West-Nil-Virus bei Vögeln in Österreich entdeckt

13. Februar 2009, 13:50
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Erreger kann auch für Menschen gefährlich werden - Übertragen wird das Virus durch Gelsen

Ein neuer Krankheitserreger aus dem Tierreich, der auch für Menschen gefährlich werden kann, ist erstmals in Österreich "eingetroffen": das West-Nil-Virus. Infektionen wurden vergangenes Jahr erstmals - ausschließlich - bei Vögeln registriert. Übertragen wird es durch die normalen Gelsen. Möglicherweise handelt es sich bei dem aus Ungarn "eingewanderten" Virus um eine für den Menschen weniger gefährliche Variante als jene, die in den USA Tausende Erkrankungsfälle und rund 1.000 Todesopfer verursacht hat. Dies erklärte Norbert Nowotny, Klinischer Virologe der Universität für Veterinärmedizin in Wien, Freitag am Rande einer wissenschaftlichen Konferenz.

Ab und zu Ausbrüche

"Das West-Nil-Virus hatte sich in Europa schon längst etabliert. Ab und zu gab es Ausbrüche. (...) In Österreich haben wir das West Nil Virus nie gehabt. Was jetzt neu ist: Seit 2004 ist ein anderes West-Nil-Virus (Lineage 2, Anm.), das aus Südafrika und Afrika stammt, in Ungarn aufgetreten. Es ist krankheitsauslösend vor allem für Vögel, besonders Greifvögel, im Prinzip auch für Pferde und Menschen. Seit 2004 hat es in Ungarn immer Fälle gegeben. Im Sommer 2008 ist die 'Geschichte' explodiert. Die Krankheit verbreitete sich in ganz Ungarn, bei Vögeln, besonders Habichten und Pferden. Auch rund 20 Menschen sind erkrankt. Dieses Virus scheint aber nicht wahnsinnig krankheitserregend für den Menschen zu sein. Die Betroffenen hatten eine milde Meningitis (Gehirnhautentzündung, Anm.). Es gab keine Todesfälle", sagte der Experte.

So wurde das West-Nil-Virus der Linie 2 schließlich im vergangenen Sommer auch in Österreich registriert. Nowotny: "Wir hatten Fälle in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Es waren alles Vögel, zu 90 Prozent Habichte."

In den USA hingegen hat die andere West Nile Virus-Variante der Linie 1 in den vergangenen Jahren rund 10.000 Erkrankungen und rund 1.000 Todesfälle verursacht. Das unangenehme an der Situation laut dem Experten: "Übertragen wird das Virus auch durch die normalen Gelsen. Das Virus überlebt nur in den Stechmücken. Ein bis zwei Prozent überleben den Winter - und können dann zu Infektionen ab dem Frühjahr führen. Wir erwarten die nächsten Fälle Mitte bis Ende Juli bis Ende September."

Das Problem liegt darin, dass sich das Virus sehr schnell ausbreiten kann. Von 1999 bis heute hat sich das mit dem Erreger des Dengue-Fiebers verwandte Virus nach seiner Ankunft in New York in den USA schon bis nach Argentinien verbreitet. Derzeit kann wegen der niedrigen Temperaturen in Österreich gar nicht wirklich danach gesucht werden, weil es eben keine Gelsen gibt. Erst im Frühjahr wird man Genaueres sagen können. Der Generaldirektor für die Öffentliche Gesundheit im österreichischen Gesundheitsministerium, Hubert Hrabcik: "Da ist uns der Kälteeinbruch zum Winterbeginn dazwischengekommen. Wir werden sehen, was im Frühjahr geschieht."

Undenkbar für Wien oder Österreich wäre ein Vorgehen der Behörden wie in den USA als das offenbar gefährlichere West Nile-Virus der Linie 1 dort ankam: Da starteten die "Insektizid-Bomber" zum Flug über New York und andere dichtest bevölkerte Regionen. (APA)

Wissen: West-Nil-Virus

Das West-Nil-Virus (oder West Nile-Virus) wird von Moskitos bzw. Gelsen übertragen, wobei es verschiedenste derartige "Vektoren" unter den Insekten gibt. Der Krankheitserreger gehört zu den Flavi-Viren. Auch Dengue-, FSME-Viren und die Erreger der Japanischen Enzephalitis gehören zu dieser Familie. Charakteristische Symptome sind Fieber, Muskelschmerzen, Lymphknotenschwellung. Es kann insbesondere bei älteren und geschwächten Menschen auch Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Im Normalfall ist das Virus, das für einige Vogelarten tödlich sein kann, für Menschen nicht lebensbedrohlich. Bei den Vögeln sind es vor allem Greifvögel, für die die Viren besonders gefährlich sind.

Erstmals wurde das Virus 1924 in Beirut entdeckt. Es tritt überwiegend im Nahen Osten, Afrika und Teilen Süd- und Südostasiens auf. In Europa wurde es bereits vor mehreren Jahrzehnten registriert, in den USA erstmals 1999. Eine ursächliche Behandlung der Erkrankung gibt es nicht, auch keine Impfung. In den USA hat man vergeblich versucht, der Verbreitung des Virus durch großflächige Sprühaktionen mit Insektiziden Herr zu werden.

 

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    Das West-Nil-Virus wird von Gelsen übertragen

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