Geteilte Stadt ist halbes Glück

13. Februar 2009, 14:15
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Im Norden von Mitrovica leben Kosovo-Serben, im Süden Kosovo-Albaner - Austausch gibt es beinahe keinen - Vetone Veliu will das nicht hinnehmen

„Wir hätten und das nicht gedacht, aber gleich am ersten Tag waren hundert Leute da", erzählt Vetone Veliu nicht ohne Stolz. Am ersten September 2004 öffnete das Frauenzentrum im nördlichen Teil von Mitrovica seine Toren. Betrieben wird es von „Community Building Mitrovica" (CMB) - einer NGO, die sich dem Zusammenbringen der Bewohner aus allen ethnischen Gruppen der Stadt verschrieben hat. Keine einfache Aufgabe. Mitrovica ist eine geteilte Stadt: Im Norden leben überwiegend kosovarische Serben und im südlichen Teil Kosovo-Albaner. Austausch zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen gibt es so gut wie keinen.

Das will die 53-jährige Lehrerin Veliu ändern. Seit zehn Jahren engagiert sie sich im NGO-Bereich in ihrer Heimatstadt Mitrovica. Seit einigen Jahren bei CBM. Das Frauenzentrum ist nur ein Teil der Arbeit der NGO. Veliu erzählt auch von dem Projekt „Video-Letter": Gymnasialschülern aus den Niederlanden und aus beiden Teilen Mitrovicas waren daran beteiligt. Als erste Aufgabe sollte jede Gruppe einen Film über ihren Schulalltag, ihre Wünsche und Bedürfnisse machen. Der Titel: I am. Dann kamen die Schüler aus dem albanischen und aus dem serbischen Teil der Stadt zusammen, um sich die Ergebnisse anzusehen. „Die Kinder sind so draufgekommen, dass es kaum einen Unterschied zwischen ihnen gibt. Sie haben die gleichen Probleme." Mittlerweile ist das Projekt zu Ende. Veliu ist überzeugt, dass es etwas verändert hat. „Nicht alle, aber einige der Teilnehmer haben noch Kontakt."

Viel Albaner fürchten sich

Grundsätzlich ist es in der geteilten Stadt schwierig, gemeinsame Projekte zu organisieren. Die serbischen Bewohner haben weniger Vorbehalte in den überwiegend von Albanern bewohnten südlichen Teil zu kommen. Umgekehrt ist es schwieriger. Viele Albaner fürchten sich. Veliu: „Viele Albaner glauben es sei gefährlich, in den nördlichen Teil der Stadt zu kommen. Früher haben hier alle miteinander gelebt."

"Nichts hat sich verändert"

Die Frage, ob sich nach einem Jahr Unabhängigkeit etwas verändert habe, beantwortet Veliu nüchtern. „Diese Frage stellen alle, aber es hat sich nichts verändert."

Alles ist aber doch nicht beim alten geblieben. Die Spannungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen haben nach der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar vergangenen Jahres zugenommen. Ihre Arbeit beeinflusst das aber nicht immer. „Es kommt auf das Projekt an", sagt Veliu. 

Das Frauenzentrum im nördlichen Teil der Stadt funktioniere weiterhin. „Die Frauen wollen einfach zusammen sein. Politik ist hier kein Thema." Schwieriger ist es Projekte für Kinder zu organisieren. „Hier entscheiden die Eltern und viele sind eingeschüchtert." Derzeit gibt es kein laufendes Projekt bei CBM für Kinder oder Jugendliche. Eines ist derzeit in Planung, noch fehlen aber die Geldgeber.

Von den zunehmenden Spannungen war im Frauenzentrum nichts zu bemerken. In dem kleinen Haus im nördlichen Teil der Stadt treffen Frauen aus beiden Stadtteilen und aus allen ethnischen Gruppen zusammen. Es gibt Vorträge, Diskussionsrunden und Weiterbildungskurse. Auch für Kinderbetreuung ist gesorgt, damit auch jüngere Frauen das Angebot in Anspruch nehmen können. Bevor das Zentrum vor mehr als vier Jahren seine Tore öffnete, ist Veliu von Tür zu Tür gegangen und hat für ihr Vorhaben geworben. Sie hat früher selbst hier gewohnt. Die persönlichen Kontakte haben geholfen. (mka, derStandard.at, 13.2.2009)

  • Stichwort Mitrovica: 
Die Stadt ist seit dem Kosovo-Krieg 1998/99 geteilt. Früher ethnisch
relativ durchmischt, leben die Serben heute im Nordteil, die Albaner im
Süden. Dazwischen fließt der Fluss Ibar.
Auf dem Bild Kinder aus beiden Teilen der Stadt beim einer gemeinsamen Silvester-Feier.
    foto: cbm

    Stichwort Mitrovica:

    Die Stadt ist seit dem Kosovo-Krieg 1998/99 geteilt. Früher ethnisch relativ durchmischt, leben die Serben heute im Nordteil, die Albaner im Süden. Dazwischen fließt der Fluss Ibar.

    Auf dem Bild Kinder aus beiden Teilen der Stadt beim einer gemeinsamen Silvester-Feier.

  • Diskussionen im Frauenzentrum.
    foto: cbm

    Diskussionen im Frauenzentrum.

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