Konsumenten kaufen trotz Krise

13. Februar 2009, 13:32
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Boom bei Flachbildfernsehern hält an - Keine großen Investitionen, sondern Alltagsbedarf - Ruf nach Energieprämie für grüne Produkte

Wien  - Keine Krisenstimmung herrscht im Elektro- und Elektronikhandel, sondern Freude über anhaltend gute Umsätze: Im Jahr 2008 stieg der Gesamtumsatz um 3,5 Prozent auf den Rekordwert von 4,1 Mrd. Euro, auch für das Jahr 2009 sind die Branchenvertreter durchaus optimistisch. Im Jänner wurden weiterhin Umsatzzuwächse verzeichnet. "Wir hatten einen hervorragenden Anfang für ein angebliches 'Krisenjahr'", sagte Peter Osel, Geschäftsführer von Euronics ("Red Zac") am Freitag bei einer Pressekonferenz des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie in Wien. Für das laufende Jahr wird das Halten des Umsatzes oder sogar wieder eine Steigerung erwartet.

Gestiegen ist der Umsatz in der Unterhaltungselektronik (+4 Prozent), bei großen Haushaltsgeräten (+4 Prozent), kleinen Haushaltsgeräten (+3 Prozent) und Telekom (+13 Prozent). Bei IT-Geräten wurde zwar wegen des Preisverfalls ein Umsatzminus von 6 Prozent verbucht, an Stückzahlen gemessen wurde jedoch auch hier mehr verkauft. Gepusht werden die Umsätze durch den anhaltenden Boom bei Flachbildfernsehern und Espressomaschinen. Die Unterhaltungselektronik-Branche hat 2008 eine Umsatzsteigerung um 4 Prozent auf 804 Mio. Euro.

2008 wurden um 40 Prozent mehr Flachbildfernseher verkauft als im Jahr davor. Der Umsatz bei LCD-Plasma-Fernsehern stieg um satte 18 Prozent, und trotz des Ausbruchs der Krise im Herbst 2008 war in keinem Monat eine Kaufzurückhaltung der Konsumenten zu spüren, freut sich der Handel über ungebrochene Nachfrage. Das Jänner-Geschäft laufe weiter gut, bei Flachbildfernsehern kämpfe man sogar mit Lieferschwierigkeiten, sagte Wolfgang Krejcik, Obmann des Bundesgremiums Radio und Elektrohandel in der WKÖ. Erst in etwa 30 Prozent der österreichischen Haushalte seien Flachbildfernseher eingezogen, der weitere Ausstattungsbedarf also groß.

Positiver Ausblick

Auch der Handel mit Weißer Ware, also großen Haushaltsgeräten, bilanziert zufriedenstellend. Die Anschaffung dieser Geräte des täglichen Bedarfs wie Waschmaschinen sei üblicherweise keine große Investition, sondern werde meist als Ersatzkauf vorgenommen. Auch für das laufende Jahr werden Umsatzzuwächse erwartet, erklärte Franz Schlechta, Branchensprecher des Forums Haushaltsgeräte. Von der Steuerreform, die den Österreichern mehr Geld ins Börsel bringen werde, erwartet sich der Handel einiges. Mit einer Prämie für moderne Haushaltsgeräte, etwa 150 Euro Stützung beim Kauf eines energieeffizienten Kühlschranks, könnte ein finanzieller Anreiz zum Kauf besonders umweltfreundlicher Geräte geschaffen werden. 150 Euro pro "grünem" Kühlschrank würden im Jahr etwa 3 bis 4 Mio. Euro kosten, rechnet Schlechta vor - wenig Geld im Vergleich zu großen Hilfspaketen für die Finanzbranche.

Bei den Elektro-Kleingeräten verlief die Entwicklung 2008 ebenfalls "erfreulich", erläuterte der Branchensprecher des Elektro-Kleingeräte-Forums, Thomas Poletin. Neuheiten und Angebote würden vom Konsumenten angenommen. Vom Trend zum Rückzug in die eigenen vier Wände in der Krise könnten etwa Espressomaschinen oder Kochprodukte profitieren.

Sorgen bereiten dem österreichischen Handel mit rund 10.000 Mitarbeitern und circa 2.000 Geschäften derzeit nicht die Konsumenten, sondern die Kreditversicherer: "Wir sind etwas nervös", gestand Krejcik ein. Es gebe bereits Signale, dass die Kreditversicherer vorsichtiger gegenüber den Händlern würden. Dadurch würden die Probleme der Finanzbranche auf die Realwirtschaft, also den Handel, übertragen. Das Verhältnis des Handels zu den Käufern sei jedoch ungebrochen gut: "Der Konsument vertraut seinem Elektrohändler heute mehr als seiner Bank", meint Krejcik. (APA)

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