Theater: Matrosen mit Lippenstift

13. Februar 2009, 10:12
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Das Stadttheater Walfischgasse zeigt die deutschsprachige Erstaufführung des in Frankreich erfolgreichen Musicals "Cabaret der verlorenen Seelen"

Im dichten Theaternebel erscheinen drei Gestalten mit großen rauschenden Flügeln. Es werde gleich gefährlich, trällern die männlichen Oben-ohne-Engel mit ausgeprägten Bauchmuskeln ins Publikum. Denn als Nächstes begegnet man in einer versifften Bar einem unangenehmen Mann, den sie "das Schicksal" nennen und der später in die Rollen eines Pornoproduzenten und eines Stripclubbesitzers schlüpfen wird. Das Stadttheater Walfischgasse zeigt die deutschsprachige Erstaufführung des in Frankreich erfolgreichen Musicals "Cabaret der verlorenen Seelen": eine skurril trashige Schwulengeschichte des Pariser Duos Christian Siméon und Patrick Laviosa, die in der Wiener Regie von Thomas Schendel (Musik: Daniel Große Boymann) zu einem dubiosen, haltlosen Albtraum gerät. Das mag zuförderst an der holprigen Übersetzung liegen, doch auch der szenische Rahmen einer Lust- und Erfolgsskala in sieben Stufen bleibt, bei soliden Leistungen des Ensembles (Hannes Gastinger, Martin Niedermair, Norman Stehr und Sascha Oskar Weis), zu wackelig.

Denn in die versiffte Bar verschlägt es den jungen Stricher Dick, für den das "Schicksal" eine Karriere als Pornofilmdarsteller vorsieht. Dick feiert dank seiner physischen Vorteile große Erfolge, doch ausgerechnet als er ins seriösere Business (eine Revue, Spielfilmangebote) wechseln will, ist es mit dem Glück vorbei, und er landet wieder auf der Straße.

Der "Traum" wird gegen Ende des gut zweistündigen Abends immer wirrer - Schendel gelingt es nicht, seine singenden, mit Lippenstift bemalten Matrosen in einen Zielhafen einlaufen zu lassen. Und welche Angebote das Schicksal dem Stricher Dick noch weiter machen kann, möchte man so genau nicht wissen. (ih, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Feburar 2009)

Stadttheater Walfischgasse, 1., Walfischg. 4, (01) 512 42 00. Bis 21. März. 20.00

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