Vom Linzer Jung-Sozi zum Immobilienhai

12. Februar 2009, 19:43
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Cevdet Caner bereitet der Credit Suisse große Probleme

Er sei ein raffinierter, und talentierter Geschäftemacher. Personen, die einmal mit ihm zu tun hatten, meinen an ihm auch einen Hang zur Skrupellosigkeit festgestellt zu haben. Diese einstigen Weggefährten von Cevdet Caner wollen mit dem Immobilieninvestor heute nichts mehr zu tun haben. Selbst Caners früherer väterlicher Freund René Alfons Haiden, der als erster Chef der Bank Austria den aufstrebenden BWL-Student unterstützte, hat dem Vernehmen nach keinen Kontakt mehr zu ihm.

Als der angehende Betriebswirt 1997 in Linz mit praktisch null Eigenkapital den Call- und Logistikcenter Betreiber CLC gründete, stieg die BA Treuhand mit 18 Prozent in das Unternehmen ein. "Mir war immer klar, das wird eine große Geschichte", gab der damals 24-Jährige als Grund an, warum er sein Studium nach dem erfolgreichen Start von CLC abgebrochen habe. 2001 machte sein Unternehmen einen Umsatz von 34 Millionen Euro.

Drei Jahre später musste Caner den Chefsessel räumen. Die Aktie stürzte von fünf Euro auf 26 Cent ab. Erhebliche Teile seines Vermögens konnte er aber in Monaco in Sicherheit bringen. Dort heiratete er vor zwei Jahren auch seine langjährige Linzer Freundin.

2005 startete Caner den zweiten Anlauf für das "Big Business", wieder mit demselben Grundsatz: kein eigenes Geld investieren, dafür sich aber 1,3 Milliarden Euro diesmal von der Credit Suisse ausborgen. Caner kaufte 28.000 Plattenbauwohnungen in Berlin und Ostdeutschland. Den Steuersitz seiner Holding "Level One" verlegte er auf die Kanalinsel New Jersey, in seiner Heimat- stadt Linz siedelte er das Controlling an. Und wieder ging das Unternehmen den Bach hinunter, die Credit Suisse hängt jetzt mit 300 Millionen Euro drinnen.

Grund an seiner Qualifikation zu zweifeln, hat der 35-Jährige nicht. So meinte er lapidar nach seiner jüngsten Bauchlandung, er werde sicher nicht verarmen. Davon sind jene, die ihn kennen, überzeugt. Denn Caner weiß aus Erfahrung, was es heißt, kaum Geld zu haben. Stammt er doch aus einer kurdischen Gastarbeiterfamilie und hat sich seinen sozialen Aufstieg hart erarbeitet.

Er wurde der erste Migrant in Linz, der eine politische Führungsposition errang: Zwei Jahre lang war er der Vorsitzende der Linzer Sozialistischen Jugend, dabei fiel er durch Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit auf.

Kontakt zur Politik hat er längst nicht mehr. Bloß voriges Jahr suchte Caner den Linzer Bürgermeister auf: Er wollte ihm die städtische Wohnungsgesellschaft GWG abkaufen. Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

 

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