"Haben uns in der Finanzkrise gut behauptet"

13. Februar 2009, 13:21
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Keine Krise - einen Bedarf an staatlicher Unterstützung gebe es nicht

Die Prämieneinnahmen der österreichischen Versicherungen haben 2008 zugelegt und sollen auch 2009 leicht steigen. Bei der Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge drängt die Branche auf Reformen.

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Wien - Im Zuge der Finanzkrise drängt auch die Versicherungsbranche auf Reformen bei der zweiten und dritten Pensionssäule. Bei der Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge (PZV) soll der derzeit noch mit mindestens 40 Prozent vorgeschriebene Aktienanteil auf 25 Prozent im Durchschnitt von zehn Jahren abgesenkt werden, sagte Versicherungsverbandspräsident und Vienna Insurance Group-Chef Günter Geyer.

Rund 1,21 Millionen PZV-Veträge, über 90 Prozent des Gesamtvolumens, wurden bei Versicherungen abgeschlossen; 2008 betrug der Zuwachs 13,5 Prozent auf 825 Mio. Euro Prämienvolumen.

Performance leidet

Die Performance der PZV hat durch die Finanzkrise allerdings massiv gelitten. Genaue Angaben konnte Geyer nicht machen, er bestätigte aber eine Erhebung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Der VKI hatte für Produkte der ersten Generation (die PVZ existiert seit 2003) eine durchschnittliche Performance von bislang vier Prozent jährlich errechnet. "Das wird in etwa stimmen", meinte Geyer.

Die Regierung zeige sich für das Anliegen der Versicherer offen, Geyer hofft auf einen Abschluss der Gespräche im ersten Quartal. Seit September 2008 würden Kunden vermehrt auf eine Absenkung des Aktienanteils, vor allem kurz vor Pensionsantritt, drängen. Die Versicherer wünschen zudem eine Ausweitung der PZV auf Pflegevorsorge und die Möglichkeit von Einmalerlägen.

Auch bei der zweiten Säule wollen die Versicherer mehr Flexibilität. So soll ein Wechsel von den volatileren Pensionskassen in die betriebliche Kollektivversicherung möglich werden, die eine Garantie- Verzinsung von 2,25 Prozent pro Jahr bietet. "Pensionskassen sind für jüngere Leute sehr interessant. Jeder sollte die Chance haben, das wählen zu können, aber auch die Chance, wieder raus zu kommen" , sagte Geyer. Er plädiert für eine Wechselmöglichkeit ab dem 50. Lebensjahr, damit man negativen Börsenentwicklungen vor Pensionsantritt ausweichen kann.

"Solide und sicher"

Die Versicherungen hätten sich in der Finanzkrise gut behauptet und als "solide und sicher" erwiesen. Die Kapitalanlagen der Assekuranzen seien im Krisenjahr 2008 um 5,7 Prozent auf 85,8 Mrd. Euro gestiegen, die konservative Veranlagung mit Aktienanteilen im einstelligen Prozentbereich mache sich bezahlt. Inklusive Gewinnzuteilung würden Lebensversicherungen 2008 mit rund vier Prozent verzinst.

Bei den Prämien erwarten die Versicherer 2009 ein Wachstum von 1,5 Prozent, nach plus 2,5 Prozent im Vorjahr. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.2.2009)

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    V.l.n.r.: Wolfram Littich (Vizepräsident VVO, Allianz Elementar Versicherungs-Aktiengesellschaft), Konstantin Klien (Vizepräsident VVO, UNIQA Versicherungen AG), Günter Geyer (Präsident VVO, Vienna Insurance Group), Luciano Cirinà (Vizepräsident VVO, Generali Versicherung AG), Louis Norman-Audenhove (Generalsekretär VVO), Othmar Ederer (Vizepräsident VVO, Grazer Wechselseitige Versicherung Aktiengesellschaft)

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