Am besten reimt es sich daheim: Leo Lukas

12. Februar 2009, 20:03
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Jubiläumsshow mit viel Liedgut: "Aus dem Vollen"

Wien - Mit 50 Jahren, da ist die Zeit des Räsonierens schon wieder vorbei, da macht man am besten Nägel mit Köpfen. Jubilar Leo Lukas hat sich vorgenommen, noch zu Lebzeiten den Hans-Kloepfer-Platz in seiner Geburtsstadt Köflach für sich zu erobern. Mit dem neuen Programm Aus dem Vollen wird ihm das nicht ganz gelingen. Obwohl den Steirer, das sei gesagt, die Reimlust mindestens so stark gefangen nimmt wie seinen leider dem Nationalsozialismus verfallenen Landsmann, den Mundartdichter Kloepfer (1867-1942).

In der aus alten Hadern abgemischten und vor allem aus Liedgut bestehenden Jubiläumsshow drückt sich das in Strophen wie folgender aus: "Ich weiß, bei eich Muslime/ gibt's mehr Brave wia Schlimme./ Net jeda mit an Leintuachhiatl/ trogt um den Bauch an Sprengstoffgiartl." Damit nichts schiefgeht, hat man den durchaus streitbaren Song Sehr geehrter Islam (siehe YouTube) längst mit dem Münchner Blasphemie-Preis ausgezeichnet; im Kabarett Niedermair gehörte er zu den wenigen Muntermachern des Abends.

Vielen der gemeinsam mit Musiker Christoph Wundrak (an Kornett und Euphonium) wachgeküssten Stücke merkt man ihr Alter nämlich deutlicher an als dem flotten Vortragenden. Dass die Oma mit "Email" keine elektronische Post, sondern ihr Suppenreindl meint, damit macht man heute wirklich keine Punkte mehr.

Von dauerhafter Gültigkeit erwies sich hingegen die legendäre, 107 österreichische Ortsnamen umfassende Suada, an deren Ende das Wort "Raiffeisenverband" alle Besitzverhältnisse schlagartig aufklärt. Nach einem hyperrealistischen Urlaubsbericht aus Bad Schruns, der einen von reichlich Schnaps auf Hochtouren gebrachten Provinzclan vorstellt, plädierte Leo Lukas schließlich indirekt fürs Daheimbleiben: "Die Wüste Gobi räumt dir die Gelüste obi." Man musste das als Wink nach Köflach interpretieren: So viel Heimatverbundenheit könnte doch "irgendwie" belohnt werden ... (Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

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