Kardinal Schönborn läutet die Alarmglocken

13. Februar 2009, 17:54
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Der Wiener Erzbischof bemüht sich um"Schadensbegrenzung", er hat die österreichischen Bischöfe zu einem Krisentreffen geladen - Schönborn sieht "Irritation und Resignation" in der Kirche

Wien/Graz - Die österreichischen Bischöfe kennen am kommenden Montag nur einen Termin: 10 Uhr, Erzbischöfliches Palais. Kardinal Christoph Schönborn hat als Vorsitzender der Bischofskonferenz zu einer Sondersitzung geladen. Schönborn selbst verspricht sich von der bischöflichen Krisensitzung eine "Schadensbegrenzung" . Die derzeitigen Spannungen hätten "Irritation und Resignation" gebracht, räumte der Kardinal ein. Es gehe vor allem auch um die Zukunft der Kirche in Österreich. "Der gute Weg, den die Kirche in den letzten Jahren gegangen ist, stand unter dem Motto ,Auf Christus schauen‘. Diesen Weg wollen wir gemeinsam weitergehen" , betonte der Kardinal. Die Katholiken hätten "ein Recht darauf, dass wir unser Bestes geben, um die Krise zu überwinden".

Die Entscheidung zum Krisengipfel fiel kurzfristig: Donnerstagnachmittag beschloss der Wiener Erzbischof nach einem längeren Telefonat mit dem zu diesem Zeitpunkt in Rom weilenden Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen. Thema: "Die derzeitige Situation der Kirche in Österreich" . Und die ist denkbar schlecht. Schuld daran ist vor allem ein Mann: Der designierte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner. Doch der eigentliche Grund für den tiefen Riss in der heimischen Kirche wird sich kommenden Montag, 10 Uhr, nicht im Erzbischöflichen Palais einfinden. Geladen sind bei der Krisensitzung nämlich nur Diözesanbischöfe.

Bereits vergangene Woche ging man auf Bischofsebene deutlich auf Distanz zu dem Windischgarstner Pfarrer: Neben dem Grazer Bischof Egon Kapellari weilten auch die Bischöfe Paul Iby, Manfred Scheuer und Alois Schwarz in Rom. Wagner selbst war zum "Sultane-Shopping" in der Heiligen Stadt, zu einem Treffen mit den Bischofskollegen kam es aber nicht. Man ließ ihm aber ausrichten, er möge sich mäßigen und den Konfrontationskurs beenden.

"Herz-, Hirn- und Handkraft"

Für den steirischen Bischof Egon Kapellari ist die Einberufung der Sondersitzung nicht ungewöhnlich: "Es ist selbstverständlich, dass die Bischöfe beweglich auf andrängende Fragen reagieren und dazu auch außerordentliche Konferenzen halten." Die jetzt anstehenden Themen seien allgemein bekannt, und die aktuelle Lage der österreichischen Kirche erfordere eine "sorgfältige Analyse mit Augenmaß" , ist Kapellari im Gespräch mit dem Standard überzeugt.
"Probleme sind nicht kleinzureden, sondern sollen klar benannt werden. Die Bischöfe werden gemeinsam Wege suchen, um das vielschichtige Netz der Seelsorge zu stärken und vor Beschädigungen von innen und von außen zu schützen. Herz-, Hirn- und Handkraft aller Gläubigen sind gefordert, um die gemeinsame Mitte der Kirche zu stärken" , mahnt der Bischof ein.

Papst-Bruder dementiert

Doch nicht nur die heimischen Bischöfe ziehen sich zu notwendigen Beratungsgesprächen zurück. Von 2. bis 5. März wird sich die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrer regulären Frühjahrskonferenz treffen und sich mit dem Eklat um die ultrakonservative Pius-Bruderschaft befassen.

Rund um die Bestellung des Linzer Weihbischofs reißen derweil die Gerüchte nicht ab. Dem Vernehmen nach soll Gerhard Wagner auf Anraten des Papst-Sekretärs Georg Gänswein und des Bruders des Heiligen Vaters, Georg Ratzinger, bestellt worden sein. Der dementiert im Standard-Gespräch aber heftig: "Ein völliger Blödsinn. Ich habe mit meinem Bruder nie über den Linzer Weihbischof gesprochen. Dr. Wagner kenne ich nicht persönlich, und ich habe auch keine Kontakte nach Linz." Ob ihm sein Bruder, der Papst, angesichts der weltweiten Debatte nicht leid tue? Ratzinger: "Natürlich. Er hat es im Moment nicht leicht." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

  • Beten allein wird angesichts der massiven Verstimmung nicht mehr
helfen. Das hat nun auch Kardinal Schönborn erkannt.
    foto: standard7cremer

    Beten allein wird angesichts der massiven Verstimmung nicht mehr helfen. Das hat nun auch Kardinal Schönborn erkannt.

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