgen für den Fischfang haben, warnte William Cheung von der University of East Anglia (Großbritannien) in Chicago.

Mit Hilfe eines eigens entwickelten Computermodells hat Cheung mit ForscherInnen in Kanada und in den USA die Auswirkungen der veränderten Lebensbedingungen in den Ozeanen auf mehr als 1.000 kommerziell genutzte Fischarten und Krustentiere untersucht. Die Studie soll in der kommenden Ausgabe des Fachjournals "Fish and Fisheries" veröffentlicht werden.

Pinguine auf Futtersuche

Fischwanderungen und Überfischung setzen Pinguinen an der argentinischen Küste bereits jetzt zu. Während ein Magellan-Pinguin beim Nachwuchs bleibe, müsse das andere Elternteil im Meer Fische für die Familie fangen, erklärte die Biologin Dee Boersma von der University of Washington in Seattle bei der Vorstellung einer Studie in Chicago. Weil die küstennahen Gewässer überfischt seien und auch der Klimawandel sich auf die Fischvorkommen auswirke, müssten die Pinguine auf der Futtersuche 40 Kilometer weiter schwimmen als noch vor zehn Jahren und damit pro Futtersuche zusätzliche 80 Kilometer zurücklegen.

Während die Pinguine im Nest auf die Rückkehr ihrer Partner warteten, müssten sie oft Hunger leiden, führte Boersma aus. Die Biologin hat die Pinguin-Kolonie im patagonischen Punta Tombo mehr als 25 Jahre lang erforscht. Ihrer Untersuchung zufolge verkleinerte sich die Kolonie in den vergangenen 22 Jahren um ein Fünftel. So zögen mittlerweile nur noch 200.000 Pinguin-Paare in Punta Tombo Junge groß. Gründe für die Verringerung des Pinguin-Bestands sind laut Boersma der Klimawandel, die Überfischung und die Verschmutzung des Meeres durch ausgelaufenes Erdöl.

Profit und Leid

"Uns stehen große Veränderungen bevor, die sowohl wir als auch unsere Kinder zu spüren bekommen", warnte Cheung auf der 175. Jahrestagung des weltgrößten Wissenschaftsverbandes (AAAS) in Chicago. Unter der Abwanderung der Fischschwärme dürften vor allem die Entwicklungsländer in den tropischen Klimazonen zu leiden haben, sagte der Forscher, während Norwegen und andere Länder im Norden davon profitieren dürften.

Die Bestände des Kabeljaus im Atlantik vor der nordamerikanischen Ostküste werden dem Modell zufolge bis 2050 in einigen Regionen um die Hälfte schrumpfen, die der Heringe um mehr als 20 Prozent, sagten die Forscher voraus.

Kämpfe

Andere Arten, die bereits in kühlen Gewässern leben, werden ihr Revier künftig mit anderen teilen müssen und den Kampf um Nahrung mit der Zeit verlieren. Nach Berechnung der Experten und Expertinnen dürften die Fischschwärme ihren Lebensraum im Durchschnitt 40 bis 45 Kilometer pro Jahrzehnt weiter in den Norden oder in Richtung Südpol verschieben.

Das Vorkommen des Kabeljaus vor der Küste Neuenglands in den USA sinke seit etwa 15 Jahren, stellte Mark Kulansky in Chicago fest. "Es ist interessant, dass außer der Fischfangindustrie noch ein weiterer Faktor zum Schwund unserer Speisefische beiträgt."

Wie berichtet reduziert der Fischfang nicht nur direkt sondern auch indirekt die Fischpopulationen. Fische werden früher geschlechtsreif, bleiben klein und legen deutlich weniger Eier. (APA/dpa/red)

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    Fische werden künftig kühlere Gewässer suchen.

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